Predigt
Jesus ist sicher Gott, aber auch Bruder und Freund zugleich

Die Kirchen sind vorerst bis einschließlich Ostermontag geschlossen, darum ist die Hauskirche von Wichtigkeit.
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  • Foto: panthermedia.net/farbenfinsternis
  • hochgeladen von Klaus Autengruber

Mit dem Corona-Virus sind derzeit auch Gottesdienste für die Öffentlichkeit ausgesetzt. Die BezirksRundschau stellt darum in dieser Zeit Predigten zur Nachlese zur Verfügung. Diese Predigt zum fünften Fastensonntag hat Dechant Erich Weichselbaumer verlesen.

Durch die Corona-Krise erleben wir eine Einschränkung der christlichen Begräbniskultur, wie sie bisher niemand bei uns gekannt hat. Freilich war eine Trauerfeier immer von Trauer über den Verlust eines lieben Menschen geprägt, aber es gab für Begräbnisse Momente der Feierlichkeit. Diese Hilfen für die Trauer fallen aus, um wegen Ansteckungsgefahr Leben nicht zu gefährden.

Ein Sterbefall hat für Trauernde, in welcher Form auch immer man Abschied feiert, den Beigeschmack des eigenen Todes. Wenn der Tod uns geliebte Menschen nimmt, sind wir aufgewühlt und suchen Hilfe und Zuwendung. So ergeht das auch den beiden Schwestern Marta und Maria in Bethanien. Sie wünschen dringlich, dass Jesus zu ihnen kommt, da ihr Bruder Lazarus gestorben ist. Jesus ist dazu bereit und geht zu ihnen.

Lazarus, der Freund Jesu liegt bereits im Grab. Ein schwerer Stein verschießt den Eingang. „Er verbreitet schon Geruch!“ ruft Marta warnend und bekundet so, dass ihr Bruder wirklich tot ist. Doch Jesus lässt sich nicht beirren. Er ruft mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Und der Verstorbene kommt heraus; seine Füße und Hände sind mit Binden umwickelt, und sein Gesicht ist mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagt zu ihnen: „Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen.“

Diese Erzählung von der Totenerweckung des Lazarus zeigt Jesus als Herrn über den Tod. Das Ereignis ist beeindruckend und dramatisch. Er kann herausrufen aus dem Grab, aus der Vergänglichkeit und Sterblichkeit, die uns alle früher oder später betrifft? Er ruft uns auch aus den gegenwärtigen Gräbern, die uns hier und heute umfangen: „Komm heraus, sei lebendig, wehre dich gegen die Totenbinden, die dich einschnüren und gefangen halten! Lebe lebendig aus der Glaubensbeziehung zu mir!“ Einen weiteren Aufruf enthält das Evangelium, weil es sagt, auch wir können anderen zum Leben verhelfen: „Löst die Binden!“

Jesus ist heute der große Wundertäter, der selbst dem Tod machtvoll und überlegen begegnet. Damit wird die Göttlichkeit Jesu betont. Zugleich werden wir auf einen anderen Zugang zu ihm aufmerksam gemacht: Jesus weint! Er weint um seinen Freund Lazarus. „Seht, wie lieb er ihn hatte“, sagen die Menschen. Jesus begegnet uns hier als Mensch, der Emotionen zeigt, der sich berühren lässt von der Traurigkeit derer, die weinend um Lazarus trauern. Aber auch er selbst zeigt sich als liebender Freund, denn es wird ausdrücklich gesagt: „Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus.“ Liebe macht durchlässig für Leiden.

Der Herr Jesus steht auch bei den Weinenden. So wird er uns vertraut und für uns fassbar. Er ist als Gottes Sohn nicht nur Herr über Leben und Tod, er ist auch fühlender und leidender Mensch. Wäre er nur Mensch, was sollte ich von ihm erwarten? Wäre er nur Gott, wie sollte er für meine menschliches Wahrnehmen erfahrbar werden? Dieses Evangelium will auch uns die Binden von unseren Augen lösen, wenn wir auf ihn nur einseitig zugehen. Er ist sicher Gott, aber auch Bruder und Freund zugleich. Amen.

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