Geschichten vom mühlviertler Eisenmann: das war 2018

Wer sich noch an das Jahr 2017 erinnert, da hat der mühlviertler Eisenmann in Poderskaff dem Marsch um den Altabsiedlerteich beigewohnt und nach fast unpackbaren Schmerzen trotzdem gefinisht. Danach ist es still geworden um den Eisenmann und das hatte einen Grund: um noch mehr ein Eisenmann zu werden (was aufgrund unmöglichem Noch-mehr-Training unmöglich ist), lies sich der Eisenmann noch mehr Eisen implantieren, besser gesagt noch mehr Titan (leichter, härter, schneller).

Eigentlich müsste sich der Name nun in mühlviertler Titanmann ändern, aber angesichts der Bekanntheit des mühlviertler Eisenmanns ist eine Umbenennung doch ein zu großer Schritt und so bleibt es beim altbekannten Namen. Der Metallgehalt im Körper des Eisenmannes stieg aber auf 83,3% an, was beim derzeitigen Edelmetallpreis auch eine Wertsteigerung des Körpers bedeutet. Somit wurde aus dem Eisenmann ein Wertgegenstand, was in Anbetracht der derzeitigen Zinslage durchaus eine perfekte Geldanlage bedeutet. Was wiederum die Gefahr erhöht, dass jemand dem Eisenmann ans Leder bzw. ans Titan wollen könnte.

Da auch die (innere) Härte durch den erhöhten Metallanteil anstieg, ward der Eisenmann nun bereit für weitere Großtaten, Rekorde und Höhenflüge. Beim Wings for Life World Run im Mai quälte er sich über mehr als 25km, eher fallend und stampfend denn laufend, aber doch mehr als zwei Stunden lang, obwohl im schon zu Beginn die Trinkblase im Rucksack geplatzt war. So war er gezwungen, seine eigenen Körperflüssigkeiten zu trinken, um das Rennen zu beenden. Dass danach ein Sauerstoffzelt benötigt wurde, lassen wir hier unerwähnt. Der Eisenmann aber schnupperte nach dieser Großtat Höhenluft und glaubte sich als Wunderläufer.
Dies konnte er dann bei den anschließenden Dreikämpfen am Plüschingerteich und in z´Wels beweisen, als er nach mittelmäßigen Badeleistungen jeweils beim Radausflug eine Rakete zündete und die Verfolgung auf die anderen Wahnsinnigen aufnahm. Bei den abschließenden Spaziergängen konnte er jeweils trotz gewohnt langem Bewegungs-Sterben gut mithalten und mit hochrotem Kopf und in deutlicher Vornüberlage ins Ziel stolpern und „gar nicht so schlecht“ abschneiden. Zumindest konnte er den Herrn G´scheit bei dem seinem Heimspiel hinter sich lassen und auch andere Mittäter besiegen. Nur den eisenern Karli konnte er nicht biegen. Der, laut eigenen Angaben „natürlich untertrainiert“, lieferte dem Eisenmann einen eisernen Kampf und flog quasi über den Kurs. Natürlich untertrainiert *zwinker zwinker*

Schon wähnte sich der mühlviertler Eisenmann im siebten Triathlonhimmel, wurde er bei der Schlacht um den Chiemsee auf den triathletischen Boden zurückgeholt. Ward er die ganze Woche vorher fast totkrank und vollgepumpt mit Grippemittel doch an den Start gegangen, wusste er auf der Radausfahrt schon, dass es ein harter Tag werden könnte und der abschließende Marsch über die Halbmarathondistanz ein langer werden würde. Das Schwimmen war an diesem Tag das geringste Problem, die ersten 40 Kilometer fahrend auch noch ok. Dann aber zog der Triathlongott den Stecker raus und der Eisenmann musste verlangsamen und mit Magenproblemen die restlichen 44 Kilometer „runterbiegen“. Die Wattzahlen fielen rasant, die Körpertemperatur stieg im selben Maß an und die Motivation sank im Eiltempo ins Bodenlose. Nach dem Wechsel in die Laufschuhe wurde es noch schlimmer und so schlich der Eisenmann um die Laufstrecke, an diesem Tag nicht endenwollend, mit Magenkrämpfen, Muskelschmerzen und Seitenstechen garniert und wurde dabei von vielen paniert. Die Moral war im „A“, aber aufgegeben wird nur eben ein Brief und so wurde gefinisht, wenn auch nicht nach dem Geschmack des Eisenmanns. Aber DNF ist nie eine Option, da müsste den Eisenmann schon der Schlag treffen und er das Ziel nicht mehr finden. Fand er auch fast nicht mehr vor lauter Aua und Schwindelanfällen. Aber mit Hilfe freundlicher Streckenposten fand er den Zieleinlauf und passierte mehr kriechend als laufend die Linie, übersäht mit eine Salzkruste und Speichelflecken und einer Körpertemperatur jenseits aller Norm.

Dann brauchte der Eisenmann erstmal eine Pause, um den Ruhepuls wieder in normale Ebenen und das angekratzte Selbstwertgefühlt wieder in positive Sphären zu befördern.

Einige Wochen wurde dann an der Form gefeilt, unzählige Kilometer im Wasser und am Lande absolviert, viele Tränen vergossen und Blut geschwitzt. Ein wettkampfloser Juli ging vorüber, ein Novum in der Karriere des Eisenmanns.

Im August stand dann eine neue Schlacht am Programm: die Schlacht um Krimskrams, eine olympische Prüfung in der Wachau. Geschwommen wurde in einem Hafenbecken, wo noch Minuten vor dem Start diverse Hindernisse in Form von toten Fischen beseitigt wurden. Das Wasser roch ungefähr so frisch wie die schwimmenden Mahlzeiten, die eben noch leblos das kühle Nass verzierten. Die Farbe des Wassers war so klar wie das Wasser in der Regentonne, die den ganzen Sommer nicht geleert wurde. Aber es hilft nichts, der Startschuss fiel und alle Starter schmissen sich hoch motiviert in die Brühe. Nachdem endlich nach 1,5 Kilometern diese Brack verlassen werden konnte und der Schwimmausstieg auf dem rutschigen Teppich auf allen Vieren erfolgreich gemeistert wurde, ging es auf eine windanfällige, langweilige Radstrecke. Eine Pendelstrecke durch ein Industriegebiet und diverse Ortschaften bis zu einem Wendepunkt und die gleiche Leier wieder retour, quer durch diverse Kreisverkehre und über Bahnübergänge. Ziemlich öd. Der Radausflug war aber viel schneller beendet als kalkuliert, der Eisenmann spekulierte kurz mit einer persönlichen Bestzeit über die olympische Distanz, dann aber kam alles anders. Die Temperaturen waren mittlerweile auf 34 Grad angestiegen, es ward Mittagszeit und noch waren ca. 10 Kilometer zu laufen. Und an diesem Tag sollte es wieder ein langer Marsch für den Eisenmann werden, denn das waren nicht seine Verhältnisse. Sah das Laufen beim Sieger Michael Weiss spielerisch einfach aus, so wurde es für den Eisenmann zum Pilgermarsch durch die Wachau. Gott sei Dank hatte der Veranstalter eine Dusche an der Laufstrecke installiert, sonst wäre der Eisenmann in Krimskrams verglüht und mit ziemlicher Sicherheit nicht ins Ziel gekommen. So aber konnte er sich noch retten und dann stundenlang im Zielbereich seine eigene Person wiederfinden. Nach Wiederbefüllen des eisenmann´schen Körpers mit gefühlten 12 Litern Flüssigkeit konnte er dann auf eigenen Beinen sein Schlachtroß aus der Wechselzone befreien und wieder in den Bürgerkäfig laden. Dieser Ausflug nach Krimskrams war keine Reise wert und so fraß der Eisenmann sein Frust in sich hinein – in Form einer riesigen Pizza in Krimskrams-City.

Weitere Stationen der Saison war der Jedermannundfrautriathlon in Weichkapellen mit einer persönlichen Bestzeit. Leider musste er sich auf den letzten Metern dem Kugelfisch geschlagen geben, den er bis dahin in Schach gehalten hatte. Auch der Chef des Kugelfisches zog vorbei, aber der war ohnehin bei der Wanderung nicht zu halten. Das innerste des Magens wollte wieder an die frische Luft und so würgte sich der Eisenmann über die Laufstrecke und kam ziemlich blau ins Ziel. Aber immerhin sehr viel schneller als in den letzten Jahren. Und das ist es schließlich, was zählt – egal wie man es erreicht und wie man dabei aussieht. Niemand fragt danach nach dem WIE und auch nicht, wie das eigene Antlitz ausgesehen hat. Es zählt nur die harte Währung in Form einer Endzeit. Den Schönheitspreis hätte der Eisenmann an diesem Tage wohl nicht gewonnen. Ganz im Gegenteil, der Pensionsantrag wäre wohl anstandslos durchgegangen, so sah er im Ziel aus. Aber Schmerz vergeht, Stolz bleibt!

Zwei Wochen später erfolgte die Rückkehr nach Poderskaff, an einen Ort früherer Erfolge. Aber der Eisenmann fühlte sich müde, hatte er doch 36 Stunden vorher beim Airport Nightrun eine Nachtwanderung absolviert. In Zeitlupe gegenüber dem Sieger und doch sehr schnell für seine eigenen Verhältnisse. An diesem Tag in Poderskaff hatte der Wettergott kein Einsehen und wollte den Bewerb anscheinend etwas spannender gestalten, denn pünktlich zum Start zog ein Unwetter samt hohen Wellen auf. Der Streckensprecher sagte noch Minuten vor dem Start an, dass „Bestzeitwetter“ herrscht. Was ein paar Augenblicke später aber für Gelächter sorgte, angesichts der aufziehenden Wetterfront – das Gelächter ging bald in sorgenvolle Blicke der Teilnehmer über. Es wurde überall geschwommen, nur nicht geradeaus und so ergaben sich inflationäre Schwimmzeiten. Der Eisenmann glaubte sich schon im hinteren, geschlagenen Feld und musste beim Schwimmausstieg überrascht feststellen, dass trotz elender Schwimmzeit sehr viele Rösser noch in der Wechselzone standen. So ward die zwischenzeitlich verödete Motivation gleich wieder da und er machte sich auf die Verfolgung der Vorderen. Leider hatte keiner den Wind abgedreht und so wurde es ein 40 Kilometer langer Leidensweg  Mit sauschlechtem Gefühl und toten Beinen wurde die Wechselzone wieder erreicht und der Fußmarsch über die abschließenden 10 Kilometer angetreten. Der CdKF (Chef des Kugelfisches) saß dem Eisenmann mit ein paar Minuten Rückstand im Nacken und angesichts dessen Laufstärke sah sich der Eisenmann schon wieder auf der Verliererstraße. Aber Angst beflügelt und der Eisenmann konnte den CdKF auf Distanz halten, und sogar 500 Meter vor dem Ziel den spanischen Matador einholen, der gerade komplett verendete. 30 Sekunden konnte er vor dem CdKF ins Ziel retten. Was für eine Heldentat! Das muss einfach neuer Weltrekord sein! Völlig blau vom Laufen und rot vor Freude inhalierte er im Ziel diverse Getränke und Speisen, alles, was greifbar war. Übermannt von Stolz trat er den Heimweg an, nicht ohne vorher noch das Schlachtroß ausgiebig gelobt zu haben!

Und so absolvierte er in der Euphorie ein paar Tage später den Busenrun in Wienkaff, ausgetragen im „Proda“ mit Ziel im „Prodastadion“. Mit dabei auch der Chefchef (der Chef vom Chef) und der Chefchefchef (der Chef vom Chefchef). Der Chef selbst war zwar vor Ort, aber nicht in Form und feigerweise nicht am Start. Es waren zwar nur 4100 Meter zu absolvieren, aber diese fühlten sich ab Meter Nummer eins etwas länger an. Zudem waren viele Hindernisse in Form von davor gestarteten, mit Stöcken bewaffneten Hausfrauen im Spaziertempo und rundlichen Schalterbeamten in Superzeitlupentempo auf der Strecke, was natürlich hinderlich für eine neue Bestzeit ist. Aber dennoch konnte der Eisenmann alle Arbeitskollegen niedermetzeln und als interner Sieger aus dieser Kurzschlacht hervorgehen! Was für ein Meilenstein und natürlich wichtig im internen Ansehen!
In den nächsten Wochen standen dann noch die Dreikämpfe in Wienkaff und Sack Pölten am Plan, beides Sprints – beide kurz, beide schmerzvoll. Aber beide sehr erfolgreich, denn in Wienkaff am Donaupinsel konnte der Eisenmann das Podest erneut erklimmen, mit einer gewaltigen Radzeit als Voraussetzung. Dann konnte er auf der Laufstrecke alles klarmachen (ja, richtig gelesen, auf der Laufstrecke!) und seine Mitstreiter endgültig einmarinieren.

In Sack Pölten in etwa das gleiche Spiel, der Wind brutal, aber der Wille noch brutaler. Beim schlussendlichen Gelaufe dann fühlte sich der Eisenmann von Beginn an scheintot und schien schon zurück zu fallen, als er in der prallen Hitze einige Plätze kampflos hergeben musste. Aber dann das Wunder von Sack Pölten: der Eisenmann besann sich auf seine mentalen Stärke und konnte einige Plätze zurück erkämpfen. Wer den Eisenmann (und seine Laufschwäche) kennt, der traute seinen Augen nicht! Die Anwesenden wurde Zeugen eines geschichtsträchtigen Ereignisses: der Eisenmann lief noch einmal 4 Sekunden schneller als eine Woche zuvor! Für das Podest reichte es an diesem Tag nicht, aber die Ehre war wieder hergestellt und so konnte der Eisenmann Sack Pölten mit erhobenem Haupt verlassen! Was für ein Triumph! In Sack Pölten und dem Wienkaff bzw. auf dem Donaupinsel werden sie noch lange über diese außergewöhnliche Leistung des mühlviertler Eisenmanns reden.

Und so kam es, dass es die erfolgreichste Saison des mühlviertler Eisenmanns werden würde, denn auch beim Orientierungswahnsinn über die gesamte Saison konnte er verhindern, sich total zu verlaufen und kam so von Zeit zu Zeit als Sieger vorm Söp ins Ziel, was ihm ungeheuren Ruhm im Mühlviertel bescherte.

Was die Gründe für diesen spätpupertären Erfolg sind? Genau weiß man es nicht: vielleicht doch der erhöhte Gehalt an Edelmetall im Körper. Oder eine ergeizanheizende Midlifecrisis. Oder ein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Verfall. Egal, die Liste der erreichten Heldentaten wurde 2018 um vieles länger. Was dem Eisenmann auch für die Zukunft in Zuversicht versetzt, glaubte er sich doch schon zum alten Eisen zu gehören.
Und wenn er nicht gestorben ist, dann ….

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