Polytechnische Schule
Vorbereitung auf die Berufswelt und das Leben

Immer mehr Mädchen entscheiden sich an der PTS Grieskirchen für den Fachbereich "Holztechnik".
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  • Immer mehr Mädchen entscheiden sich an der PTS Grieskirchen für den Fachbereich "Holztechnik".
  • Foto: PTS Grieskirchen/Pilz
  • hochgeladen von Christina Gärtner

Mit rund 14 Jahren fällt die Entscheidung zwischen weiterführender Schule oder Berufsausbildung. Wer seine Karriere mit Lehre startet wird in der Polytechnischen Schule (PTS) gut darauf vorbereitet.

BEZIRKE GRIESKIRCHEN, EFERDING. „Das Image der Polytechnischen Schule und der Lehre an sich ist noch immer schlecht“, sagt Grieskirchens PTS-Schulleiter Franz Pilz. Aktuell macht sich Oberösterreichs Wirtschaftskammerpräsidentin für eine Stärkung der Lehre stark und verweist auf die aktuelle Entwicklung.

„Eine Lehre macht krisenfest. Personen mit Lehr- und BMS-Abschluss*, die wegen Corona arbeitslos wurden, haben bereits häufiger wieder einen Job gefunden als Maturanten oder Hochschulabsolventen.“ Doris Hummer

Vorbereitung auf den Beruf

Dass ein Jahr im „Poly“ alles andere als vergeudet ist wird in den Gesprächen mit den PTS-Schulleitern in Eferding und Grieskirchen deutlich.

„Probieren ist die falsche Einstellung. Wer eine weiterführende Schule besucht, soll diese auch beenden.“ Franz Pilz, PTS-Schulleiter Grieskirchen

Wer das erste Jahr in einer höheren Schule nicht schafft und von dort weg in einen Lehrberuf startet, muss vielleicht zu einem viel späteren Zeitpunkt den Abschluss an einer PTS nachholen. „Wenn jemand eine Ausbildung in einen Pflegeberuf starten möchte muss einen positiven Pflichtschulabschluss vorweisen können“, ergänzt Leiterin Gabriele Porod von der PTS Eferding. Die Einstellung „Ich probiere es und gehe notfalls ins Poly zurück“ ist laut Aussagen der Schulleiter für beide Seiten äußerst problematisch. „Die Jugendlichen verpassen die Berufsorientierungsphase und haben unter Umständen keinen Platz mehr im gewünschten Fachbereich. Wer beim Schnuppern überzeugt kann schon eine Lehrstelle ergattern. Die guten sind also später schon alle weg“, skizziert Porod mögliche Probleme auf Seiten der Schüler. „Mit Stand 1. Oktober werden die Lehrerzahlen und Stunden berechnet. Wir müssen die Wechsler zu jeder Zeit aufnehmen. Wenn das wie im Schuljahr 2018-2019 mit 22 Schüler einer ganzen Schulklasse entspricht, führt das – etwa in den Fachbereichen – zu Schwierigkeiten“, erklärt Pilz die schulseitigen Herausforderungen.

Fürs Leben lernen

Die Schüler fit für die Arbeitswelt zu machen bedeutet an der PTS auch, sie auf das Leben vorzubereiten. „Jugendliche lernen bei uns, selbstständig zu werden. Die Überbehütung ist teilweise sehr massiv. Schüler sollten sich mit 15 Jahren selbst organisieren können – manche tun sich allerdings damit sehr schwer“, skizziert Grieskirchens Schulleiter. Das PTS-Fach „Berufs- und Lebenswelt trägt zur Persönlichkeitsbildung der Jugendlichen bei. Darüber hinaus stehen auch Trainings mit Externen rund um Benehmen, Bewerbung, Suchtprävention und Schuldnerberatung auf dem Stundenplan.

Die richtige Wahl treffen

Alle Jugendlichen starten in der PTS Grieskirchen mit einer verbindlichen Orientierungsphase, in der alle acht Fachbereiche durchgetestet werden. Wie lange diese Phase dauert, kann die Schule selbst festlegen. In Grieskirchen werden etwa nach fünf Wochen die Fachbereiche gebildet. In der PTS Eferding haben die Schüler vier Wochen Zeit, ehe sie sich für einen der beiden Cluster – Technik (Bau, Holz, Metall, Elektro) oder Dienstleistungen (Handel/Büro, Gesundheit/Schönheit/Soziales, Tourismus) – entscheiden müssen. Während dieser Phase kommen Unternehmen an die Schulen, um sich als attraktiven Arbeitgeber und die verschiedenen Lehrberufe vorzustellen.

„Es gibt einer sehr enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Die Betriebe halten Vorträge und es gibt sehr viele Exkursionen.“ Gabriele Porod, PTS-Schulleiterin Eferding

Um sich vor der verbindlichen Wahl des Fachbereichs ganz sicher zu sein, dass man sich richtig entscheidet, sind während der Orientierungsphase drei Schnuppertage vorgeschrieben. Darüber hinaus stehen weitere sieben Schnuppertage zur Verfügung. „Von Gesetz wegen kann um zusätzlich fünf Tage für individuelle Berufsorientierung angesucht werden“, ergänzt Porod.

„Ich ermutige alle, diese Tage zu nutzen. Die Firmen sind froh und stehen gerne zur Verfügung. Wer beim Schnuppern Initiative zeigt hat die besten Chancen auf eine Lehrstelle.“ Franz Pilz

Er betont, dass „diese Möglichkeit, Berufe während der Schulzeit kennenzulernen, in dieser Form ausschließlich die Polytechnischen Schule bietet.“ Wird das Schuljahr positiv abgeschlossen, kann anschließend eine höhere Schule besucht werden. Laut Pilz sind das pro Jahrgang nur etwa ein bis zwei Jugendliche. Der Großteil startet nach Schulschluss in die Lehre. Am PTS Grieskirchen erhalten Schüler, deren schulische Leistungen Erfolgsaussichten für eine Lehre mit Matura darstellen, eine gezielte Basisförderung.

Mutiger entscheiden

In Grieskirchen ist der Fachbereich „Metalltechnik“ sehr gefragt, ebenso Dienstleistungen und Tourismus. „Die Jugendlichen orientieren sich immer noch in klassischen Rollen. Doch auch diese typischen Berufe haben Probleme damit, ihre Lehrstellen zu besetzen“, weiß Pilz. In Grieskirchen wird nur etwa ein Drittel der Plätze in den technischen Fachbereichen von Mädchen belegt. „Mädchen in der Technik setzen sich nur spärlich durch. Aktuell besuchen zwei den Technik-Cluster“, so Porod zur Situation in Eferding. 

Schwächelnde Schülerzahlen

Laut Schulleitung ist die Schülerzahl im PTS Grieskirchen in den vergangen Jahren rückläufig. Der eklatante Abfall von 93 Schüler im Vorjahr auf 64 Schüler im gerade angelaufenen Schuljahr kann sich Franz Pilz allerdings nicht erklären. „Solange sich ausreichend Schüler anmelden, werden alle acht Fachbereiche angeboten. Finden sich für einen Bereich zu wenig Interessenten wird nach Kombinationen gesucht. Soweit möglich versuchen wir, den Wünschen der Schüler zu entsprechen.“ An der PTS Eferding schrammte man in den letzten Jahre immer knapp an einer dritten Klasse vorbei.

PTS Eferding übersiedelt

Während die PTS Grieskirchen bereits seit 2011 im Schulzentrum Grieskirchen angesiedelt ist steht die PTS Eferding knapp vor dem Umzug. „In den Herbstferien werden wir in das Schulzentrum in der Welser Straße 19 wechseln. Das Gebäude bietet eine zeitgemäße Ausstattung und wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden und die Psychohygiene aller Beteiligten aus“, verweist Schulleiterin Porod stolz auf das Gütesiegel „Gesunde Schule“, das der PTS Eferding – als eine der wenigen Schulen in Oberösterreich – bereits zum vierten Mal verliehen wurde.

* BMS = berufsbildende mittlere Schule

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