17.05.2018, 13:53 Uhr

Studie zu Verkehrsbeschränkungen: Citymaut und Autofreier Tag werden in Graz nicht kommen

Wollen beim Thema Verkehr und Luftgüte weiter an einem Strang ziehen: Siegfried Nagl und Anton Lang. (Foto: KK)

Dicke Luft herrschte in Graz nicht nur im Winter, sondern auch in der Politik nachdem vor allem von Seiten der Grazer Opposition im Gemeinderat eine detaillierte Aufschlüsselung zu der vom Land Steiermark in Auftrag gegebenen Studie zur Verbesserung der Luftqualität gefordert wurde.

Umso mehr wurden die heute von Landesrat Anton Lang, A15-Abteilungsleiter Gerhard Semmelrock und Bürgermeister Siegfried Nagl präsentierten Ergebnisse erwartet. Die Studie, im Wortlaut mit "Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Graz" betitelt, bringt jedenfalls interessante Neuigkeiten ans Tageslicht.

City-Maut und Autofreier Tag im Fokus

Untersucht wurden konkret zwei Maßnahmen: "Welche Auswirkungen hat einerseits die Errichtung eines City-Maut-Systemes und andererseits die Einführung eines Autofreien Tages auf den Schadstoffausstoß." Dabei ist zu erwähnen, dass es um die Schadstoffe NO2 und Feinstaub geht. Beide sind, wie den Grafiken der Studie zu entnehmen ist, in den vergangenen Jahren zum Teil stark gesunken, dennoch sind die Überschreitungstage in Graz noch immer nicht ganz unten angelangt. Das zu untersuchende Projektgebiet umfasste dabei nicht nur die Stadt Graz selbst, sondern auch die Gebiete GU-Süd, das Gratkorner Becken sowie im größten Fall auch Gebiete, die in andere Bezirke wie Voitsberg reichen. "Wir haben schließlich auch täglich 92.000 Einpendler, man darf alle Ergebnisse nicht nur auf Graz beziehen", betont daher auch Bürgermeister Nagl.


Kilometer gehen zurück

Im Bezug auf die City-Maut wurde mittels zweier unterschiedlicher Preis-Szenarien (Variante A: Drei Euro Gebühr pro Tag, Variante B: Acht Euro Gebühr pro Tag) gearbeitet. Beim Autofreien Tag wurde einerseits angenommen, dass PKW-Lenker Alltagsfahrten nur vom Autofreien Tag auf einen anderen Tag verschieben und andererseits, dass die Fahrten insgesamt wegfallen, was für das Endergebnis der Schadstoffbelastung naturgemäß besser sei. Als Bezugsjahr, in dem man nach Einführung von Maßnahmen Wirkungen erkennen müsste, wurde das Jahr 2020 gewählt. Die Kosten für die Installation einer City-Maut wurden übrigens nicht berücksichtigt. Gezeigt werden konnte letztendlich, dass der Anteil von Autolenkern durch die Maßnahmen in allen Szenarien sinkt, am deutlichsten aber, wenn die City-Maut eingeführt würde. Die gefahrenen Kilometer würden in Summe so um gut 20 Prozent zurückgehen.

Herausforderung für Öffentlichen Verkehr

Die Emissionen selbst würden sich demnach vor allem auch bei einer City-Maut-Einführung verringern, am stärksten, wenn diese acht Euro pro Tag beträgt. Der Effekt bei Einführung eines Autofreien Tages ist nicht einmal halb so hoch. In Graz selbst ist der Effekt darüber hinaus stärker, ohne eine Mitbetrachtung des Umlandes könne man die Ergebnisse aber nicht betrachten. "Man muss jetzt nur einmal denken, was diese Maßnahmen für den Öffentlichen Verkehr bedeuten würden. Die Studienautoren zeigen, dass eine Erhöhung um fast 30 Prozent bei Bus und Bim nötig wäre, um in Spitzenzeiten den Bedarf auszugleichen. Da sprechen wir von keinen kleinen Zahlen", wird Semmelrock deutlich.

Hausbrand im Fokus

Problematisch wird die Analyse dann, wenn man sich das Feinstaub-Verursachungs-Diagramm für das Jahr 2017 ansieht: "Der PKW-Verkehr macht da nur 4 Prozent aus, während der Hausbrand als Ursache bei einem Drittel liegt." In dieser Hinsicht seien die Maßnahmen City-Maut und Autofreier Tag nicht unbedingt zielführend, um Feinstaub-Grenzwerte einzuhalten. "Auch wird die Citymaut-Einführung in der kurzen Frist technisch nicht umsetzbar sein, wenn man Vergleiche in anderen Städten ansieht", so Semmelrock. Für Bürgermeister Nagl ein Grund, an andere Maßnahmen zu denken und gegen Citymaut und Autofreien Tag zu stimmen. "Wir sehen ja, dass der PKW-Verkehr nicht, wie landläufig geglaubt, der Schuldige ist. Auch darf man nicht immer nur Graz allein betrachten, wir werden Gespräche mit allen Umland-Bürgermeistern bis nach Voistberg führen, um hier Lösungen aufzubereiten." Das Land selbst werde jedenfalls seine Mikro-ÖV-Strategie ebenso fortsetzen wie den Radwegausbau (allein zwei Millionen Euro für Graz), den Ausbau der Regio-Bus-Linien und den Heizkesseltausch.
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