„Nur wer die Geschichte kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft sinnvoll gestalten.“
NEUBERG historisch

Das Kaufhaus der jüdischen Familie Stein in Unterneuberg. 1930-er Jahre. Das zweite Geschäft befand sich in Oberneuberg-
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  • Das Kaufhaus der jüdischen Familie Stein in Unterneuberg. 1930-er Jahre. Das zweite Geschäft befand sich in Oberneuberg-
  • hochgeladen von Karl Knor

In Neuberg hat sich unter der Leitung von Dr. Renate Mercsanits eine fünfköpfige Gruppe ( Renate Mercsanits, Robert Novakovits, Thomas Novoszel, Philipp Halper, Karl Knor) aus an der Ortsgeschichte interessierten Neubergern gebildet, deren Ziel es ist, die letzten 100 Jahre der Neuberger Ortsgeschichte genauer aufzuarbeiten. Nachfolgend die Projektbeschreibung von NEUBERG historisch:

Das kommende Jahr ist ein Festjahr und ein Gedenkjahr: 2021 feiern wir 100 Jahre Burgenland. Dies ist uns Anlass und Grund, unsere eigene Dorfgeschichte zu beleuchten.

Die Geschichte unseres Dorfes ist eingebettet in den großen europäischen und nationalen Kontext. Das Burgenland als Bundesland entstand im Zuge des Zerfalles der Monarchie und der Ausrufung der 1. Republik, festgehalten im Vertrag von Saint-Germain. Einige von uns erinnern sich noch lebhaft daran, dass unsere Großeltern zu sagen pflegten, sie wären „in Österreich auf Saisonarbeit gewesen“, wenn sie das Marchfeld bzw. Niederösterreich mein-ten. Denn sie haben bis 1921 eine eindeutig ungarische Zugehörigkeit erlebt, in der Amtssprache, die sie auch in der Schule erlernten, im Arbeitsleben und im Alltag.

Die Dorfgeschichte ist auch geprägt von den großen Katastrophen und Umbrüchen im 20. Jahrhundert: 1. Weltkrieg und der Zerfall der Monarchie, 1933/34 Zerschlagung der Demokratie und schließlich der „Anschluss“ durch die nationalsozialistischen Machthaber, die Vertreibung, Ausraubung, Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung und der Roma und Sinti. Das Burgenland war hier besonders betroffen. Die Überlebenden mussten lange um Anerkennung ringen und das Erinnern ist erst in den späten 1980er Jahren zu einem wesentlichen Thema geworden.

Die Geschichte des Dorfes soll durch viele verschiedene Blickwinkel dargestellt werden, Geschichte soll auch in „Geschichten“ erzählt und weitergegeben werden. Erinnerungen der Großelterngeneration ermöglichen wertvolle Blicke in ihre Welt, die unsere zutiefst prägt. Folgende Themenkreise werden in diesem Projekt Beachtung finden:

◊ 1920er Jahre – Neuberg im Burgenland: Bestandsaufnahme

◊ Politische Brüche: Austrofaschismus/ Ständestaat vor Ort; der „Anschluss“ 1938

◊ Schuld- und Verantwortungsverstrickung einzelner Institutionen: Gemeinde, Parteien, Kirche, Schule, Feuerwehr, Vereine

◊ Das Schicksal der Familie Stein

◊ Jüdisches Leben in den Nachbardörfern: St. Michael, Güttenbach, Oberdorf, Olbendorf, Rauchwart, Güssing; Antisemitismus im Dorf

◊ Wider die Opferthese: Opfer, Täter, Gegner, Nutznießer, Zuschauer u. MitläuferInnen

◊ Armut im Dorf * „In Dienst gehen“ – Kinderarbeit * Landarbeit im Marchfeld * Dorf ohne Männer/Frauen: Zurückgebliebene Kinder und Großeltern * Geschlechterverhältnisse in der Arbeitswelt, Ausbeutung, Gewalt * Sprache – Heimat und Barriere; Zweisprachigkeit als Chance * Alltag im Dorf: Ziegel brennen, Brot backen, Dreschen, Waldarbeit, Gebären und Sterben * Auswanderung nach Amerika

◊ Erinnerungen: Interviews mit der älteren Generation zu Kindheit, Schule, Arbeitswelt

◊ Das Vermächtnis der älteren Generation: Was aus ihrer Geschichte gelernt werden kann.

Dieses Forschungsvorhaben ist auf mehrere Jahre hin angelegt, die Ergebnisse werden zunächst bei Vorträgen öffentlich gemacht, eine Publikation wird folgen. In ihren Überlieferungen und Erinnerungen zeigt jede Gemeinschaft ihre Werteperspektive, was sie ist und worauf sie hinaus will (J. Assmann), es ist von Bedeutung, woran erinnert wird und woran nicht erinnert

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