18.11.2016, 16:07 Uhr

Ein Hauch Tausend und eine Nacht

Kuchen und Kaffee: Amin Reyhani und WOCHE-Redakteurin Verena Schaupp genießen ein süßes Frühstück im "Ducks Coffee Shop". (Foto: C. Hofer)

Amin Reyhani erzählt vom Weg über den Teppichhandel in die Lebensmittelindustrie.

Amin Reyhani ist Teppichhändler und Reisimporteur. Der Geschäftsmann will die Welt ein Stück verbessern. Wie, das verrät er im WOCHE-Business-Frühstück.

Sie führen den Betrieb Ihres Vaters in dritter Generation. War der Einstieg ins Familienunternehmen für Sie vorgezeichnet?
Amin Reyhani: Ich habe 1992 mein BWL-Studium beendet und wollte eigentlich Steuerberater werden, dann bin ich aber ins Familienunternehmen eingestiegen. Die Zeiten waren damals nicht einfach für den Teppichhandel, wir haben uns stark auf die Serviceschiene fokussiert mit einer eigenen Teppichwäscherei, die noch immer in Waltendorf angesiedelt ist. Mit diesem Service sind wir unter den Fachgeschäften in der Steiermark einzigartig. Das Credo meines Vaters war: Jeder Servicekunde ist auch ein potenzieller Kaufkunde.

Sind die Zeiten für den Teppichhandel inzwischen besser?
Die Nachfrage ist beständig. Wir haben aber schon vor 20 Jahren gemerkt, dass wir uns vielleicht auf ein zweites Produkt spezialisieren. So haben wir damals begonnen, Reis aus dem asiatischen Raum zu importieren und bei uns im Geschäft zu verkaufen. Auch Datteln und andere Kleinigkeiten gibt es bei uns.

Von Teppichen zu Reis – ein interessanter Weg.
Unsere Idee war, dass wir nicht nur die Wohn-, sondern allgemein die Lebenskultur aus dem orientalischen Raum zeigen wollen. Wir waren gerade auf den Reisfeldern in Indien unterwegs. Wir fördern auch Projekte, die die Lebensbedingungen der Reisbauern vor Ort verbessern. Faire und soziale Bedingungen zu schaffen, ist mir wichtig.

Reyhani is vor vier Jahren auch mit einem Umweltpreis ausgezeichnet worden. Ein soziales und nachhaltiges Denken wird bei Ihnen groß geschrieben?
So ist es. Ich will, dass die Welt für unsere nächste Generation ein Stück besser wird. Daher legen wir den Fokus auch auf diesen nachhaltigen Lebensmittelhandel. Außerdem ist das Reisgeschäft eine faszinierende, eigene Wissenschaft. Wer glaubt, dass der Teppichhandel komplex ist, hat sich nicht mit der Wissenschaft von Reis beschäftigt. Wussten Sie, dass es 11.000 Reissorten gibt und die Iraner oder Perser 100 Kilogramm Reis im Jahr essen? Wir Österreicher liegen bei fünf Kilogramm.

Das klingt, als ob Reis bei Ihnen im Mittelpunkt steht. Bleibt da noch Platz und Zeit für das Teppichgeschäft?
Wir haben zwar viele Ideen für unseren Reis – es gibt etwa schon eine Reisschokolade in Kooperation mit Zotter, geplant ist auch ein Reisbrot mit Auer –, aber die Hauptausrichtung der Firma ist momentan nach wie vor der Teppichhandel mit einem breiten Sortiment. Wir sind online verfügbar und versenden österreichweit Teppiche.

Warum braucht eine Wohnung mit einem schönen Holzboden überhaupt noch einen Teppich?
Ein Teppich sorgt für das richtige Wärmegefühl, ein Raum ohne Teppich hat für mich keine Seele. Jede Wohnung heute hat ein Defizit aufgrund nicht fachgerechter Einrichtung. Die Leute haben Teppiche von den Eltern oder Großeltern geerbt, irgendwo im Ausland oder bei Ikea gekauft, und so ist dann alles bunt zusammengewürfelt. Die richtige Beratung ist daher das Um und Auf.

Wie viele Teppiche verkaufen Sie pro Jahr?
Ich würde sagen, zwischen 200 und 300. Lustigerweise ist die Zahl beim Reis ähnlich: Aus anfänglichen drei sind mittlerweile 300 Tonnen Reis pro Jahr geworden.

Steckbrief

Geboren am 29.09.1968 in Graz.
Hat Betriebswirtschaft in Graz studiert.
Liebt das Reisen, besonders oft zieht es ihn nach Pakistan und Indien, wo er die dortigen Reisfelder besucht.
Stammt aus einer Familie von Unternehmern. Sein Urgroßvater war bereits im persischen Raum als Unternehmer aktiv.
Hat derzeit 13 Mitarbeiter und sucht nach weiteren kreativen Köpfen für die Firma.
Ist verheiratet und hat eine Tochter (21).
Lebt mit seiner Familie in Graz.
Wenn er Rat für Geschäfte braucht, steht ihm sein Vater immer zur Seite, ohne sich zu sehr in das Geschehen einzumischen. So funktioniert ein Familienbetrieb laut Amin Reyhani genau richtig.
Er durfte auch "ins Wasser fallen", als er mit 25 die Familiengeschäfte übernommen hat, ohne vom Vater kritisiert zu werden.
Klein und fein ist das Motto von Reyhani. Daher stand auch eine Expansion nach Wien nie zur Debatte.
Graz als Standort findet Reyhani genau richtig für sein Geschäft.
In der Freizeit, wenn er eine solche einmal hat, geht Amin Reyhani gerne wandern oder Ski fahren.
Eine soziale Einstellung schätzt er sehr an seinen Mitarbeitern.

Das Unternehmen

Das Unternehmen Reyhani ist ein Familienbetrieb seit 1958.
Amin Reyhani ist Geschäftsführer in dritter Generation.
Das Orientteppichgeschäft hat seinen Stammsitz in der Schönaugasse 49 und bietet neben dem Verkauf von Teppichen (aus einem Sortiment von 3.000 Stück) noch Reinigung und Reparatur der Teppiche an.
Ein eigener Lebensmittelladen mit orientalischen Köstlichkeiten befindet sich ebenso in der Filiale.
Fair Trade liegt der Firma sehr am Herzen, daher setzt sie sich für faire Bedingungen in Produktion und Handel von handgefertigten Teppichen ein, gegen Kinderarbeit und für faire Löhne.
Der Reis, der im Geschäft verkauft wird, ist ebenso gänzlich Fair Trade. Die "Reyhani-Foundation" unterstützt die Reisbauern in Indien.
Die N.Reyhani-Stiftung fördert mit der Grazer Stadtregierung begabte steirische Schüler.

Gast und Wirtschaft

Raubergasse 14, 8010 Graz
Telefon: 0699/10711117
Web: www.duckscoffeeshop.com
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 7.00 bis 19.00 Uhr, Samstag von 8.00 bis 18.00 Uhr und Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr
Beschreibung: Der "Ducks Coffee Shop", der sich durch die Ente auf seinen Kaffeetassen ein besonders herzhaftes Design überlegt hat, liegt mit der Raubergasse sehr zentral in der Innenstadt und ist doch angenehm ruhig und nicht überfüllt. Der Coffee Shop veranstaltet auch regelmäßig Poetry Slams. Ein Blick auf die Facebook-Seite für die nächsten Termine lohnt sich.
Die WOCHE meint: Von Sandwiches und kleinen Köstlichkeiten bis hin zu einer herrlichen Kuchenvitrine bietet der Coffee Shop alles für den kleinen Hunger in gemütlicher Kaffeehausatmosphäre mit Chillout-Lounge-Musik im Hintergrund. Die verschiedenen Sofas und hochgestellten Tische laden zum Lesen bei einer ausgezeichneten Tasse Kaffee ein oder ziehen die Besucher zum Arbeiten mit ihren Laptops an. Amin Reyhani und WOCHE-Redakteurin Verena Schaupp waren vom Käse- und Apfelkuchen sehr überzeugt.
0
Weitere Beiträge zu den Themen
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.