17.01.2018, 18:00 Uhr

Widerstand gegen Damm-Projekt wächst

(Foto: dammfrei.at)

Die Gegner des Rückhaltebeckens fordern Alternativen, doch diese seien schwer umsetzbar.

WAIZENKIRCHEN (fui). In Waizenkirchen kocht die Debatte um den das geplante Hochwasserschutz-Projekt "Mittlere Aschach" wieder hoch. Am Wochenende organisierte die Initiative "Dammfrei" eine Demonstrationn gegen das Projekt. Die Gegner des Dammes sehen in den Kosten eine große Belastung für die Zukunft der Bevölkerung und fordern nicht-technische Alternativen. "Der geplante Riesen-Damm wird als alternativlos dargestellt, was er aber nicht ist. Seit zwanzig Jahren wird an dem Projekt geplant und Millionen wurden versenkt. Mittlerweile ist diese Planung aber nicht mehr am aktuellsten Stand der Technik – die Zuständigen haben Scheuklappen und sehen keine Alternativen zu Baggern und Betonieren", erklärt Georg Doppler, einer der Vertreter von Dammfrei. 

Landschaft nutzen

Anstatt ein riesiges Rückhaltebecken zu errichten, sollten natürliche Becken und Senken in der Landschaft und Ackerflächen genutzt werden, so die Forderung der Initiative. Diese wären kostengünstiger und könnten früher genutzt werden. Ein unabhängiger Experte soll das den Dammgegnern bestätigt haben. Dem widerspricht allerdings Josef Mader vom Gewässerbezirk Grieskirchen: "Die Nutzung natürlicher Becken ist theoretisch machbar, allerdings zu einem finanziell weitaus größerem Aufwand – bei gleichem Nutzen. Die Landschaft um Waizenkirchen eignet sich schlicht nicht für diese Art von Maßnahme." Außerdem wären auch für die Nutzung natürlicher Becken technische Maßnahmen nötig, die genauso mit Wartungsaufwand verbunden sind, so der Ingenieur.
  

"Zeit lässt sich nicht zurückdrehen"

Die Waizenkirchner Grünen sind grundsätzlich für die Rückhaltebecken, aber gegen den geplanten "Riesen-Damm", erklärt Gemeinderat Andreas Aumayr: "Vor hundert Jahren schon wurden die Flüsse begradigt und Felder drainiert, um landwirtschaftliche Flächen zu zu gewinnen. Zwei-Drittel aller Betriebe in Europa liegen an Hochwasser-gefährdeten Flächen. Diese Entwicklung lässt sich nicht einfach umkehren, und es braucht technische Maßnahmen. Diese können aber auch in kleineren Becken realisiert werden, wie etwa im Trattnachtal." Auch den Widerstand der betroffenen Bauern kann Aumayr nachvollziehen: "Die meisten sind Biobauern, und es ist nicht leicht, neue Ackerflächen zu finden, auf denen in Bioqualität produziert werden kann."

Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit

Wie bei jedem Hochwasserprojekt, wurden auch in Waizenkirchen verschiedene Varianten durchgeplant, erklärt Mader: "Dabei geht es immer auch um die Wirtschaftlichkeit. Viele Bewohner fordern zu Recht einen Schutz. Gleichzeitig müssen wir auf die Kosten achten und den Menschen weiter flussabwärts darf kein Nachteil entstehen." Außerdem werde durch den Damm auch die Infrastruktur, allen voran die Landstraße und die Bahngleise geschützt. Geht es nach der aktuellen Planung könnten bei einem hundert-jährigen Hochwasser bis Pupping 324 Liegenschaften entlang der Aschach geschützt werden. Doppler hält diese Zahl allerdings für viel zu hoch angesetzt: "Einmal ist von 40 Objekten die Rede, dann wieder von mehr als 300 – ich sehe diese Zahlen eher skeptisch." Für Doppler seien die Kosten und die Belastung für die Zukunft nicht absehbar und er kritisiert die Planung ohne Einbindung der Bevölkerung.
Waizenkirchens Bürgermeister Wolfgang Degeneve hat Verständnis für die Kritiker, meint aber: "Dieses Problem lässt sich nicht alleine lösen, und es braucht die Gesprächsbereitschaft aller. Lokal schwere Niederschläge werden häufiger – die Betroffenen brauchen Schutz."

Das Projekt "Mittlere Aschach"

Das Hochwasserschutzprojekt "Mittlere Aschach" beinhaltet in der Hauptvariante zwei Rückhaltebecken und 23 Begleitmaßnahmen. Diese Planung der Bundeswasserbauverwaltung dient als Grundlage für weitere Überlegungen des Wasserverbandes "Hochwasserschutz Aschachtal" und der betroffenen Gemeinden. Die beiden Becken samt Begleitmaßnahmen und eventuellen Absiedelungen zwischen Waizenkirchen und Pupping kosten laut vorliegender Schätzung 38,5 Millionen Euro. Die tatsächlichen Kosten werden davon aber abweichen, da Einreichprojekt und Grundverhandlungen noch fehlen. Ein Zeitpunkt für den Baustart liegt noch nicht vor, weil es bisher keine Beschlüsse für Einreichplanungen gibt. Für den Bau der beiden Becken werden fünf Jahre eingeplant, auch die Begleitmaßnahmen erfordern eine mehrjährige Bauzeit.
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