BezirksRundschau Blutspendemarathon
"Mir war klar, da hat's was Gröberes"

Der 35-Jährige Jugendbetreuer Josef Zitzler.
  • Der 35-Jährige Jugendbetreuer Josef Zitzler.
  • Foto: Zitzler
  • hochgeladen von Florian Meingast

Josef Zitzler ist an der Autoimmunkrankheit Thrombotic Thrombocytopenic Purpura erkrankt. Er erzählte uns was es damit auf sich hat und warum er sich bereits vier Bluttauschtransfusionen unterziehen musste.

GASPOLTSHOFEN. "Einfach gesagt frisst mein Körper seine eigenen Thrombozythen auf", sagt der 35-Jährige Jugendbetreuer aus Gaspoltshofen. Als Konsequenz bilden sich am ganzen Körper blaue Flecken. Auch Blut in Urin und Stuhl sind möglich. "Meinen ersten Schub hatte ich im Jahr 2010. Damals fand ich Blutspuren in meinem Urin. Da war mir klar, dass es etwas Gröberes hat. Ich hatte wirklich Angst." Das Gefährliche an der Krankheit: "Diese Symptome treten im Normalfall dann auf, wenn der Hut schon brennt. Ich werde also erst auf einen Schub aufmerksam, wenn ich bereits im Krankenhaus sein müsste." Die Nacht nach seinem ersten Schub verbrachte der ehemalige Sänger der Band Skaputnik im Welser Krankenhaus. "Nach einigen Untersuchungen wurde ich in die Intensivstation verlegt. Mir wurde empfohlen, mich auf der Stelle bei meinen Verwandten zu melden." Noch während dieser bangen Stunden stellte Oberarzt Ludwig Wimmer "Gott sei Dank die exakte Diagnose. Wäre das nicht passiert, wäre ich heute vielleicht nicht mehr hier."

Blutaustausch und Kortison

Bis heute suchten Zitzler vier TTP-Schübe Heim. Nach jedem wurde sein Blut vollständig ausgetauscht. Dazu kam eine starke Kortisontherapie. "Während zwei Behandlungen erlitt ich sogar eine Lungenembolie. Das drückt aufs Gemüt. Außerdem schrumpften meine Energiereserven so weit, dass ich schlussendlich aus der Band aussteigen musste."
Was ihn während der immer länger werdenden Regenerationsphasen aufbaute waren seine Band und seine Familie. "Anfangs freute ich mich auf jeden Auftritt. Auch meine Familie half mir sehr durch diese Zeit."

Auch auf sein Berufsleben hatte die Krankheit einen großen Einfluss. "Zwei Wochen vor meinem jüngsten Schub 2015 bin ich eine neue Stelle angetreten. Mir blieb nichts anderes über als zu kündigen. Während der langen Erholungsphase konnte ich nicht arbeiten." Seit etwa drei Jahren ist Zitzler als Jugendbetreuer im Joker Hof Tollet tätig. "Hier bin ich für 13 Wochenstunden angestellt. Mehr ginge wirklich nicht", sagt der ausgebildete Behindertenbetreuer und Musikpädagoge.

"Änderte meinen Lebensstil"

"Nach meinem jüngsten Schub hatte ich ein Jahr lang zahlreiche Krämpfe und oft Durchfall. Mir wurde klar, dass ich etwas ändern muss." Auf seiner Suche nach Behandlungsalternativen und einem neuen Lebensstil stieß Zitzler auf die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM. "Ich besuche heute Heilmasseure und gehe Akupunktieren. Seit dem geht es mir viel besser." Außerdem lebt er heute bewusster. "Ich esse zum Beispiel keine Fertigprodukte mehr. Zudem achte ich mehr auf meinen Schlafrythmus, mache bewusst Atemübungen und gehe viel spazieren. Ich lebe heute entspannter und langsamer." Seine Leidenschaft für die Musik hat Zitzerl bis heute behalten. "Ich trommle und singe heute für mich selbst. Je nach Stimmung höre ich auch verschiedene Bands und Lieder. Das baut auf."

Woher Zitzlers Krankheit kommt, ist unklar. "Ich hatte bereits als Kind eine seltene Krankheit. Damals musste ich eine Knochenmarktranspantation und Chemotherapie über mich ergehen lassen. Die Ärzte vermuteten daher einen Zusammenhang mit TTP. Wie sich herausstellte stimmt das nicht." Ob sich die Krankheit heilen lässt "kann ich nicht sagen. Ich denke, dass ich keinen Rückfall mehr bekomme so lange ich mein Leben so weiterführe wie momentan. Im Hinterkopf rechne ich jedoch immer damit."

Autor:

Florian Meingast aus Wels & Wels Land

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