15.10.2014, 00:00 Uhr

Sicherheit in Graz: Der Volksgarten als Geigerzähler

Oft entscheidet nur die Perspektive, wie idyllisch sich der Volksgarten zeigt. (Foto: geopho.com)

Der Verein "Sicher leben in Graz" will die Stadt sicherer machen. Dabei soll auch die Wissenschaft helfen.

Der Verein "Sicher leben in Graz" setzt sich unter anderem aus Grazer Persönlichkeiten wie dem Psychotherapeuten und Arzt Klaus Gstirner, Bezirksschulinspektor Wolfgang Schnelzer und dem ehemaligen Stadtrat Werner Miedl von der Polizei zusammen. Ziel ist es, gemeinsam mit der Stadt das Sicherheitsgefühl und damit die Lebensqualität der Grazer zu steigern.
Denn obwohl die Kriminalität in Graz rückläufig ist, fühlen sich die Bewohner immer unsicherer. Ein Problem, für dessen Lösung man bei der Polizei gerne Hilfe annimmt: "Die Polizei kann nur repressiv vorgehen. Deshalb sind wir dankbar, wenn das Problem auch von anderer Seite angegangen wird", sagt dazu Oberstleutnant Gerhard Lachomsek, Stv. Leiter der Grazer Kriminalpolizei.

Volksgarten als Maßstab

Ein Grund für den Unterschied zwischen der objektiven Sicherheit und dem persönlichen Sicherheitsgefühl in Graz ist vor allem der Volksgarten, der in den letzten Monaten und Jahren als Sinnbild für die Sicherheitsprobleme der Stadt herhalten musste.
"Jede Stadt hat ihre Geigerzähler, die das Sicherheitsgefühl der Bewohner prägen – auch für jene, die gar nie direkt damit in Berührung kommen", sagt dazu Alexander Neumann vom Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie in Wien, der die Arbeit des Vereins wissenschaftlich begleitet. "Meist sind das Bahnhöfe und andere soziale Brennpunkte, an denen viele Menschen aufeinandertreffen. In Graz ist es eben der Volksgarten." Und das, obwohl auch dort das Sicherheitsgefühl der Menschen schlechter ist, als es die tatsächlichen Delikte an Anrainern außerhalb der Community vermuten lassen würden.

Lösungen finden
Gemeinsam mit Mitgliedern aus der Zivilgesellschaft, wie etwa Sozialarbeitern oder Vertretern der verschiedenen ethnischen Gruppen sollen in den nächsten Monaten Lösungsansätze erarbeitet werden, um das Sicherheitsgefühl an die objektive Sicherheit anzugleichen. "Dort, wo Straftaten passieren, ist natürlich die Polizei zuständig", so Neumann. "Aber wir wollen auch das unnötig schlechte Image des Parks verbessern." Ein wichtiger Punkt wird dabei sein, für die vielen jugendlichen Asylwerber, die nicht straftätig sind, Alternativen in Form von Jobs oder Deutschkursen zu schaffen.

Das Wichtigste zu Sicher leben in Graz

Der gemmeinnützige Verein "Sicher leben in Graz" arbeitet an der Entwicklung von Strategien, um das Sicherheitsgefühl der Grazer Bevölkerung zu heben.
Gleichzeitig will man die städtische Kriminalität schon vor oder in ihrer Entstehung verhindern.
Der Vorstand besteht aus Klaus Gstirner, Psychotherapeut, Werner Miedl, Polizist, Wolfgang Schnelzer, Bezirksschulinspektor, Franz Grossauer, Gastronom, Pauline Riesel-Soumaré, Antidiskriminierungsstelle, und Christian Loigge, Sicherheitsfachmann.
Info: www.sicherlebeningraz.at
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.