04.10.2017, 20:05 Uhr

Lehre & Ausbildung: Der Jugend die besten Möglichkeiten aufzeigen

Runder Tisch: Die Lehrlinge (l.) im Gespräch mit Gudrun Vera Wimmer (AMS), Irmgard Klement (JugendService), Bezirksbürgermeistersprecher Peter Oberlehner und Laurenz Pöttinger (WKO). (Foto: Florian Uibner/BRS)

Fünf Lehrlinge diskutieren in Grieskirchen mit WKO, AMS, JugendService und Bezirkspolitik über die Ausbildung.

BEZIRKE (jmi). „Die Lehre ist nichts Schlechtes“, sind sich die Lehrlinge Michaela, Jan, Kevin, Stefan und Oliver beim runden Tisch der BezirksRundschau einig. Eine Formulierung, die den Experten – Irmgard Klement (JugendService), Gudrun Vera Wimmer (AMS), Laurenz Pöttinger (WKO) und Bezirksbürgermeistersprecher Peter Oberlehner – missfällt. Ihre Überzeugung: Die Lehre ist nicht nur „nichts Schlechtes“, sondern etwas „Gutes“.

Lehrlinge quer durch die Bank gesucht

„Jeder glaubt, erst Matura und dann ein Studium machen zu müssen. Die Wertschätzung der Lehre steigt zwar, ist aber bei manchen noch nicht angekommen. Man muss wieder die Botschaft setzen, dass Handwerk etwas ganz Wichtiges ist“, stellt Oberlehner klar. Diese Einschätzung teilt man auch beim AMS Grieskirchen: „Lehrlinge werden quer durch die Bank gesucht. Besonders bei unbekannten Firmen oder in unbeliebten Lehrberufen wie Bodenleger oder Rauchfangkehrer bestehen Probleme, Fachkräfte zu bekommen“, so Wimmer. Einen Einblick in die Vielzahl an Berufen in der Region erhalten? Lehrlinge und Experten sehen dafür Schnuppertage als unerlässliches Instrument. Schwierigkeiten hatte dabei Jan: Trotz fixer Lehrstelle bei Pöttinger Landtechnik musste er die zweite Schnupperwoche in einem anderen Betrieb absolvieren. Ein Problem, das leicht zu lösen ist, wie WKO-Obmann Pöttinger erklärt: „Es gibt so viele Berufe, wie soll sich ein Jugendlicher entscheiden? Daher ist Schnuppern extrem wichtig. Wenn jemand schon eine fixe Lehrstelle hat, dann wäre es nützlich, in diesem Betrieb auch die zweite Schnupperwoche machen zu dürfen.“

Thema: Herausforderungen & Wertschätzung


Kombi: Matura und Lehre

Nach Lehrbeginn geht es für viele mit Fortbildungen weiter. Die Lehre mit Matura ist dabei für Stefan, Kevin und Jan interessant. Sie findet auch bei vielen Eltern Zuspruch: „Besonders wenn Jugendliche die Schule abbrechen, geht für manche Eltern scheinbar fast die Welt unter. Das entspannt sich mit der Lehre mit Matura. Eltern sehen, dass auch dieser Weg möglich ist“, erklärt JugendService-Beauftragte Klement. Die Vorgabe, damit im zweiten Lehrjahr zu starten, findet Pöttinger optimal: „Gerade die Umstellung von Schule auf Beruf ist schwierig. Es geht darum, Jugendliche nicht zu überfordern.“ Die Angst von Unternehmen, ihre Lehrlinge würden mit abgeschlossener Matura den Betrieb wechseln, findet der WKO-Obmann unbegründet.

Lehrlings-Infos auch an höheren Schulen wichtig

Apropos Matura: Auch die Gleichung „Erst Matura, dann Lehre“ findet sich bei Lehrlingen. Michaela absolvierte zuerst eine allgemeinbildende höhere Schule und begann die Lehre diesen Herbst. Informationen zu Ausbildungsmöglichkeiten? In der Schule: Fehlanzeige. Oliver befand sich in der gleichen Situation, als er die HTL abbrach. An höheren Schulen sei Jobcoaching oder Potenzialanalyse nicht gerne gesehen, wie Klement erklärt: „Viele Schulen haben Angst, dass die Jugendlichen sich für eine Lehre entscheiden. Der Wettbewerb um die Jungen ist da, schließlich geht es auch um die Arbeitsplätze von Lehrern.“ Eine Situation, die Oberlehner nicht versteht: „Credo muss sein, jungen Leuten die besten Möglichkeiten aufzuzeigen. Wenn jemand die Lehre machen will, dann muss man ihn auch unterstützen.“ Diese Förderung sieht WKO-Obmann Pöttinger in der Vermittlung von Hilfe: „Bei Abbruch ist es wichtig, dass Jugendliche wissen, wer ihre Ansprechpartner sind. Das ist in erster Linie das örtliche AMS.“

Meinungen zur Lehre

"Für mich ist es eine Zeit des Umbruchs: Der Stellenwert der Lehre steigt. Das sehe ich auch bei Studenten, die nach dem Studium Probleme haben, einen Job mit Festanstellung zu finden. Die adäquate Bezahlung spielt ebenso eine Rolle, die Attraktivität der Lehre zu fördern. Wir sind auf einem guten Weg."

Irmgard Klement, JugendService Grieskirchen



"Die Lehre ist ein extrem gutes Fundament, das für jeden Menschen geeignet ist. So ein Fundament kann einem nicht mehr weggenommen werden – diese Botschaft weiterzutragen, ist absolut notwendig. Nach dem Motto ‚Learning by doing‘ umfasst die Lehre nämlich nicht nur Theorie, sondern auch Praxis, das alltägliche Arbeiten."

Laurenz Pöttinger, WKO Grieskirchen


"Die Berufswahl erfolgt anhand verschiedener Aspekte, darunter das Gehalt. Von einem Brotberuf muss man auch leben können. Die politischen Forderungen und Entwicklungen sind bei der Lehre wichtig. Der politische Auftrag ist deshalb, das Thema voranzutreiben, damit die Attraktivität für Lehrberufe gegeben ist."

Peter Oberlehner, Bezirksbürgermeistersprecher


"Auch die großen Betriebe investieren viel in das Image und die Werbung zur Lehre – sie werden aber nicht mit Fachkräften ‚überrannt‘, wie etwa noch vor 20 Jahren."

Gudrun Vera Wimmer, AMS Grieskirchen


"Mit der Lehre stehen alle Türen offen"

von LehrlingsRedakteur Stefan Lehner

Warum die Lehre eine echte Chance ist? Ganz klar: Weil sie das Selbstbewusstsein stärkt. Anders als in der Schule steht in der Ausbildung praktisches Arbeiten im Vordergrund. Man darf endlich selbst ran und Aufgaben eigenverantwortlich erledigen. Auch die finanzielle Seite spielt eine Rolle. Ich mache eine Lehre, da ich mir gerne selbst mein Geld erarbeiten möchte. Das hat den großen Vorteil, dass man nicht mehr gänzlich von den Eltern abhängig ist. Und nach der Ausbildung? Danach gibt es natürlich noch viele Bereiche zu entdecken. Zum Beispiel die Matura. Die kann man übrigens auch während der Lehrzeit locker absolvieren. Zusammengefasst: Mit der Lehre ergeben sich viele Möglichkeiten, und den Fachkräften stehen alle Türen offen.
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