30.11.2016, 14:03 Uhr

"Tourismus ist ein wenig Hollywood"

Die Grazer Küche genoss Dieter Hardt-Stremayr gemeinsam mit WOCHE-Redakteurin Verena Schaupp (r.) im "dreizehn". (Foto: geopho.com)

Dieter Hardt-Stremayr leitet seit 21 Jahren den "Graz Tourismus" und erzählt, warum Planung kaum möglich ist.

Letztes Jahr hatte Graz ein Nächtigungsplus von fünf Prozent. Für diesen Erfolg mitverantwortlich ist Dieter Hardt-Stremayr, Geschäftsführer von "Graz Tourismus".

Graz hat als Stadt einen guten Ruf. Wie schafft man es, weiterhin positiv aufzufallen?
Indem man attraktiv bleibt. Wir haben unser Ziel erreicht, wenn die Besucher sich nach drei Stunden denken, dass sie noch weit nicht alles gesehen haben und länger bleiben wollen. Wenn man eine erfolgreiche Tagesdestination ist, dann wird man auch mehr Nächtigungen bekommen. Touristen sagen zu uns sehr oft: "Hätte ich gewusst, dass Graz so schön ist, wäre ich schon viel früher gekommen."

Das Problem ist, dass viele Touristen Wien oder Salzburg eher kennen ...
Wien und Salzburg sind Weltmarken, die spielen im Städtetourismus in der Champions League, Graz in der Europa League. Im deutschsprachigen Raum gibt es 25 Städte, die einwohnermäßig größer sind als Graz. Man muss sich seinen Status daher erarbeiten, das braucht einen langen Atem und ist kein 100-Meter-Sprint, sondern ein Marathonlauf.

Die Nächtigungszahlen sprechen dafür, dass Sie momentan nicht so schlecht laufen.
Wir verzeichnen in den letzten Jahren ein gesundes Wachstum von bis zu vier Prozent, letztes Jahr sogar fünf Prozent, das nachfragebetrieben ist. Damit sind wir sehr zufrieden. Auch der Advent hilft uns, letztes Jahr hatten wir 82.000 Nächtigungen im Dezember.

Wie bewegen Sie einen Gast dazu, wiederzukommen?
Wir sind inzwischen ein bisschen weniger abhängig von Veranstaltungen als früher. Für Wiederholungstäter, die sich fragen, warum sie Graz ein zweites Mal besuchen sollen, sind diese aber wichtig.

Welche Highlights gibt es da in Graz?
Natürlich La Strada im Sommer, jetzt im Winter die Weihnachtsmärkte. Hier heben wir uns mit unserer Eiskrippe von anderen Städten ab. Daneben bedient Graz noch viele Nischen mit dem Elevate, Spring oder dem Steirischen Herbst. Der Hauptbesuchsgrund in Graz ist und bleibt aber das Flair. Die Mischung aus Sommer, Sonne, Süden und Gastgartenszene – dieses Wohlfühlen spüren die Leute. Graz bietet Erholung für die Seele und hat eine angenehme Größenordnung.

Wenn Sie selbst reisen, wohin zieht es Sie da?
In andere Städte. Das Lustige ist, der Städtetourismus lebt von Besuchern aus anderen Städten. Ich habe diesen Sommer rund 25 italienische und französische Städte mit meiner Familie besucht.

Wie sieht bei Ihnen eine solche Reise aus?
Fragen Sie meine Familie, die kann ein Lied davon singen. Ich bin derjenige, der in jede Tourismusinfo reinspringt, sich die Unterlagen anschaut, fragt, wie der öffentliche Verkehr funktioniert. Wenn eine Veranstaltung stattfindet, frage ich nach der Finanzierung und so weiter.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Dass sie abwechslungsreich ist. Ewig lange Strategien braucht man sich im Tourismus nicht mehr vornehmen. Was vor einem Jahr funktioniert hat, kann im nächsten schon nicht mehr klappen. Die nächsten 1.000 Tage kann man abschätzen, aber nicht, wohin die Reise in fünf oder zehn Jahren geht. Ich stelle keine Prognosen mehr. Ich weiß nur, dass mir die Arbeit auch nach 20 Jahren noch Spaß macht. Tourismus ist für mich ein wenig Hollywood mit den spannenden Seiten des Lebens.

Steckbrief Dieter Hardt-Stremayr

Geboren am 14. Jänner 1963 in Kärnten.
Ist verheiratet und hat zwei Kinder (Stefanie, 17, und Christoph, 21).
Studierte in Graz Betriebswirtschaften und Wirtschaftspädagogik.
Finanzierte sich sein Studium als Reiseleiter im Sommer für amerikanische Touristen, von London bis Athen in 32 Tagen.
Zwei Jahre lang lebte er nach dem Studium in den USA und arbeitete für einen Reiseveranstalter. So kam ihm die Idee, in die Tourismusbranche zu gehen.
Sein Repertoire an Anekdoten aus seiner Zeit als Reiseleiter ist unerschöpflich.
Persönlicher Geheimtipp für Graz: Ein Besuch im Innenhof des Franziskanerklosters.
Mit offenen Augen durch die Stadt ist sein Credo für jeden Städtebesuch, gilt besonders auch für Einheimische, die durch ihre Stadt flanieren.
"Die Wiederholung ist Trumpf", meint er bezüglich Fotos einer Stadt. "Wenn wir im Büro denken ‚Nicht schon wieder dieses Bild!‘, ist es in den Köpfen der Leute draußen gerade einmal angekommen."
Städtereisende ticken seiner Meinung nach alle sehr ähnlich, egal, woher sie kommen.

Gast und Wirtschaft

Franziskanerplatz 13, 8010 Graz
Telefon: 0316/838567
Facebook: www.facebook.com/DreizehnGenusssbar
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag: 9.00 bis 1.00 Uhr, Sonntag: 10.00 bis 23.00 Uhr
Beschreibung: Die Genussbar "dreizehn" ist von Frühstück über Mittagsmenüs bis hin zu Cocktails am Abend breit im Sortiment aufgestellt. Mitten an einem der ältesten Plätze der Stadt bietet das Lokal eine moderne Bar-Atmosphäre im ersten Stock, im Sommer ist das Franziskanerplatz-Flair im Gastgarten zu genießen.
Das Essen: Dieter Hardt-Stremayr wählte genauso wie WOCHE-Redakteurin Verena Schaupp das Mittagsmenü mit Knoblauchcremesuppe und Schwarzbrotcroutons sowie Erdäpfel-Gemüse-Gröstl mit Cremespinat. Fotograf Jorj Konstantinov entschied sich für ein Wiener Schnitzel.
Die WOCHE meint: Das "dreizehn" setzt auf lokale und regionale Zutaten, welche zu einem schmackhaften Essvergnügen führen. Auch die Preise sind für ein Mittagsmenü durchaus angemessen. Das gute und freundliche Service konnte ebenso überzeugen und somit lädt das Rundumpaket auf jeden Fall zu einem erneuten Besuch ein.
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