28.09.2017, 07:30 Uhr

Oberlehner: "Lösungen anbieten"

Pöttings Bürgermeister Peter Oberlehner im Gespräch mit der BezirksRundschau.

Pöttings Bürgermeister Peter Oberlehner über Kooperation zwischen Gemeinden und gelungenes Gemeindeleben.

Herr Oberlehner, Sie sind schon seit 20 Jahren Bürgermeister. Was muss eine Gemeinde seinen Bewohnern bieten?
Oberlehner: Man muss Angebote schaffen – auch in einer sinnvoll wachsenden Weise. Was braucht eine Gemeinde, damit sie funktioniert? Gewisse Voraussetzungen erwartet sich der Bürger – wie etwa Nachmittagsbetreuung. Das gilt auch bei der Nahversorgung: Auch wenn es keinen Supermarkt gibt, wird sich wohl ein Greissler nicht halten. Wichtig ist, Lösungen aufzuzeigen.  Man muss schauen, dass in der Nähe eine gute Struktur gibt, gute Verkehrsanbindungen und so weiter. Eine ärztliche Versorgung ist ein zentrales Thema. Erst wenn eine Gemeinde diese Qualitäten der Grundversorgung hat, dann wird sie als Lebensraum auch interessant.

Aber in Pötting gibt es keinen Hausarzt ...
Nein, seit Menschengedenken ist dieser in Neumarkt. Dort besteht ein Ärztezentrum, dass Neumarkt und Pötting gemeinsam finanzieren. Die Hausarztstelle hätten wir genauso gut in Pötting machen können. Aber es ist eher unlogisch, dass 1.500 Neumarkter nach Pötting fahren, als 600 Pöttinger in die Nachbargemeinde. Man muss Lösungen anbieten, damit das Gemeindeleben gut funktionieren kann – und daher größerer Strukturen auch woanders haben. Zum Beispiel: Einen Veranstaltungssaal mit über 150 Leute bräuchten wir etwa nur fünf Mal im Jahr, Vorträge und kleinere Veranstaltungen passen auch in unseren Pfarrsaal. Bei größeren Geschichten wie ein Musikkonzert, da fährt man nach Kallham, das ist kein Problem.






Apropos Musik: Der MV Pötting hat in diesem Jahr das Bezirksmusikfest organisiert. Wie sieht es mit dem Vereinsleben in so einer kleinen Gemeinde aus?
Wir haben rund 20 Vereine und sind ein Musterbeispiel für ein aktives Vereinsleben. Das haben wir schon immer gehabt. Von der Landjugend angefangen über den Sportverein bis hin zu den Senioren sind die Menschen hier sehr aktiv. Das funktioniert wohl nur in einer Gemeinde – in Linz interessieren sich nicht sehr viele für Vereine. Man braucht sich nur unseren Veranstaltungskalender ansehen. Jede Ortschaft, jeder Straßenzug hat bei uns sein Sommerfest. Es ist schon eher so, dass man Wochen braucht, wo nichts ist, damit man zur Ruhe kommt.

Sind die Pöttinger zu aktiv?
Wir haben uns tatsächlich zusammengesetzt und geschaut, welche Veranstaltungen wir etwa nur alle zwei Jahre machen. Wie den Vatertagsfrühschoppen: In dem einen Jahr veranstaltet ihn die Pfarre, im anderen die Union. Unsere Vereinswelt ist keine Baustelle, alle sind wirklich sehr aktiv.

Viele Vereine kämpfen mit Obmännern – wie sieht es in Pötting aus?
Heute ist generell so, dass sich schnell wer findet, der im Verein mitmacht aber eher nicht bei der Vereinsführung. Viele fürchten auch, dass sich kein Nachfolger findet und sie Obmann bleiben müssen. In der Obmannfunktion hat man auch eine Mehrbelastung. Eine Lösung wäre, ein System zu machen, bei dem der Vorsitz wechselt. Etwa in der Union, wo jedes Jahr eine andere Sektion ihren Obmann stellt. In der Pöttinger Pfarre wird so etwas schon gemacht: ein Obmann mit Team. Je nach Fachbereich decken die Mitarbeiter die Aufgaben ab – wie in der Gemeinde. So versucht man Belastungen im Ehrenamt besser zu verteilen und es funktioniert ganz gut.

Was schätzen Sie an Ihrer Gemeinde am meisten wert?
Grundsätzlich die Menschen. Ich werde manchmal gefragt nach den größten Erfolgen als Bürgermeister. Natürlich freut man sich über viele Sachen vor Ort wie Infrastruktur mit hohem Niveau. Aber die größten Erfolge sind, wenn man Menschen helfen kann. Die kleinen Sorgen der Menschen sind die großen Probleme. Als Bürgermeister hat man einen Hauptauftrag: Das Miteinander zu gewährleisten.

Und Sie schaffen das?
Sich selber zu beurteilen ist immer schwierig. Aber bei der letzten Wahl habe ich etwa 93 Prozent Zustimmung bekommen. Daher nehme ich an, dass es gut gesehen wird. Ich bin in vielen Dingen ein Mediator. Bei Spannungen muss man schnell handeln, um für einen Ausgleich sorgen. Bürgermeister sein ist nicht nur formelle Gemeindearbeiter sondern auch Sozialarbeiter sein – der zweite Punkt ist oft schon wichtiger.
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