26.05.2016, 08:00 Uhr

Gold und Whiskey oder doch lieber Bitcoins?

„Heimspiel“: Max Tertinegg, Stefan Kliment und WOCHE-Redakteur Max Daublebsky (von rechst) beim Mittagessen in der „Scherbe“, wo Bitcoins von Paul Hermann als Zahlungsmittel akzeptiert werden. (Foto: Prontolux)

Max Tertinegg und Stefan Kliment von Coinfinity über ihr Geschäft mit Bitcoins.

„Bitcoin ist für Bargeld das, was die E-Mail für den Postbrief ist“, ist auf einem Flyer des Grazer Bitcoin-Händlers Coinfinity über das 2008 entwickelte digitale Bargeld zu lesen. Beim WOCHE-Business-Lunch erklären die beiden Geschäftsführer Max Tertinegg und Stefan Kliment, welche Vorteile das Zahlungssystem gegenüber klassischen Währungen hat.

WOCHE: Was ist Bitcoin?
Max Tertinegg: Digitales, dezentrales Geld. Im Bitcoin-System gibt es niemanden im Hintergrund, der es zentral verwaltet. Es gibt nur die Teilnehmer im Netzwerk, die sich auf ein Regelwerk geeinigt haben.
Stefan Kliment: Es ist quasi Peer-to-Peer-Geld (von Gleichgestelltem zu Gleichgestelltem, Anm.).
M. T.: Genau. Es ist ähnlich wie Bargeldzahlung – in dem Sinne, dass es von einer Person zur anderen geht, ohne, dass dazwischen irgendeine Bank oder ein Kreditkarteninstitut steht.
S. K.: Die Peers übernehmen alle Funktionen: Absicherung der Transaktionen, Ausgabe der Geldmenge, Weiterreichung von Transaktionen, ... Eine Bargeld-Transaktion ist zwar auch Peer-to-Peer, aber das Zahlungsmittel selbst ist ein zentralisiertes, staatliches Zahlungsmittel.

Was habe ich davon, wenn ich mit Bitcoins zahle?
M. T.: Durch den dezentralen Charakter ist das System robust und man hat keine Stellen, die korrumpierbar und bestechlich wären oder ausfallen könnten. Außerdem kann man Bitcoins in wenigen Sekunden mit geringen Gebühren von hier nach China schicken, ohne zwei Tage auf eine Überweisung warten zu müssen. Bitcoin macht also vor allem dann Sinn, wenn ich über das Internet schnell und sicher Werte verschieben möchte. Und es gibt viele, die es mit dem Hintergrund verwenden, dass sie immer noch Bitcoins haben, falls es im staaatlichen Geldsystem kracht.
S. K.: Theoretisch richtig, aber ich glaube, wenn das staatliche Zahlungssystem zusammenbricht, haben wir ganz andere Sorgen. Dann sind wahrscheinlich Goldbarren, Whiskey, Gewehrmunition und Zigaretten eine bessere Währung.

Welche Gefahren gibt es?
S. K.: Wenn man sich im Bitcoin-Netzwerk bewegt, ist man für die Absicherung seiner Bitcoin-Beträge selbst ververantwortlich. Man braucht einen privaten Schlüssel, mit dem man Bitcoin-Transaktionen signiert. Und diesen Schlüssel muss man so sicher wie möglich verwahren. Bitcoins werden nicht gestohlen, weil das System unsicher ist, sondern weil die Leute unsichere Plattformen verwenden. Das ist natürlich eine Gefahr.

Und was macht Coinfinity?
S. K.: So, wie es Gold-Händler gibt, verkaufen wir Bitcoins – für Bargeld, für Banküberweisungen oder für Sofortüberweisungen. Online machen wir es auch in die andere Richtung: Wir kaufen und verkaufen Bitcoins.
M. T.: Und wir machen Consulting, etwa für Firmen, die Bitcoin-Zahlungen auf ihrer Website implementieren wollen.

Wie viele Menschen verwenden bereits Bitcoin?
S.K.: In Graz sind es ein paar hundert, in Österreich sind es ein paar tausend.
M. T.: Weltweit sind es wahrscheinlich einige Millionen.

Max Tertinegg

Wurde am 27. September 1978 in Graz geboren.
Vater der 14 Monate alten Alma.
Hat an der FH Joanneum Informationsdesign studiert.
Danach unter anderem selbstständiger Programmierer, Grafiker und Musiker.
2014 Gründung von Coinfinity mit Stefan Kliment.
Sein Lied „Alpaca Socks“ (als Max Min), das von Bitcoins handelt, hat 34.000 Aufrufe auf Youtube.

Stefan Kliment

Geboren am 1. Dezember 1978 in Thessaloniki in Griechenland.
Verheiratet, Vater des 3-jährigen Leonard.
Studium der Internationalen Betriebswirtschaft an der WU in Wien, Abschluss 2008.
Seit 2011 in Graz, hat davor viel Zeit im Ausland verbracht, unter anderem drei Jahre als technischer Redakteur in Taiwan.
Verbringt seine Freizeit gerne mit seiner Familie oder beim Sport.

Coinfinity

Der Bitcoin-Händler hat seinen Sitz in der Mariahilferstraße 23, 8020 Graz.
1 Bitcoin kann bei Coinfinity vor Ort am Automaten oder auf coinfinity.co um aktuell knapp 400 Euro gekauft werden.

Gast und Wirtschaft

Die Scherbe
Stockergasse 2, 8020 Graz
Tel.: 0316/76 06 54
Web: www.scherbe.com
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 9 bis 1 Uhr, am Sonntag von 9 bis 4 Uhr.
Beschreibung: Die Scherbe hat den Aufschwung des Lend vor einigen Jahren mit eingeleitet und ist bis heute ein Fixpunkt im Grätzel zwischen Südtirolerplatz und Keplerstraße – zum Essen, mit einem gemütlichen Gastgarten aber vor allem auch als Bar.

Das Essen
Stefan Kliment entschied sich für die Ćevapčići mit Zwiebeln und Ajvar, Max Tertinegg für Knödel mit Schwammerl und Ei und für die WOCHE gab es gegrillte Hühnerbrust mit Wildkräuterhaube und Limettenpasta.
Die WOCHE meint: Angenehme, freundliche Atmosphäre und ein interessanter Mix in der Karte. Die Hühnerbrust war allerdings etwas trocken und von den Limetten war in der Pasta nur wenig zu schmecken. Knödel und Ćevapčići konnten aber überzeugen.
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