Im Gespräch: Werner Burgholzer
„Ich würde alles wieder so machen"

Werner Burgholzer (re) war mit Leib und Seele Fußballer und hielt dem SV Pöttinger Grieskirchen – im Bild mit Trainer Felix Simunovic – trotz Angeboten von Erstligavereinen die Treue.
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  • Werner Burgholzer (re) war mit Leib und Seele Fußballer und hielt dem SV Pöttinger Grieskirchen – im Bild mit Trainer Felix Simunovic – trotz Angeboten von Erstligavereinen die Treue.
  • Foto: Archiv Werner Burgholzer
  • hochgeladen von Christina Gärtner

Als Werner Burgholzer den Raum betritt fällt es schwer zu glauben, dass Grieskirchens Fußballlegende am 5. September den 80. Geburtstag gefeiert hat. Beim Rückblick auf die sportliche Karriere und seinen beruflichen Werdegang wird klar: Hier sitzt ein Macher, Familienmensch und Sportler, der allen Widrigkeiten mit Humor trotzt.

GRIESKIRCHEN. Werner Burgholzer wurde am 5. September 1940 in Grieskirchen – eine Stunde nach seinem Zwillingsbruder Horst – geboren. Die Bezirksstadt am nördlichen Trattnachufer ist bis heute seine Heimat. Jeden Tag, an dem sie nicht für die Schule lernten, verbrachten die Burgholzer-Zwillinge auf dem Fußballplatz, unmittelbar neben dem Elternhaus.

„Früher mussten die Eltern die Kinder bremsen und vom Fußballplatz heimholen. Heute müssen sie die Kinder zwingen, Sport zu treiben.“ Werner Burgholzer

1953 startete die Laufbahn des „Zehners“ beim SV Grieskirchen. Jenem Verein, dem er trotz Angeboten der Erstligaclubs Wiener Sportclub, Wacker Innsbruck und der LASK bis zum Karriereende 1974 die Treue hielt.

„Ich bin heute stolz darauf, dass ich in Grieskirchen geblieben bin. Die Verbindung zwischen Zuschauern und Spielern war sehr intensiv.“

Laut Burgholzer mussten die Spieler der Kampfmannschaft die Karten für die „Kränzchen“ verkaufen und dafür von Haus zu Haus gehen. Deshalb kannte jeder die Fußballer persönlich. Zwar verstärkte sich der Verein in der Regionalliga mit Spielern von auswärts und „es gab auch Jahre, wo ich der einzige Grieskirchner war. Aber die Gemeinschaft wurde immer gelebt.“

Unvergessliches Jahr 1967 

Befragt nach seinen Vorbildern fallen die Namen Gerhard Hanappi und Gerhard „Gerd“ Müller, „dem Schützenkönig der Nation und ein fußballerisches Idol. Der war für alle ein Vorbild.“ Burgholzer spielte rund sieben Jahre in der österreichischen Fußballnationalmannschaft der Amateure im Sturm. Insgesamt 17 Länderspiele bestritt er mit dem Team und war bei einem der größten Erfolge, dem Gewinn der Europameisterschaft 1967 in Mallorca, dabei. Das Jahr 1967 hatte es in sich: Grieskirchen wurde – wie auch 1969 Landesmeister, der FC Bayern München spielte anlässlich der Sportplatzeröffnung in Grieskirchen und es gab Angebote der Erstligaclubs. 1967 trat die Fußballlegende zudem vor den Traualtar und wechselte in den Betrieb der Schwiegereltern.  Insgesamt 13 Mal wurde Burgholzer in die OÖ Auswahl der Amateure einberufen, erhielt 1972 das Sportehrenzeichen der Stadt Grieskirchen in Silber und die Goldene Sportehrennadel für insgesamt 30 Auswahlspiele durch den OÖ Fußballverband. 

Fairer Torschützenkönig

1967 traten also Grieskirchen und der LASK in Verhandlungen und Burgholzer wurde zu einem Probetraining und Testspiel eingeladen. „Für mich kam nur der LASK in Frage. Ich war wohl zu teuer und es wurde der Brasilianer Carlos ‚Chico‘ Lima geholt. Aber die Stimmung im Team war nicht gut und die Rivalität groß, da hätte ich mich nicht wohl gefühlt.“ Obwohl sie in der gleichen Mannschaft spielten war Rivalität nie ein Thema zwischen den Brüdern. „Horst hat im Mittelfeld gespielt und mich mit Bällen gefüttert. Ich war sozusagen der Nutznießer.“ Heute noch treffen sich die Brüder jede Woche und stehen auch in regelmäßigem Kontakt zur Schwester. Werner Burgholzer war immer der Kleinste, aber die Gegner konnten den Stürmer nicht bremsen.

„Ich war 21 Jahre – von der Schüler- und Jugend- bis zur Kampfmannschaft – durchgängig Torschützenkönig und habe in der ganzen Zeit keine einzige rote Karte bekommen. Fairness war das oberste Gebot, auch wenn ich selbst sehr viel einstecken musste und entsprechende Verletzungen davongetragen habe.“

Burgholzer wurde sieben Mal der Meniskus im rechten Knie operiert. 2001 wurden schließlich sowohl im rechten als auch linken Knie – in nur einer Operationen – Prothesen eingesetzt. „Ich habe die Knie-Operation wegen der Selbstständigkeit bewusst im Dezember an nur einem Termin angesetzt. Am 29. Dezember hab ich schon mit der Reha begonnen und bin ab da ein Jahr lang täglich nach Gallspach gefahren.“ Vor dem Eingriff konnte Burgholzer 15 Jahre lang aufgrund der starken Schmerzen keinen Sport mehr ausüben. Was das für ihn bedeutet haben muss, ist schwer vorstellbar. Immerhin war Burgholzer in seiner aktiven Zeit nicht nur ein begnadeter Fußballer, sondern feierte auch im Tennis und auf den Skiern Erfolge. Die gelbe Filzkugel beherrschte er wie das runde Leder und wurde neun Mal Stadtmeister im Herren Einzel, 13 Mal im Herren-Doppel und vier Mal im gemischten Doppel. Auch beim Skifahren trug er sich als Stadtmeister seiner Altersklasse ein. Die zwei Brettln stellte er übrigens erst vor zwei Jahren endgültig in die Ecke. Seit 2011 spielt er mit Gattin Gertraud regelmäßig Golf. Warum das Ausnahmetalent nicht die Trainerlaufbahn eingeschlagen hat, erklärt Burgholzer so: „Mit Gutmütigkeit kann kein Trainer etwas erreichen, da muss man beinhart sein. Das war ich aber nie. Unser Trainer hat uns geschunden, da hätte ich nicht geschafft.“

Vom Lehrling zum Firmenchef

Seine berufliche Laufbahn begann nach der Volks- und Hauptschule bei einem Lebensmittelgroß- und Einzelhändler in Neumarkt am Hausruck. „Damals war eine Aufnahmeprüfung notwendig, um eine Lehre starten zu können.“ Insgesamt sieben Jahre blieb Burgholzer bei Eybl, ehe er in den Einkauf von Pöttinger Landmaschinen wechselte und 1967 in den Betrieb der Schwiegereltern. „Ich wurde im Installationsgewerbe ins kalte Wasser gestoßen. Die Kundschaften kannten mich alle vom Fußballspielen und haben mir gewisse Fehler verziehen“, erzählt Burgholzer und grinst schelmisch. Da keines seiner drei Kinder die Betriebsnachfolge antreten wollte, verkaufte er das Unternehmen 2009 und ging mit 69 Jahren in Pension. Abschließend sagt die Grieskirchner Fußballlegende:

„Ich würde auf jeden Fall alles wieder so machen, wie ich es gemacht habe.“

WORDRAP

Mein Lebensmotto lautet………
Das Leben so nehmen, wie es ist und das Beste daraus machen

Auf eine einsame Insel nehme ich……..
meine Golfausrüstung mit

Ich engagiere mich…..
seit 30 Jahren im Kiwanisclub Grieskirchen-Hausruckkreis

Bedanken möchte ich mich bei….
bei meinen Eltern, die mich immer unterstützt haben

Stolz bin ich auf….
mein vergangenes, erfolgreiches Leben

Darüber kann ich lachen…
über alles, auch über mich selbst. Ich bin leicht zu erheitern

Ich liebe…
meine Familie und bin mittlerweile vierfacher Großvater

Zuletzt geweint habe ich….
beim Verlust der Eltern

Wütend macht mich….
wenn ich mich ungerecht behandelt fühle werde ich jähzornig

Diesen Menschen würde ich gerne treffen…..
Niki Lauda. Er war ein Vorbild, weil er trotz seines Unfalls wieder Rennen gefahren ist und auch viel von der Wirtschaft verstanden hat.

Kanzler Kurz würde ich fragen ….
Wie lange er noch Politiker bleiben und was er noch erreichen möchte

Ich glaube an….
Gott und bin als Kind immer freiwillig in die Kirche gegangen

Ich wünsche mir….
Gesundheit. Mehr braucht man nicht

Meine letzten Worte …
Ich würde alles wieder so machen, wie ich es gemacht habe

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