Serie "100 Jahre Republik"
Was vor 100 Jahren im Südburgenland auf den Tisch kam

Sterz (Bild), Strudel, Suppen, wenig Fleisch: Einfache Kost dominierte in den Häusern unserer Urgroßeltern.
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  • Sterz (Bild), Strudel, Suppen, wenig Fleisch: Einfache Kost dominierte in den Häusern unserer Urgroßeltern.
  • Foto: Günter Havlena/Pixelio
  • hochgeladen von Martin Wurglits

Am Beginn des 20. Jahrhunderts waren nicht nur die politischen und gesellschaftlichen Umstände völlig anders als heute, sondern auch die Ernährungsgewohnheiten der Menschen.

Zwei-Teller-Gesellschaft

"Die Ernährung im Südburgenland war wie in allen anderen ländlichen Regionen der Monarchie in zwei Lager geteilt", weiß der Güssinger Koch Alexander Tomanek, der sich intensiv mit der österreichischen Ernährungsgeschichte beschäftigt.

"Die herrschaftlichen und wohlhabenden Haushalte mit ihrer bürgerlichen Küche verfügten über große Auswahl und Mengen und genossen eine abwechslungsreiche Kost. Es gab bereits viele technische Hilfen für die Zubereitung der Speisen wie holzgefeuerte Öfen und Backrohre", so Tomanek.

Freilich: Diese Gruppe von Haushalten bildete im kleinbäuerlich geprägten Südburgenland die absolute Ausnahme. Der Großteil der Bevölkerung war arm.

Großteils Selbstversorgung

"Die Küche des einfachen Arbeiters oder Bauern war geprägt von einfachen, leicht verfügbaren und billigen Lebensmitteln. Nutzpflanzen wurden größtenteils selbst angebaut, Nutztiere selbst gehalten", beschreibt Tomanek.

Schwein, Gemüse, Getreide

Das Südburgenland hatte einen Schwerpunkt in der Schweinehaltung. Auf den Äckern angebaut wurden viele Speiserüben, Kraut, Kohl, Bohnen, Buchweizen und einfaches Getreide. "Erdäpfel und Kukuruz waren noch eher weniger verbreitet als in der Steiermark", vergleicht Tomanek. In praktisch jedem Haushalt wurden über den Winter Sauerkraut und Rüben eingelagert.

Grundsätzlich ernährten sich laut Tomanek die einfachen Leute gesünder, weil wenig Fleisch und dafür viel Gemüse und Vollkornprodukte auf den Tisch kamen. Die geringere Lebenserwartung hatte andere Gründe: das auszehrende Arbeitsleben, die hygienischen Umstände, die medizinische Versorgung.

Der Speiseplan war grundsätzlich deftig. Fleisch gab es, aber nur an Feiertagen oder an Sonntagen.

Sterz, Suppen, Strudel

Die einfachen Küchen verfügten oft nur über eine offene Feuerstelle. Dort bereitete man hauptsächlich sterzartige und suppige Gerichte. Das Backen von Mehlspeisen war auf keramische Töpfe mit Deckel, die auf einem Dreibein in die Glut geschoben wurden, beschränkt. Strudel wurden vielerorts im Wasser gesotten, sprich gekocht.

Typische Gerichte in kleinbäuerlichen Haushalten waren Bohnensterz, Heidensterz, gulaschartige Gerichte, Suppen, Krautstrudel oder Krautfosn", zählt Tomanek auf.

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