THEATER
Alte Rache rostet nicht

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Ist die Rache weiblich? Pfiffige Inszenierung von “Alte Rache rostet nicht” auf der Volksbühne Ampass.

AMPASS. Zehn nahezu auf gleicher Ebene agierende Akteure in einem Stück permanent zu beschäftigen, ist kein Honiglecken. Spielleiterin Lisi Lechner hat sich das in Hans Schimmels Komödie „Alte Rache rostet nicht“ angetan, noch dazu mit vier Debütrollen, und hat bestanden – vollen Respekt für sie und das Laienensemble, bestehend aus sechs Damen und vier Herren. Zum Inhalt: Die vier Damen der Familie Schnatterbeck haben es sich mit Hochstapelei, Betrug und Täuschung gut eingerichtet. Aber es nagt an der Oma, dass der Vater ihrer Enkelin Carina (bei einer Auswahl von drei Männern) nicht feststeht. Da bietet sich auf einmal die Chance, Rache zu nehmen. Wie wird’s enden? Das erfahren Sie live im schönen Saal des Gemeindezentrums Ampass! Birgit Gänsluckner verkörpert das Oberhaupt des Quartetts, souverän, bühnenerfahren, wandlungsfähig. Viktoria Klingler mimt temperamentvoll und authentisch ihre Enkelin, Melanie Graf verwandelt stilsicher Alkohol in Kopfschmerzen, Heinz Lechner mutiert glaubwürdig vom etablierten Großbürger Ottfried Vogel zum ungezogenen Lümmel, Martin Nock ist der steife und esoterisch verführbare Politiker Buschbacher (auch für den stimmigen Bühnenbau verantwortlich), Max Kühnel gibt bald überschäumend, bald larmoyant den Karl-Friedrich, könnte aber mit entschiedener Zurücknahme von Gestik und Stimme mehr aus der Rolle des jungen Verliebten herausholen. Nun seien aber die besonders erfreulichen Leistungen der vier Debütanten hervorgehoben, wobei ich mit Judith Marino beginnen möchte. Sie spielt mit ihrer Korpulenz, ihr Körper ist „erotische Nutzfläche“, sie ist nicht übergewichtig, sondern untergrößig, der Winterspeck geht in die Frühlingsrolle über etc. Und das alles cool und frech, wie auch Jasmin Stecher als Hotelrezeptionistin, die kein Problem mit Alkohol hat, sondern nur eines ohne. Sandra Aigner gibt der Figur der eleganten, kontrollsüchtigen Mutter Haberwitz eine stimmige Erscheinung, Wolfgang Rehm schlüpft in die unsäglichen rosa Unterhosen der Dragqueen Basti, hinreißend gekonnt auch in High-Heels, zweifellos Publikumsliebling als der nun zwar dramaturgisch nicht notwendige, aber eben komödiantisch wirksame Obligatenschwule, den man einfach bejubeln muss. Eine manchmal sich langatmig anfühlende Aufführung in drei Akten (mit längeren gastronomischen Pausen), wobei sich der Vorteil auftut, dass damit ausreichend Flächen für zahlreiche Bonmots und deftige Sager zum Schenkelklopfen gesichert wurden. Für Liebhaber dieses Genres eine ausgezeichnete Chance, einen Abend mit viel Spaß zu verbringen. Gelegenheit dazu gibt’s bis inklusive Nationalfeiertag.

Theaterrezension von
Peter Teyml

Autor:

Michael Kendlbacher aus Hall-Rum

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