15.11.2017, 07:46 Uhr

Waltraud Posch von VIVID meint: "Beim Rauchverbot braucht’s endlich Klarheit!"

Aufmerksam machen auf die Gefahr des Tabaks will Waltraud Posch: Sie leitet bei VIVID die Stabsstelle Tabak (Foto: J. Konstantinov)

Statt negativer Effekte auf die Gastro würde die Akzeptanz nach einer Gesetzesnovelle laut VIVID steigen.

Die Diskussion ist in aller Munde: Das generelle Rauchverbot, das mit 1. Mai 2018 für die Gastronomie angedacht ist, könnte kippen. Zumindest, wenn man die derzeitigen Koalitionsverhandlungen verfolgt, ist die Gesetzesnovelle plötzlich wieder heißes Thema.
Waltraud Posch von VIVID, der Fachstelle für Suchtprävention Graz/Steiermark, sieht darin eine große Gefahr.

Herber Rückschritt

"Für die Suchtprävention wäre dies ein herber Rückschlag. Und jetzt ist es wieder alles andere als sicher, dass das Verbot bleibt", kritisiert Posch. "Wir von VIVID vertreten die Meinung, dass das Rauchverbot ausnahmslos bleiben muss." So würde das Verbot speziell Jugendlichen helfen, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen. "Und auch jenen Personen, die bereits aufgehört haben", meint Posch weiter.
Außerdem erklärt die Leiterin der Stabstelle Tabak, dass das Verbot ja nur "Indoor" gelten würde, im Freien stünde es Rauchern ja weiterhin offen, eine Zigarette anzuzünden.

Gefahr Tabak

Auch wenn VIVID Raucher nicht diskriminieren möchte, ist es Posch wichtig, die Gefahr von Tabak erneut deutlich zu machen: "Man muss Tabak so behandeln, wie es seine Gefährlichkeit verlangt. Gerade in der Gastro ist etwa die Gesundheit des Personals stark gefährdet."
So hat eine steiermarkweite Bevölkerungsbefragung von VIVID 2017 ergeben, dass 85 Prozent der Befragten "ein rauchfreier Arbeitsplatz wichtig" ist. Ebenso stimmten 74 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass "je leichter den Leuten das Rauchen gemacht wird, desto eher rauchen sie". 68 Prozent meinten: "Wenn ich die Wahl habe, besuche ich eher Nichtraucherlokale als Raucherlokale."

Positive Auswirkungen

Auch die negativen Auswirkungen auf die Gastronomie oder ein Schließen von Lokalen durch eine mögliche Gesetzesnovelle schließt VIVID aus. "Aus anderen Ländern mit Rauchverbot ist bekannt, dass die Akzeptanz nach der Einführung weiter ansteigt", erklärt Posch. In Bayern ist die Zahl von 61 auf 80 Prozent laut VIVID angestiegen.
"Es ist offensichtlich, dass das derzeitige Gesetz zum Nichtraucherschutz nicht funktioniert. Türen zwischen Raucher- und Nichtraucherräumen stehen offen, Kellnerinnen arbeiten im Rauch, nichtrauchende Gäste müssen durch Raucherräume, wenn sie einen rauchfreien Tisch wollen. Nur ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie schützt Gäste und Personal", lautet das offizielle Statement der Fachberatungsstelle.

Info:
Absolute Rauchverbote in EU-Ländern (eine Auswahl):
Holland seit 2004.
England seit 2007.
In Deutschland ist es Ländersache. In Saarland, Bayern und Nordrhein-Westfalen (40 Prozent der Bevölkerung) gilt das absolute Rauchverbot in Lokalen.
Frankreich seit 2008.
Irland seit 2004.
Italien seit 2005.
Kroatien seit 2008.

Ländervergleich
Dass durch ein anstehendes Rauchverbot die Gastronomie stark belastet werden würde, verneint die Fachberatungsstelle VIVID. So sind in Spanien nach der Einführung des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie weniger Lokale geschlossen worden als zuvor. In Großbritannien ist der Anteil an rauchenden Erwachsenen gar von 21 Prozent im Jahr 2007 auf 15,5 Prozent im Jahr 2017 nach der Einführung des Verbots gesunken. In Deutschland ist die Zustimmung zu rauchfreien Gaststätten von 2005 bis 2014 von 52,9 auf 81,1 Prozent angestiegen. (alle Zahlen: VIVID)
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