Weihnachten als Schuldenzeit?

Die Klienten der Schuldnerberatung haben im Schnitt etwa 60.000 Euro Schulden, zeigt der Schuldenreport. Quelle: Schuldenreport 2017
  • Die Klienten der Schuldnerberatung haben im Schnitt etwa 60.000 Euro Schulden, zeigt der Schuldenreport. Quelle: Schuldenreport 2017
  • Foto: BRS
  • hochgeladen von Florian Uibner

BEZIRKE (fui). Gerade zu Weihnachten lockt der Handel mit scheinbaren Angeboten und flexiblen Finanzierungsmöglichkeiten. Auch heuer planen die Österreicher mit durchschnittlich 360 Euro ein großzügigeres Weihnachtsbudget als im Vorjahr. Aber gerade in der Weihnachtszeit laufen manche Gefahr, sich dabei finanziell zu übernehmen. "Die Nachfragen bei den Schuldenberatungen steigen nach der Weihnachtszeit an, allerdings erst im Februar und März des Folgejahres, wenn die fällig gestellten Bankkonten Probleme machen und der ‚Kauf jetzt – zahl später‘-Effekt zuschlägt", erklärt Christa Schirl-Hager von der Schuldnerberatung OÖ in Wels. Der Umgang mit Geld und falsches Konsumverhalten sind bei beiden Geschlechtern der dritthäufigste Grund für Überschuldung. "Das liegt nicht nur an Weihnachten im Speziellen. Es wird gerne auf Pump gekauft und Ratenzahlung genutzt. Dabei übersehen manche die Laufzeiten, und kleine Raten summieren sich zu einer großen Belastung", so Schirl-Hager weiter. Der häufigste Grund für Verschuldung ist Arbeitslosigkeit oder die Verschlechterung der Einkommenssituation, gefolgt von gescheiterter Selbstständigkeit.

Motive prägen Kaufverhalten

"Das Konsumverhalten ist immer von den eigenen Motiven geprägt und wie man sich selbst erlebt", erklärt die klinische Gesundheitspsychologin Christina Martl, die ihre Praxis in Waizenkirchen betreibt. "Gefühle wie Liebe, Aufmerksamkeit und Fürsorglichkeit werden von manchen auch über das Schenken erlebt." In unserem Kulturkreis sei eine Ausgewogenheit zwischen Geben und Nehmen sehr ausgeprägt – wurde man im Vorjahr großzügig beschenkt, will man das auch zurückgeben. Dadurch entstehe ein gewisser Stress, die Erwartung der anderen nicht zu enttäuschen, erläutert die Psychologin. "Hinzu kommt, dass Weihnachten zunehmend zum perfekten Event wird. Von den Kekserln bis zur Beleuchtung muss alles passen. Das gilt natürlich auch für die Geschenke. Familie, Freunde oder Partnerin will man nicht enttäuschen", sagt Martl. Der Handel nimmt diese Motive auf und bietet für praktisch jeden das maßgeschneiderte Angebot. "Speziell jüngere Menschen achten wenig bis gar nicht auf die Budgetierung, frei nach dem Motto ‚Irgendwann kommt schon wieder Geld‘. Vielfach wird Kaufen auch als Freizeitbeschäftigung wahrgenommen", so Martl.

Infos zur (finanziell) gelungenen Weihnachtsplanung bietet die Schuldnerhilfe Oberösterreich online unter: finanzielle-gesundheit.at

Man gönnt sich ja sonst nichts

Kommentar von Florian Uibner

Ein, zwei Klicks auf dem Computer oder Handy, schnell die Kreditkarte gezückt, und schon werden Fernseher, Handy oder was man sich sonst so wünscht, bis an die Haustür geliefert. Dank Ratenzahlung muss man auch nicht auf einmal genug Geld zusammen-haben, sondern kann mittlerweile fast alles in kleinen Beträgen abstottern. Es war wohl noch nie so einfach, sein Geld auszugeben. Dazu lockt der Handel mit Schnäppchenangeboten wie am "Black Friday". Tatsächlich, so warnen Verbraucherschützer, sind einige der vermeintlichen Angebote an diesem Tag teurer als im restlichen Jahr. Wer seine Einkäufe in Ruhe und bewusst erledigt, läuft weniger Gefahr, sich bei den Kosten zu verzetteln. Das ist in der Hektik der Vorweihnachtszeit nicht ganz leicht, aber schließlich soll man das Fest der Besinnlichkeit ja auch genießen.

Autor:

Florian Uibner aus Grieskirchen & Eferding

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