03.01.2018, 08:00 Uhr

Wo garantiert kein Schuh drückt: Businesslunch mit Alois Prutsch und Markus Bauer von "Schuhwerk"

Italienisches Flair beim Schuh-Talk: Alois Prutsch (r.), Markus Bauer (2.v.r.) und Redakteur Christoph Hofer in der L’Osteria (Foto: Jorj Konstantinov)

Unikate stehen an der Tagesordnung: Im Schuhwerk Graz wird echte Handarbeit noch großgeschrieben.

Kein Tag vergeht, an dem wir sie nicht brauchen. Meistens haben wir auch noch mehrere Exemplare davon, die wir, je nach Jahreszeit und Anlass, anziehen. Die Rede ist natürlich von Schuhen. Ein geeignetes Paar, das durch hohe Qualität besticht, ist oft nicht so leicht zu finden. In Graz gibt es seit einigen Jahren aber die Möglichkeit, individuell angepasste Schuhe im "Schuhwerk" zu kaufen.
Die WOCHE hat sich mit den Verantwortlichen Alois Prutsch und Markus Bauer über ein traditionelles Handwerk unterhalten.

WOCHE: Sie bieten rahmengenähte Schuhe an. Was kann man darunter verstehen?
Alois Prutsch: Im Unterschied zu anderen Schuhen werden die Materialien nicht verklebt. Zwei Nähte halten praktisch alles zusammen. Das ist aber keine neue Erfindung, schon im 19. Jahrhundert hat Charles Goodyear die Grundlage für rahmengenähte Schuhe geschaffen.

Was ist das Besondere an dieser Machart?
Markus Bauer: Oberteil und Brandsohle werden durch ein um den Schuh laufendes Lederband, den sogenannten Rahmen, vernäht. Eine weitere Naht verbindet den Oberschuh mit der ledernen Laufsohle.

Welche Vorteile hat der Kunde?
A.P.: Rahmengenähte Schuhe sind deutlich länger haltbar, leichter zu reparieren und passformgetreu. Es gibt nicht wenige Leute, die einen derartigen Schuh ein Leben lang tragen.

Die Herstellung klingt ziemlich aufwendig. Wie viele Arbeitsschritte sind für einen Schuh nötig?
A.P.: Vom Schaft bis zum fertigen Schuh kommt man da auf gut 240 Arbeitsschritte. Wir sind das Gegenstück zur Massenproduktion. Es gibt zum Beispiel keine vorgefertigten Sohlen, jedem Schuh wird eine Sohle eigens angepasst.

Wie wichtig ist Beratung?
M.B.: Die Beratung im Geschäft ist das Um und Auf. Unsere Mitarbeiter sehen aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung im Normalfall bereits auf den ersten Blick, welcher Leisten für welchen Fuß in Frage kommt. Erst, wenn diese Frage geklärt ist, kann man sich auf Farbe und Design konzentrieren. Der Kunde kann sich auf jeden Fall sicher sein, dass er einen individuell angepassten Schuh bekommt.

Welche Modelle kann man bei Ihnen kaufen?
A.P.: Es gibt bei uns altbewährte und zeitlose Modelle, wie etwa Budapester, Londoner oder Oxford-Schuhe. In unserer Grazer Filiale befinden sich so an die 1.600 verschiedene Schuh-Varianten.
M.B.: Darüber hinaus ist es gegen einen Aufpreis möglich, einen Schuh anfertigen zu lassen, den sonst garantiert niemand trägt. Das sind dann richtige Unikate.

Gibt es spezielle Kundengruppen, die Sie ansprechen?
A.P.: Grundsätzlich alle Menschen, die Wert auf Schuhe mit Qualität legen. Zuletzt war etwa ein Deutscher bei uns, der 700 Kilometer zurückgelegt hat, nur um bei uns Schuhe zu kaufen. Das zeigt nicht zuletzt, dass es Geschäfte wie das unsrige kaum noch gibt.
M.B.: Aktuell lässt sich auch ein Trend erkennen, wonach wieder vermehrt junge Leute zu klassischen und eleganten Schuhen tendieren, die dann auch ein wenig mehr kosten dürfen. Die klassische Schuhkultur erfährt definitiv eine Renaissance.

Hat sich im Trageverhalten in den vergangenen Jahrzehnten etwas verändert?
A.P.: Problematisch ist, dass sehr viele Leute zum falschen Schuh greifen, er wird etwa zu groß gekauft. Kein Wunder, dass auch junge Menschen bereits orthopädische Einlagen benötigen. Das könnte durch eine fundierte Beratung verhindert werden.

Steckbrief von Alois Prutsch

Geboren am 13. August 1949.
Stand schon mit zwei Jahren in der Werkstatt des schuhproduzierenden Familienbetriebes.
Mit 21 hat er die Schuhfabrik der Eltern in St. Stefan im Rosental übernommen.
Das Schuhwerk hat er vor mehr als fünf Jahren gegründet. "Da war der Erfolg nicht absehbar."
Privat trägt er gerne Theresianer-Schuhmodelle.

Steckbrief von Markus Bauer

Geboren am 11. Februar 1980.
Hat Betriebswirtschaft in Graz studiert.
Nach Jahren in der Unternehmensberatung ist er vor rund eineinhalb Jahren bei Schuhwerk eingestiegen.
Bauer war ein völliger Quereinsteiger. "Wenn man sich wirklich engagiert, ist das kein Problem."
Mittlerweile ist er Managing Director beim Kleinbetrieb.

Infos zum Schuhwerk

Alois Prutsch hat am Standort Plabutscher Straße bereits mehrere Jahre lang rahmengenähte Schuhe produziert. Nachdem Stammkunden immer wieder auch Schuhe gekauft hatten, entschied er sich, ein Geschäft in der Grazer Innenstadt aufzusperren.
Im Jahr 2012 hat Schuhwerk dann am Freiheitsplatz erstmals seine Pforten geöffnet.
Mittlerweile ist das Unternehmen in die Hofgasse 10 gezogen und beschäftigt fünf Mitarbeiter.
Eine weitere Schuhwerk-Filiale gibt es in Salzburg.
Die Produktionsstätte liegt in Ungarn, wo man auf eine große Tradition in der handwerklichen Fertigung rahmengenähter Schuhe zurückblickt.
Das Rohleder wird von italienischen Produzenten bezogen.
Kontakt: https://www.schuhwerk.cc/
Telefon: 0316/67 40 10
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 18.30 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr

Gast und Wirtschaft: L’Osteria Graz

Adresse: Mehlplatz 1, 8010 Graz
Telefon: 0316/83 93 43 10
Web: http://losteria.at/restaurant/graz/
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 11 bis 24 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 24 Uhr
Beschreibung: Vor über zwei Jahren hat die aus Deutschland stammende Systemgastronomie-Kette, die auf italienische Speisen setzt, im Herzen von Graz eine Filiale aufgesperrt. Ein Blick auf die Speisekarte zeigt vor allem eine riesige Auswahl an Pizzen, aber auch Vorspeisen, Salate, Pasta und Nachspeisen werden angeboten.
Das Essen: Alois Prutsch wählte den Insalata Casa mit Thunfisch, Schinken und Artischocken, Markus Bauer entschied sich dagegen für Paccheri Salsiccia (Pasta, Bratwurst, Porree, Weißwein). Für Redakteur Christoph Hofer fiel die Wahl auf Spaghetti Rucola Pomodorini mit Kirschtomaten und Knoblauch, Fotograf Jorj Konstantinov versuchte Orecchiette di Manzo Al Limone mit Pasta, Rinderfilet, Paprika und Rucola.
Die WOCHE meint: Freundliches, aufmerksames Personal, nettes Ambiente und ausgezeichnete Speisen: L’Osteria kann definitiv mit anderen italienischen Lokalen in Graz mithalten.
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