Einkaufsstadt Güssing verliert massiv an Bedeutung

Der Verlust von Handelsflächen aus der Innenstadt an die Peripherie hält an.
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  • Der Verlust von Handelsflächen aus der Innenstadt an die Peripherie hält an.
  • hochgeladen von Martin Wurglits

Bei den Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik dürften die Alarmglocken schrillen. Eine Analyse im Auftrag der Wirtschaftskammer attestiert der Stadt Güssing und dem Bezirk einen massiven Kaufkraftabfluss.

Minus zehn Prozent

Die Stadt verfügt konsumentenseits über ein Kaufkraftvolumen von 19,1 Millionen Euro. Davon werden aber nur 68 % innerhalb der Gemeindegrenzen ausgegeben. 2009 lag dieser Wert noch bei 78 %.

Bezirk Güssing auf der Verliererstraße

Noch dramatischer ist der Kaufkraftverlust, wenn man sich den gesamten Bezirk Güssing ansieht. Die Kaufkraft-Eigenbindung ist innerhalb von nur sieben Jahren von 59 % auf 43 % geschmolzen. Das ist ein Minus von 16 %. Kein anderer Bezirk im Burgenland hat seit 2009 derart viel eingebüßt. Am zweitgrößten ist der Kaufkraftverlust im Bezirk Oberwart (- 7,2 %), am drittgrößten im Bezirk Oberpullendorf (- 4,0 %).

Für die Abwanderung von 57 % der Kaufkraft sind zwei Faktoren hauptverantwortlich: die Einkaufszentren in den Nachbarbezirken (Oberwart, Fürstenfeld) und der Onlinehandel. Kunden aus dem Bezirk Güssing gaben im Vorjahr bereits mehr als 8,5 Millionen Euro fürs Einkaufen via Internet aus.

Online-Kauf wird immer beliebter

Allein der Anteil von Bekleidung und Schuhen, der online gekauft wird, ist in der Stadt Güssing in den letzten sieben Jahren von 5,6 % auf 17,1 % angewachsen. Beim Sektor Elektro/Möbel stieg er von 0,7 % auf 6 %. Am stärksten ist die Kaufkraftbindung bei Waren des kurzfristigen Bedarfs wie Lebensmitteln und Drogeriewaren. Hier liegt der Online-Anteil nur bei 1,7 %.

Von der Stadt an ihren Rand

Nicht eingebremst hat sich in den letzten Jahren die Ausdünnung des Stadtkerns. Nur noch 15 % der Verkaufsflächen befinden sich in der Innenstadt, die Zahl der Geschäfte ist hier seit 2009 von 35 auf 29 gesunken. Außerhalb des Stadtkerns befinden sich zwar nur um 12 Betriebe mehr, aber sie verfügen über eine fast siebenmal größere Verkaufsfläche.

Nimmt man die gesamte Stadt her, entfallen 26 % der Verkaufsflächen auf Fachgeschäfte, 30 % auf Fachmärkte, 12 % auf Supermärkte und 23 % auf Diskonter. Diese Aufteilung untereinander hat sich seit 2009 nur unwesentlich verändert.

Nur noch "Nahversorgungsstandort"

"Die Stadt Güssing hat sich auf einen regionalen Nahversorgungsstandort reduziert", fasst Studienautor Georg Gumpinger zusammen. Er empfiehlt, die Kompetenzen von Stadtmarketing, Tourismus und Standortmarketing zu bündeln und einen "Masterplan" zu erstellen.

Chancen biete der touristische Gast, der im Einzelhandel noch unterschätzt werde und wo es in Güssing noch Potenzial gebe. "Eigentümergeführte Betriebe können sich vor allem durch hochwertige Produkte und kompetente Beratung abheben", sagt Thomas Novoszel von der Wirtschaftskammer. Die Betriebe selbst seien gefordert, den digitalen Herausforderungen durch eine zeitgemäße Online-Präsenz zu begegnen.

Neue Arbeitsgruppe

Bei der Präsentation der Studienergebnisse haben sich Bürgermeister Vinzenz Knor und Vizebürgermeister Alois Mondschein darauf verständigt, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die Gegenmaßnahmen ausarbeiten soll.

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