„Es muss alles machbar sein“

Permanente Überlastung führt zu Arbeitsunfähigkeit.
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BEZIRK. Landesrat Rudi Anschober (Grüne) muss sich von einem Burn-out erholen und ist im Krankenstand. Seinem öffentlichen Bekenntnis zu dieser Krankheit zollen Politiker aus unserer Region Respekt: „Das war bestimmt kein leichter Schritt für ihn. Wichtig ist aber, dass diese Krankheit in der Gesellschaft ernst genommen wird. Sie kann jeden treffen“, sagt SP-Landtagsabgeordneter Erich Pilsner (SP). Er habe in seiner langjährigen politischen Tätigkeit inzwischen gelernt, auf die eigenen Grenzen zu achten: „Ein Politiker muss nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Weniger kann mehr sein“, meint Pilsner. Enormen Leistungsdruck kennt auch FP-Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Gaspoltshofen, Wolfgang Klinger: „Wir müssen in unserer Gesellschaft wieder beginnen, uns Ziele zu setzen, die erfüllbar sind. Wenn Gemeindepolitiker ständig mit allen Mitteln gegen den finanziellen Abgang kämpfen müssen, ist das für sie auf Dauer eine wahnsinnig große Belastung.“
Das schlechte Image der Politiker macht Bürgermeistersprecher Peter Oberlehner (VP) zu schaffen: „Die Erwartungen der Leute an Politiker sind so groß wie jene an den Herrgott. Aber halten tun die Leute von den Politikern nichts. Doch es sind nicht alle Politiker Gauner.“ Das Problem liege darin, dass die politische Arbeit falsch dargestellt werde: „Spitzenpolitiker zeigen sich auf Werbebildern beim Bergsteigen und Radfahren. Das sind lauter gestellte Fotos. Keiner von denen hat Zeit für so was, weil rund um die Uhr gearbeitet wird. Man sollte den Leuten eigentlich sagen, wie es wirklich ist“, kritisiert Oberlehner.
Dass Politiker nicht zugeben wollen, wie anstrengend ihr Job ist, weiß auch VP-Bezirksparteisekretär Gerald Nussbichler: „In Spitzenpositionen muss man den anderen vorleben, dass alles schön und machbar ist. Privatperson darf man nicht mehr sein. Das schlechte Gewissen ist groß, wenn man mal eine private Einladung annimmt, statt an einem öffentlichen Abendtermin teilzunehmen.“

Zur Sache:
In der Psychosozialen Beratungsstelle Grieskirchen holen sich immer häufiger Personen Hilfe, die an Burn-out leiden. Meist haben Betroffene zunächst mit Schlafstörungen zu kämpfen. Es fällt ihnen schwer einzuschlafen, oder sie liegen stundenlang wach. Auch Symptome wie Kopf- oder Magenschmerzen und Panikattacken können auftreten. „Ein Alarmzeichen ist, wenn man das Interesse an jenen Dingen verliert, die man immer gerne gemacht hat“, sagt Berater Norbert Breitwieser. Viele Betroffene meinen, dass sie die Krankheit in wenigen Wochen im Griff haben würden. „Meistens ist aber eine Auszeit von mehreren Monaten – manchmal sogar einem halben Jahr – notwendig. Beratung bei der psychosozialen Beratungsstelle von promente: Jeden Montag und Dienstag von 13 bis 15 Uhr sowie jeden Mittwoch und Donnerstag von 8 bis 10 Uhr unter: 07248/66321.

Umfrage: Wie kann man Burn-out entkommen?
„Man darf sich nur erreichbare Ziele setzen. Wenn wir ständiges Wirtschaftswachstum verlangen, führt dies zu enormem Leistungsdruck, der die Menschen krank macht. Es ist wichtig, auch mal mit dem zufrieden zu sein, was man hat. Meinen Ausgleich zur Arbeit hole ich mir bei der Jagd im Wald. Es gibt nichts Besseres, als in den frühen Morgenstunden die Natur zu beobachten.”
Wolfgang Klinger, Landtagsabgeordneter FPÖ

„Die Wirtschaft fordert ständig noch mehr Gewinn. Dies verursacht großen Druck am Arbeitsmarkt. Dabei ist es für die Gesundheit der Menschen besonders wichtig, dass sie sich am Arbeitsplatz wohl fühlen. Nur zufriedene Menschen können gute Leistungen bringen. Ich hole mir den nötigen Ausgleich im Garten und bei Unternehmungen mit der Familie.“
Erich Pilsner, Landtagsabgeordneter, SPÖ

„Ein gutes Zeitmanagement ist Grundvoraussetzung. Wichtig ist auch, dass man sich Hobbys erhält. Bei Politikern sehe ich aber das Problem, dass sie heutzutage von der Gesellschaft keine Wertschätzung bekommen. Wenn die Leute gute Köpfe in der Politik haben wollen, müssen sie die Politiker wie Menschen behandeln und dürfen ihnen nicht nur Prügel vor die Füße werfen.“
Peter Oberlehner, Bgm-Sprecher, ÖVP

Autor:

Bernadette Aichinger aus Grieskirchen & Eferding

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