20.10.2017, 15:30 Uhr

Philip Streit über Fehler von Kindern: Auf die Würde des Kindes achten

Kinder fühlen oft Scham bei eigenen Fehltritten. (Foto: Markus Bormann/Fotolia)

Philip Streit gibt Tipps zum Umgang mit Würde und Scham von Kindern.

Zu langes Fortgehen, Vernachlässigen von Verpflichtungen: Jugendliche fühlen sich oft von ihren Eltern beschämt und in ihrer Würde verletzt, wenn sie anderen über ihre Fehltritte erzählen.
Philip Streit erklärt, dass die menschliche Würde das Recht eines jeden Menschen auf körperliche und seelische Integrität beinhaltet. Scham entsteht oft, wenn man das subjektive Gefühl hat, Normen nicht zu entsprechen und wenn die Würde verletzt ist. Die psychologische Wissenschaft kennt den Begriff, dass die Scham die Wächterin der Würde ist. Sie ist der Regulator der zwischenmenschlichen Beziehungen und Basis der Kooperation. Scham entsteht, wenn menschliche Grundbedürfnisse wie Gruppenzugehörigkeit oder Autonomie verletzt werden. Die pädagogische Psychologie kennt auch den Begriff der konstruktiven Scham. Diese kann eine mächtige Kraft einer zielführender Veränderung und gemeinsamer Annäherung sein.

Tipps vom Familienflüsterer

Das können Sie als Elternteil tun, um mit Scham und Würde konstruktiv umzugehen:
1. Checken Sie, wie es bei Ihnen mit Scham und Würde aussieht. Behandeln Sie sich würdevoll.

2. Überlegen Sie, wie Sie in kritischen Situationen mit anderen umgehen.

3. Überlegen Sie, bevor Sie etwas zu Ihrem Kind bei einem Fehler sagen. Achten Sie auf eine positive Beziehung.

4. Sagen Sie dann klar und unmissverständlich, gegen was Sie Widerstand leisten werden.

5. Warten Sie auf die Antwort Ihres Kindes. Fragen Sie, was Ihr Kind für Ideen hat und lassen Sie sich nicht irritieren.

6. Muten Sie Ihrem Kind zu, dass es beschämt ist und halten auch Sie das aus. So können konstruktive Lösungen entstehen.

Dies ermöglicht ein gelingendes Miteinander, bei dem man offen über Fehler sprechen kann.

Der Experte Dr. Philip Streit

Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut sowie Lebens- und Sozialberater. Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz. Es ist das größte Familientherapiezentrum in der Steiermark.
Telefon: 0316/77 43 44
Web: www.ikjf.at
Im Jänner 2016 hat er das „M42“, das neue Begegnungs- und Therapiezentrum des Institutes in der Moserhofgasse, eröffnet.
Ihre Anregungen und Fragen richten Sie bitte an redaktion.graz@woche.at oder per Post an „WOCHE Graz“, Gadollaplatz 1/6. Stock, 8010 Graz.
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