Vergangenheitsbewältigung
Diskussion um Waffen-SS-Grabmal in Stillfüssing

Seit einigen Wochen ist die Debatte um das Grab für gefallene Waffen-SS-Soldaten in Stillfüssing, Gemeinde Waizenkirchen, am Laufen.
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Mahnwache am 25. Jänner um NS-Opfern zu gedenken und Umgang mit der Geschichte der Täter zu forcieren. Beim Soldatengrab in Stillfüssing etwa verlangen die Mahnwache-Organistoren eine Zusatztafel.

BEZIRKE GRIESKIRCHEN, EFERDING (jmi). Am 27. Jänner findet der Internationale Holocaust-Gedenktag statt. Zwei Tage vorher, am 25. Jänner, bitten unter anderem das Mauthausen Komitee, das OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus, die SPÖ sowie weitere Organisationen zur Mahnwache beim Waffen-SS-Denkmal in Stillfüssing, Gemeinde Waizenkirchen. Den Organisatoren geht es dabei nicht nur um Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus: Sie fordern einen angemessenen Umgang mit der Geschichte der Täter. Das betrifft das Denkmal in Stillfüssing und das Kriegerdenkmal in Peuerbach. Im Peuerbacher Denkmal ist der Name von Ferdinand Sammern-Frankenegg eingezeichnet. Er war als hochrangiger SS-Offizier für die Deportation von 300.000 Juden in die Vernichtungslager verantwortlich. Im Herbst 2020 wurde die Inschrift provisorisch überklebt. Die Organisatoren der Mahnwache fordern die dauerhafte Entfernung des Namens.

Zusatzstein für Stillfüssing

Beim Denkmal in Stillfüssing wird ein Zusatzstein verlangt, der hinweist, dass die Waffen-SS eine verbrecherische Organisation war. "Es geht nicht darum, alte Sachen aufzuwärmen, sondern ein Gespür zu bekommen, wie es damals abgelaufen ist und warum so etwas nie wieder passieren darf. Wenn schon ein Waffen-SS-Grab, dann braucht es auch eine Zusatzinfo, wer sie war und wofür sie zuständig war. Totengedenken ist immer angebracht, aber der Kontext, wie es dargestellt wird, stößt sauer auf", so SP-Bezirksvorsitzender Thomas Antlinger. Das sieht auch Robert Eiter vom OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus sowie vom Mauthausen Komitee so: "Es geht nicht darum, die Totenruhe zu stören. Man kann nicht individuell über die begrabenen Männer urteilen. Es geht darum, dass die Waffen-SS als solche eine Hauptstütze des NS-Terrors war. Sie hat auch das Personal in den KZs gestellt."

Ein Thema, das in den vergangenen Monaten wieder hochgekocht ist. Fabian Grüneis, VP-Bürgermeister in Waizenkirchen, erklärt dazu: "Wir haben einstimmig im Gemeinderat gesagt, wir wollen etwas haben. Ein Textvorschlag vom Schwarzen Kreuz liegt derzeit im Innenministerium zur Freigabe. Der Vorschlag wird in der nächsten Gemeinderatssitzung im Februar eingebracht." Der Bürgermeister wünscht sich in diesem Fall endlich wieder Ruhe, denn: "Ich fürchte, dass dadurch irgendwann auch die Rechten wiederkommen. Und das ist sicher nicht im Interesse von jemanden. Das will ich vermeiden", sagt Grüneis.

Thema auch in Aschach?

Spuren der Vergangenheit finden sich auch im Nachbarbezirk Eferding. Der Hartkirchner Clemens Gruber befasste sich 2016 in seiner Diplomarbeit nicht nur mit dem Waffen-SS-Grab in Stillfüssing, sondern auch mit dem Kriegerdenkmal in Aschach. Dort ist ein Stein mit der Aufschrift "Ewig ist der Toten Tatenruhm" aufgestellt. "Ich habe damals auch mit einigen Leuten in den beiden Gemeinden gesprochen, mit den jeweiligen Bürgermeistern und Vertretern aller politischer Couleur. Es hat dabei verschiedenste Rückmeldungen von Ablehnung bis hin zur Gleichgültigkeit gegeben. In Waizenkirchen war die Sache doch ein bisschen spezieller, da es hier jahrelang Treffen gab", erklärt Gruber. Das Grabmal in Stillfüssing war Pilgerstätte der rechtsextremen Gruppierung der Kameradschaft IV.

Experte Eiter sieht auch die Steintafel in Aschach bedenklich: "Von der Parole her ist es ganz eindeutig eine rechtsextreme Inschrift. Wir vom OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus sowie vom Mauthausen Komitee sind hier klar der Meinung, dass der Stein beseitigt gehört. In Aschach hat es immer wieder Bürger gegeben, die versucht haben, etwas zu ändern. Das wird sicher auch ein Thema bleiben." Auf Anfrage der BezirksRundschau wollte kein Vertreter der Gemeinde ein Statement dazu abgeben.

Termin: Mahnwache am 25. Jänner 2021

Die Mahnwache zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus findet am 25. Jänner um 18.30 Uhr beim Waffen-SS-Denkmal Stillfüssing, Waizenkirchen, statt. Es gilt die Einhaltung aller gesetzlichen Hygienevorschriften.
Weitere Infos und Programm finden Sie hier.

Seit einigen Wochen ist die Debatte um das Grab für gefallene Waffen-SS-Soldaten in Stillfüssing, Gemeinde Waizenkirchen, am Laufen.
Steintafel am Kriegerdenkmal in Aschach mit der Aufschrift "Ewig ist der Toten Tatenruhm".

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