Kindertagesstätten in Personalnot
"Der Fachkräftepool ist ausgeschöpft"

Kindergärten leiden an Personalmangel. Stetig wachsende Anforderungen verschrecken Junge.

BEZIRKE. Die Caritas OÖ schlug deshalb anlässlich des "Tags des Kindergartens" am 21. April Alarm: Eine anrollende Pensionierungswelle verschärft den schon jetzt markanten Fachkräftemangel. Für ausgeschriebene Stellen finden sich kaum Bewerber. Caritas-Geschäftsführerin Edith Bürgler-Scheubmayr weiß: "Die gesetzlich vorgegebenen Anforderungen steigen. Kindergartenleiter und -fachkräfte sind überfordert." Viele Berufseinsteiger seien den Erwartungen nicht gewachsen und würden rasch den Beruf wechseln.

Stelle seit fünf Monaten frei

Dieses Problem haben auch die Bezirke Grieskirchen und Eferding. Ulrike Schwung, Leiterin des Pfarrcaritaskindergartens Bad Schallerbach, ist für elf Gruppen mit 185 Kindern verantwortlich. Sie berichtet: "Hilfskräfte haben wir derzeit genug, aber die Fachkräfte fehlen. Seit fünf Monaten suchen wir eine Krabbelstubenpädagogin und noch immer konnten wir die Stelle nicht nachbesetzen. Nun würden wir zusätzlich noch eine Kindergartenpädagogin benötigen. Aber der Fachkräftepool ist absolut ausgeschöpft, erst im Herbst kommt Nachschub aus den Schulen." Anderen regionalen Kindertagesstätten geht es ähnlich: So suchen etwa Eferding, Waizenkirchen und Weibern mehrere Kindergartenpädagogen.

Werdende Mütter fallen sofort weg

Vor enorme Herausforderungen stellt die Einrichtungen natürlich auch die Corona-Krise. Schwung merkt an: "Seit Beginn der Pandemie haben wir vier schwangere Pädagoginnen ‚verloren‘. Sie alle fielen als Corona-Risikopatientinnen aus, sobald sie ihre Schwangerschaft bekannt gaben." Glücklicherweise erhielt der Bad Schallerbacher Kindergarten drei zusätzliche staatliche Fachkräfte. Dennoch ist die Einrichtung komplett ausgelastet.

Tägliche Gratwanderung

"Täglich die coronagerechte Betreuung sicherzustellen, ist eine Gratwanderung und logistische Mammutaufgabe", sagt Schwung. Gruppen und Pädagogen dürfen sich nicht vermischen – jeder Corona-Fall könnte zu Gruppenschließungen führen. Trotzdem tragen weder Kinder noch Betreuer Masken. Das sei auch richtig, meinen die Pädagoginnen. Denn beim Sprechenlernen sei die Mimik essenziell. Für Diskussionen sorgt jedoch das Fehlen einer Testpflicht für Kinder. Oft stecken asymptomatische, positiv auf Corona getestete Kinder Betreuer an, die folglich ausfallen. Das zwingt Kollegen, in anderen Gruppen auszuhelfen. Ein Teufelskreis.
Gurgeltests könnten hier die Lösung sein. "Derzeit laufen Studien in Wien und Niederösterreich. Ob die Tests auch bei uns zum Einsatz kommen werden, wissen wir nicht. Das entscheidet die Bildungsdirektion", heißt es aus einem Eferdinger Kindergarten.

Rahmenbedingungen für Pädagogen verbessern

2019 waren im Bezirk Eferding 216, im Bezirk Grieskirchen 392 Betreuungspersonen in circa 80 Kindertagesstätten beschäftigt. Diese Personen übernahmen die Aufsicht für rund 3.800 Kinder aus der Region. Elisabeth Seiche, Pressereferentin der Bildungsdirektion Oberösterreich, liefert weitere Zahlen: "Eine Betreuungsperson kümmert sich in Krabbelstuben um fünf Kinder, während auf eine Pädagogin oder Hilfskraft im Kindergarten bereits rund neun Kinder kommen." Damit steht Oberösterreich im Bundesvergleich noch gut da: Österreichweit sorgt eine Pädagogin für rund zwölf Kinder.

Entlohnung zu gering

Dazu merkt Edith Bürgler-Scheubmayr von der Caritas Oberösterreich an: „Mit dem gültigen Personalschlüssel ist es nicht möglich, die Kinder der heutigen Elementarpädagogik entsprechend zu begleiten.“ Die Caritas fordert daher, den Pädagogen-Kind-Schlüssel zu senken. Ansetzen ließe sich ebenso beim Einstiegsgehalt für Kindergartenpädagogen: Es beträgt 2.400 Euro brutto und entspreche keinesfalls der erforderten Leistung, meinen die Pädagogen.

Mehr aus Deinem Grieskirchen & Eferding gibt es hier.

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