Der Tuifl aus dem Holzblock

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NEUSTIFT. Es ist ein Geruch, mit dem man sogar Werbung macht: Zirbenholz, ein Genuss für das Riechorgan. Eine kleine Werkstatt, fast ein bisschen improvisiert wirkt sie. Schnitzmesser türmen sich auf einer altertümlichen Werkbank, Farbtuben liegen in den Regalen. Am Boden steht eine zerfledderte Holzkiste mit Sägespänen.
Christoph Hofer schnitzt hier Krampusmasken. Das Larvenschnitzen ist seit Jahren seine Leidenschaft. So sehr, dass er inzwischen der Obmann der „Nuistifter Tuifl“ ist. Und das muss in dieser Saison zelebriert werden. Also braucht „seine“ Truppe was Besonderes.
Noch ist nicht viel zu sehen. Ein Holzblock, ein paar Bleistiftstriche. Ein Bild hängt über dem Block. Es zeigt eine alptraumhafte Figur aus einem bekannten Hollywoodfilm, einen Todesengel. Keine Augen, dafür ein Schild vor dem Kopf. Ein Brett vor dem Kopf sozusagen. Christoph wirft seine Motorsäge an.

Geschichte erzählen
„Die grobe Form mache ich mit der Maschine, das geht schneller“, erklärt Hofer. Erst danach greift der 25-Jährige zu den Schnitzmessern. Die eher ungewöhnliche Form sei vielleicht nicht wirklich traditionell, aber sie passe hervorragend zu der Geschichte, die die Gruppe in diesem Jahr erzählen möchte. Auch im Rahmen des 4. Krampus- und Perchtentreffens in Mieders vom 30. November bis 1. Dezember 2012 wollen sie mehr bieten, als nur brüllende, rutenschwingende Tuifl zu sein.
Die Maske nimmt immer mehr Form an. Schon jetzt sind viele Details erkennbar. Christoph ist die Freude an und über die Arbeit anzusehen. Konzentriert schnitzt er ebenso kleine Stellen wie große Flächen heraus. Span um Span fällt zu Boden, später kommen die Späne in die zerfledderte Schachtel.
Immer wieder ist im Gespräch mit Mitgliedern von Krampusvereinen zu erkennen, dass es eine Kluft zwischen „Traditionalisten“ und „Modernen“ gibt. Hinter vorgehaltener Hand fallen immer wieder Einordnungen wie: „Hat nichts mehr mit Tradition zu tun.“ Gerade wenn es um besonders ungewöhnliche Larven geht. Von der anderen Seite wird betont: „Wir bieten auch den Nicht-Tuifln etwas. Bei Krampussen sollte es nicht darum gehen, sich hinter einer Maske austoben zu können!“

Moderne Ansichten
Leicht zu erkennen, dass Christoph eher zur zweiten Sorte gehört. Viele Masken, die er geschnitzt hat, zeigen Züge von Figuren aus der Populärkultur. „Das gehört heute einfach dazu. Immer nur das Gleiche wird ja auch langweilig. Wichtig ist, dass jede Larve was Besonderes ist.“ Der Milderer hat die Maske abmontiert und in die Schachtel gelegt. So liegt sie sicher, damit er sie besser aushöhlen kann. Das macht er nämlich wieder mit der Kettensäge, die nun losröhrt. Aha, deshalb sieht die Schachtel so mitgenommen aus.
Das Aushöhlen ist eine schwierige Arbeit. Nur ein bisschen zu tief und die Arbeit der letzten Tage ist zerstört. Nachdem dieser Schritt abgeschlossen ist, wird innen und außen geschliffen und Feinheiten werden ausgebessert, bevor die Maske grundiert werden kann. Da sie eher hell wird, nimmt Hofer dafür Weiß. Danach arbeitet er mithilfe von stark verdünntem Schwarz und einem Schwamm die tiefen Stellen heraus. „Das verleiht ihr was Lebendiges“, so Hofer.
Sorgsam mischt Christoph verschiedene Farben, um den Ton zu erwischen, den das Latexmuster für den Anzug zeigt. Die Maske wird nur ein Teil eines Gesamtkunstwerks sein. Wenn alles gut geht, dann soll der Träger sogar bewegliche Flügel bekommen. Noch etwas Braun und dann scheint endlich die richtige Farbe getroffen zu sein. Wieder wird sie mit dem feuchten Schwamm aufgetragen. Ein Vergleich mit dem Latexmuster – es passt!

Ausstellung in Mieders
„Bei der Maskenausstellung der Stubaier Tuifl vom 20. bis 21. Oktober in Mieders werden wir das gesamte Kostüm ausstellen. Das ist schon mit den Miederern abgemacht“, freut sich Hofer, einen Anteil an einer kleinen Attraktion geleistet zu haben. Ein Krampus ist eben ein Gesamtkunstwerk, der Einsatz fordert. Bei der Ausstellung soll der Milderer vor Ort das Schnitzhandwerk vorführen. „Wer Krampuslaufen als ernsthaftes Hobby betreibt, für den ist das viel Arbeit, vor allem im Sommer. Das Laufen selbst dauert ja nur ein paar Tage. Aber gerade beim Vorbereiten hat man mindestens so viel Spaß!“, ist sich Hofer sicher.

Autor:

Arno Cincelli aus Innsbruck

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