07.09.2016, 09:07 Uhr

Oliver Setzinger: "In Österreich züchtet man nur noch Roboter"

Ein Wiener und unser Erzherzog: Oliver Setzinger gefällt’s in Graz richtig gut. (Foto: geopho.com)

99ers-Kapitän Oliver Setzinger über seinen Wechsel nach Graz, die neue Halle und die Liga.

"Und die besten Krainer habt’s auch." Oliver Setzinger fühlt sich in Graz wohl. Der Fototermin mit der WOCHE am Hauptplatz beim legendären Würstelstand der Familie Gutmann war für den neuen Kapitän der 99ers auch eine Art Sightseeing. "Das Rathaus seh ich zum ersten Mal – echt beeindruckend. Dafür kenn ich mich halt in Kapfenberg mittlerweile perfekt aus", spielt die Nummer 91 auf die mitunter leicht nervenaufreibende Pendlerei der 99ers-Cracks in die Obersteiermark an. "Aber wenn man dann in der neuen Halle steht, nimmt man diese Fahrerei gerne in Kauf."
Seit dieser Woche ist damit ohnehin Schluss – den Feinschliff fürs "Baustellenspiel" am Freitag (9. September/19.30 Uhr) holt sich die Truppe von Ivo Jan in Hart. Die Vorfreude darauf ist Setzinger ins Gesicht geschrieben. "War der Bunker die schönste Halle in Österreich? Natürlich nicht. Mir hat die Atmosphäre trotzdem immer getaugt – aber jetzt ist die Halle einfach perfekt. Da ich gleich neben der Halle wohne, hab ich immer wieder gerne auf der Baustelle vorbeigeschaut."

"Suche Herausforderungen"

Dass sein Wechsel an die Mur zur grauen Maus der Liga mitunter für Kopfschütteln gesorgt hat, lässt "Setze" kalt. "Was andere Leute sagen, ist mir relativ wurscht, das hat mich noch nie gekümmert. Ich bin einer, der Herausforderungen sucht. Als Kind hab ich schon immer die Grazer Elefanten bewundert, die waren eine Macht – natürlich hat sich das etwas geändert. Aber ich war von Anfang an hier von diesem Projekt überzeugt, sonst hätte ich ja auch nicht für drei Jahre unterschrieben."
Auch dass er bei den 99ers sportlich kleinere Brötchen backen muss, stört ihn nicht. "Den Anspruch, Meister zu werden, kann in Österreich ohnehin nur Salzburg stellen. Alle anderen Klubs, die diesen Anspruch stellen, leiden an Realitätsverlust. Unser Ziel sind die Play-offs – und die sind auch absolut machbar."
Von seinem neuen Team ist Setzinger überzeugt: "Speziell die Chemie in der Kabine hat mich beeindruckt. Wird sind mit drei Linien nach Deutschland gefahren, haben gegen Zagreb mit zweieinhalb Linien gespielt – da hat niemand gejammert, alle haben sich für das Team zerspragelt. Dazu haben wir mit Kurtis McLean noch einen großen Sprung gemacht."

"So zerstört man das Hockey"

Das "Gemeindebaukind" (Eigendefinition Setzinger) aus dem 22. Bezirk der Bundeshauptstadt ist einer der letzten Typen im heimischen Eishockey, für das er übrigens keine allzu rosigen Zukunftsaussichten hat. "So wie die Liga aktuell ist, zehn Ausländer bei jeder Mannschaft spielen, zerstört man das österreichische Eishockey. Daran wird sich halt nichts ändern und darum werden wir auch in den nächsten zehn Jahren eine B-Nation sein. Spieler wie ich sind nicht mehr gewünscht, man züchtet nur noch Roboter."
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