Ärztemangel Grieskirchen & Eferding
Versorgungslücken gut "verarzten" können

Auch unserer Region kommt an diesem "Unwort" nicht vorbei: Gerade werden in Aschach und Hartkirchen Ärzte gesucht.
3Bilder
  • Auch unserer Region kommt an diesem "Unwort" nicht vorbei: Gerade werden in Aschach und Hartkirchen Ärzte gesucht.
  • Foto: Fotolia/ Tobif82
  • hochgeladen von Julia Mittermayr

Die Pensionswelle bei Ärzten schwappt in den nächsten drei Jahren über unsere Region Grieskirchen und Eferding. Wo liegen die Herausforderungen in der Nachbesetzung?

BEZIRKE (jmi). „Die wirkliche Sorgenregion ist derzeit Aschach und Hartkirchen“, erklärt Eferdings Bezirksärztevertreter Herbert Hörtenhuber, praktischer Arzt in Alkoven. Gemeint sind die Hausärzte: Beide Gemeinden haben zwei Arztstellen, von denen jeweils eine schon (Hartkirchen) beziehungsweise bald (Aschach) unbesetzt ist. „Beide Stellen wurden bereits öfters erfolglos ausgeschrieben. Aktuell werden diese Stellen mit Bewerbungsfristende 10. September 2019 wieder ausgeschrieben“, informiert Gregor Smejkal, Sprecher der OÖ Gebietskrankenkasse (OÖGKK).

Unterstützung der Gemeinden

Hartkirchens Bürgermeister Wolfram Moshammer erklärt: "Es ist eine schwierige Lage, weil junge Ärzte anscheinend nicht gerne aufs Land gehen. Wir in Hartkirchen können folgende Unterstützung bieten: ein gemeindeeigenes Gebäude, das ab Oktober zu guten Konditionen verfügbar ist; zudem wird gerade ein Multifunktionshaus gebaut, in dem man womöglich eine Arztpraxis eröffnen kann." Als Gemeinde versuche man alles, was geht, habe aber auch nur gewisse Ressourcen zur Verfügung, betont Moshammer.

Auch die Suche in Aschach hat bereits begonnen: „Dr. Stadler hat, um die Versorgung in Aschach an der Donau aufrechtzuerhalten, seine vertragsärztliche Tätigkeit verlängert, voraussichtlich bis 31. Dezember 2019“, erklärt Smejkal. Er verweist zudem darauf, dass die Gemeinde bei den Ausschreiben einen Zusatztext veröffentlicht hat: Sie helfe bei der Suche von geeigneten Räumlichkeiten und gewähre eine finanzielle Unterstützung für die Einrichtung. Die Suche nach Nachfolgern ist generell schwierig, aber nicht unmöglich. Ein Beispiel liefert Hörtenhuber: „Für eine Stelle in St. Marienkirchen an der Polsenz hatten wir beispielsweise mehrere Bewerber.“ Worin liegt das Problem? Hörtenhuber zufolge spiele etwa auch die Infrastruktur eine Rolle – zum Beispiel, ob Nachfolger die Vorgängerpraxis übernehmen können.

Problem "irrsinnig vielschichtig"

Aber: Rüsten müssen sich auch andere Gemeinden. Davor warnt ebenso der Grieskirchner Bezirksärztevertreter und Arzt in Bad Schallerbach, Engelbert Schamberger: "Was jetzt sicher ist: Die Versorgungslücke wird aufgrund der Pensionierungswelle bis 2023 ansteigen – das wird wie ein Schneeballeffekt werden." Das Problem sei seiner Meinung nach "irrsinnig vielschichtig". Die Medizin ist weiblich geworden, und besonders Ärztinnen kämpfen, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Diese Work-Life-Balance ist nicht nur in der Damenwelt ein Thema, sondern bei allen jungen Ärzten. "Der zeitliche Aufwand, die Organisation und ständig wachsende Bürokratie sind die Herausforderungen im Rahmen einer eigenen Praxis", so Hörtenhuber.

Ein weiteres Problem: Medizinabsolventen entscheiden sich immer öfter für eine Wahl- statt für eine Kassenarztstelle. „Viele junge Kollegen machen ihre Wahlarztpraxis, fahren den HÄND ab und haben mit den Nacht- und Wochenenddiensten ein gutes Einkommen. Und das ohne den Druck der Krankenkassen – etwa wenn es um die Verschreibung eines Medikaments geht“, so Schamberger.

Welche Lösungen?

Wie kann unsere Region in Sachen Ärzteversorgung zukunftsfit sein? Die OÖGKK hat dafür bereits einige Maßnahmen fixiert beziehungsweise umgesetzt. Darunter fallen flexible Zusammenarbeitsformen wie Gruppenpraxen, Lehrpraxis und praxisorientiertes Lernen (darunter fällt beispielsweise die Summer School Haslach oder die Finanzierung druch Mentoring). "Älteren Ärztinnen und Ärzten ermöglichen wir, bei reduziertem Arbeitsumfang länger im Vertragsarztsystem aktiv zu bleiben. Gleichzeitig adressieren wir aktiv Ärzte, die noch nicht im Kassensystem arbeiten, um sie über die vielen Vorteile und Möglichkeiten des Kassenvertrags zu informieren", erläutert Smejkal von der OÖGKK.

Ein weiterer Lösungspunkt für die OÖGKK seien auch Primärversorgungszentren (PVE), wie man sie in Marchtrenk, Haslach/Mühl, Enns und Sierning-Neuzeug findet. Die Vorteile laut OÖGKK: erweiterte Öffnungszeiten, kurze Wege, eine eng abgestimmte Versorgung, neue Angebote für Gesundheitsförderung und Prävention. Das sehen beide Bezirksärztsrpecher nicht so: "Im Prinzip betreuen die Primärversorgungszentren auch nicht mehr Leute. Hier haben die Allgemeinärzte einen klaren Vorteil: Ich kenne die Leute, ihre Familiensituation, die Kinder und die Älteren – das ist der Schwerpunkt hausärztlicher Medizin", erklärt Schamberger. Hörtenhuber ergänzt: "Man ist auch Ratgeber – etwa bei jüngeren Müttern, denen die Erfahrung fehlt und wo Oma oder Tante nicht in greifbarer Nähe sind. Als Ratgeber von großem Vorteil, ist wenn man die Leute kennt, die man berät."

Das Sinnvollste liege in der Sicherstellung der nächsten ärztlichen Generation, wie Schamberger hinweist: „Was notwendig ist: die Motivation, dass Junge in Praxen gehen."

Überblick: Ärzte in Grieskirchen & Eferding

Laut aktueller Daten der Ärztekammer OÖ sind in ganz Oberösterreich derzeit 28 Allgemeinmedizin- sowie sieben Facharzt-Kassenstellen unbesetzt. Für die Bezirke Grieskirchen und Eferding sieht die Situation wie folgt aus (Stand 1. Juli 2019, Daten werden vierteljährlich aktualisiert):

Eferding
Kassenärzte:

  •  6 Fachärzte,
  • 15 Allgemeinmediziner – hier bestehen zwei unbesetzte Kassenstellen in Aschach und Hartkirchen

Wahlärzte:

  • 10 Fachärzte,
  • 10 Allgemeinmediziner


Grieskirchen
Kassenärzte:

  • 16 Fachärzte,
  • 22 Allgemeinmediziner – keine unbesetzten Kassenstellen

Wahlärzte:

  • 27 Fachärzte,
  • 17 Allgemeinmediziner
Autor:

Julia Mittermayr aus Grieskirchen & Eferding

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.