100 Jahre Herz-Jesu-Basilika

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Wo: Herz-Jesu-Basilika, 6060 Hall in Tirol auf Karte anzeigen

Einer der schönsten Plätze in Hall ist der Stiftsplatz mit dem Brunnen in der Mitte, auf dem das Standbild der Erzherzogin Magdalena zu bewundern ist. Ihr ist dieser kunst-, kirchen- und stadthistorisch einmalige Platz zu verdanken: Umrahmt von den barocken Fassaden des heutigen Bezirksgerichtes in der Schulgasse (des ehemaligen Jesuitenkollegs), dann der Jesuitenkirche, des Damenstiftes und der Stiftskirche sowie der Volksschule erstrahlt diese Südostecke der Stadt seit der letzten Restaurierung in wunderbarer Harmonie. Die wohl schönste Fassade in diesem Ensemble gehört der Herz-Jesu-Basilika, der ehemaligen Stiftskirche. Über vier jonischen Pilastern erhebt sich ein reich verzierter Giebel mit drei Nischen, in denen die Statuen der Muttergottes mit Kind, der Hll. Ignatius und Franz Xaver zu sehen sind. Vor 100 Jahren wurde die Kirche feierlich wieder eingeweiht. In dankbarer Erinnerung daran wird am Mittwoch, 30. Juli 2014, um 18,00 Uhr dort ein Pontifikalamt gefeiert, zu dessen Mitfeier die Bevölkerung herzlich eingeladen ist.
Warum musste diese Kirche, die ja schon im 16. Jahrhundert errichtet worden ist, wieder geweiht werden? Erzherzogin Magdalena von Österreich, Tochter des Kaisers Ferdinand I., hatte sich mit ihren beiden Schwestern Margaretha und Helena um die Mitte des 16. Jahrhunderts entschlossen, dem glamourösen Hofleben zu entsagen und mit gleichgesinnten Frauen in Hall in fast klösterlicher Zurückgezogenheit zu leben. Töchter der vornehmsten Adelsfamilien des In- und Auslandes fühlten sich von Hall angezogen und traten dieser Gemeinschaft bei, die als Damenstift bekannt wurde. Die geistliche Betreuung sollten Patres des eben neu gegründeten Jesuitenordens übernehmen. Dazu wurden 1567 die ehemalige Burg Sparberegg um- und ausgebaut, für die Jesuiten das Kolleg mit der Kirche im Osten und die Stiftskirche im Süden errichtet. Also eine rege Bautätigkeit am Ende des 16. und am Beginn des 17. Jahrhunderts in diesem Bereich der Stadt! Schon 1573 wurde auf Wunsch Magdalenas durch die Jesuiten in Hall das Gymnasium, wo sich heute die Volksschule befindet, und das erste Knabenseminar Tirols gegründet. Nicht außer Acht darf man lassen, dass die Stiftsdamen, die immer zahlreicher nach Hall gekommen waren, sich eifrig um das geistige und leibliche Wohl der Armen und Kranken in der Stadt gekümmert haben. So hatte der jeweilige Stiftsarzt – unter ihnen Dr. Hippolytus Guarinoni – die Armen kostenlos zu behandeln.
Als aber 1783 der „josefinische Klostersturm“ wie aus heiterem Himmel auch das „königliche“ Damenstift in Hall traf - obwohl Magdalena immer betont hatte, dass ihre Gemeinschaft kein Kloster sei - und die damals stattliche Zahl von 42 Damen innerhalb von vier Monaten das Stift verlassen mussten und nachdem die Jesuiten auf Grund der kurzfristigen Aufhebung des Ordens durch Papst Clemens XIV. ihr Kolleg schon verlassen und das Gymnasium geschlossen hatten, war dieses Stadtviertel kirchlich verwaist. Das Jesuitenkolleg wurde zu einer Kaserne (geblieben bis 1945) umfunktioniert und das Damenstift von der Stadt gekauft und zu einem Krankenhaus umgebaut. Während die Jesuitenkirche für Gottesdienste der Soldaten zum Glück erhalten blieb, wurde die wunderschöne Stiftskirche profaniert und als Magazin, Reitschule (!), Zeughaus und gelegentlich als Theatersaal verwendet. Der große barocke Hochaltar wurde nach Bayern verkauft und steht jetzt in voller Pracht in der Pfarrkirche Rohrdorf bei Rosenheim. Auch die Orgel, auf der einst anlässlich eines Besuches 1769 der junge Wolfgang Amadeus Mozart gespielt hatte, wurde veräußert. Viele wertvolle Gold- und Silberarbeiten sowie Paramente wurden verschleudert.
Erst 130 Jahre später erhielt die zweckentfremdete Stiftskirche in Hall wieder ihre ursprüngliche Bestimmung als Gotteshaus. Das tief religiöse Thronfolgerpaar, Erzherzog Franz Ferdinand und Herzogin Sophie, pflegte eine besondere Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu. Daher bemühten sie sich, im Jahr 1912 die von Marie Deluil-Martiny (1841-1884) gegründete Schwesterngemeinschaft „Töchter des Herzens Jesu“ nach Hall zu bringen. Mit finanzieller Unterstützung des Kaisers Franz Joseph und des Ordens der Herz-Jesu-Schwestern kauften sie von der Stadt das Damenstift, aus dem das Spital gerade ausgezogen war, zurück und sorgten dafür, dass die dazu gehörige Kirche wieder instand gesetzt und von Grund auf restauriert wurde. Nachdem die alten kostbaren Altäre nicht mehr vorhanden waren, mussten neue errichtet werden. So sieht man heute drei einfache Altäre: Am Hauptaltar wird das Allerheiligste zur täglichen Anbetung ausgesetzt, darüber erhebt sich die große Herz-Jesu-Statue des Innsbrucker Künstlers Alois Winkler (1848-1931). Der bekannte Haller Künstler Franz Xaver Fuchs (1868-1944) schuf die ovalen Bilder der Seitenaltäre: Maria Immaculata und Petrus Canisius. Die drei großen Fresken an der Ostwand der Kirche malte der Schwazer Künstler Emanuel Raffeiner (1881-1923) im Jahr 1919/20; die dargestellten Kinder tragen die Züge der seinen. Der reiche Stuckaturschmuck an den Wänden und des Gewölbes stammt noch aus dem 17. Jahrhundert und hat die Profanierung schadlos überstanden, wobei jedoch erst vor wenigen Jahren anlässlich einer Restaurierung die Goldfassung im Stuck des Triumphbogens und der Apsis zum Vorschein kam. Eine große Gedenktafel unter der doppelten Empore erinnert an den „zweiten Gründer der Stiftskirche“ Erzherzog Franz Ferdinand und seinen Nachfolger im Kaiserhaus, Karl I. von Österreich. Vom selig gesprochenen Kaiser Karl wird auf dem rechten Seitenaltar eine Reliquie verehrt. Besonders erwähnenswert ist die hohe Auszeichnung, die Papst Pius X. - einen Monat vor seinem Tod - der neuen Herz-Jesu-Kirche bereits zur Wiedereinweihung 1914 verlieh, nämlich den Ehrenrang einer „Basilika“. Das Thronfolgerpaar konnte die Feier der Weihe am 30.Juli 1914, auf die es sich so sehr gefreut hatte, nicht mehr erleben, da es einen Monat zuvor dem Attentat in Sarajewo zum Opfer fiel. Die Weihe nahm der damalige Weihbischof von Feldkirch und spätere Erzbischof von Salzburg, Dr. Sigismund Waitz, vor.
Die Herz-Jesu-Schwestern, deren unermüdlichem Gebet unzählige Menschen aus nah und fern sehr viel verdanken, laden alle zum Gedenkgottesdienst am 30. Juli 2014 um 18 Uhr ganz herzlich ein.

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