Leiter der Intensivstation Stefan Pirchner
„Die Situation bei uns ist sehr angespannt!"

Covid-Patienten bleiben oft wochenlang auf der Intensivstation.
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  • Covid-Patienten bleiben oft wochenlang auf der Intensivstation.
  • Foto: Zeitungsfoto.at
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Die Zahl der Corona-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, ist in den letzten Wochen wieder deutlich gestiegen. Die Bezirksblätter haben mit dem Leiter der Intensivstation, Stefan Pirchner, über die aktuelle Situation gesprochen.


HALL. Die letzten zwei Jahre waren für das Pflegepersonal auf der Intensivstation am LKH Hall sehr herausfordernd. Mitarbeitende gehen an ihre Grenzen und mit der vierten Welle macht sich nun auch die Erschöpfung breit. Wie die Situation derzeit aussieht, erklärt der Leiter der Intensivstation Stefan Pirchner im BB-Gespräch. Sein Appell ist ganz klar:

„Jeder soll sich impfen lassen, damit sich die Lage auf der Intensivstation nicht verschlimmert!"

BezirksBlätter: Die Lage in den Intensivstationen in Österreich ist derzeit sehr angespannt, wie ist das im LKH Hall?

Pirchner: Die Situation bei uns ist ebenfalls sehr angespannt. Momentan haben wir eine Auslastung von 40 % durch Covid-Patienten. Diese haben ein Alter zwischen 40 und 70 Jahren. Alle sind ungeimpft und momentan in einem sehr kritischen Zustand.

Wie viele Coronapatienten werden derzeit auf der Intensivstation behandelt?

Bei uns werden derzeit vier Patienten intensiv behandelt. Wir haben in Hall acht Intensivbetten und kürzlich wurde auf zehn Betten aufgestockt.

Wie sieht Ihr Alltag aus?

Mein Alltag ist momentan sehr stressig, weil es für mich als Leiter gilt, alles zu koordinieren und mein Team bei Laune zu halten. Der größte Respekt gilt hier meinen MitarbeiterInnen, denn was mein Team in den letzten Monaten geleistet hat, ist wirklich herausragend und macht mich extrem stolz.

Die Arbeit auf der Intensivstation ist sehr belastend für das Personal. Essen, trinken und auch der Toilettengang muss schon im Vorfeld gut geplant werden.
  • Die Arbeit auf der Intensivstation ist sehr belastend für das Personal. Essen, trinken und auch der Toilettengang muss schon im Vorfeld gut geplant werden.
  • Foto: © Intensiv Hall
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Wie kann man sich die Behandlung eines Covid-Patienten mit schwerem Verlauf vorstellen?

Es ist so, dass die Patienten meist wach zu uns auf die Intensivstation kommen. Dabei kämpfen sie noch wach gegen ihre Erkrankung an, während dieser Zeit ist es besonders schwierig für uns als Intensiv-Pflegepersonal, die Patienten zu begleiten. In der Regel erschöpfen sich die Patienten an der Atemtherapie und dann muss man sie in den künstlichen Tiefschlaf versetzen und an die Beatmungsmaschine anhängen. Ab diesem Zeitpunkt müssen wir sämtliche Aktivitäten des täglichen Lebens, also die Grundbedürfnisse der Patienten, stillen. Das ist sehr herausfordernd, weil man über mehrere Stunden in der Schutzausrüstung steckt. Für Covid-Patienten ist der Krankenhausaufenthalt eine extreme psychische Belastung, auch weil in dieser Zeit keine Besuche möglich sind.

Können Sie unseren LeserInnen schildern, wie sich die Arbeit unter solchen Bedingungen anfühlt?

Die Schutzausrüstung ist sehr warm, man ist komplett vermummt und hat die FFP3-Maske auf. Das Atmen ist dadurch deutlich schwerer, als wir es sonst gewohnt sind. Man muss sich Essen, Trinken und den Toilettengang genau einteilen, denn wenn man einmal in dem Covid-Zimmer eingeschleust ist, kann man für vier bis sechs Stunden nicht mehr hinausgehen. Mein Personal leidet vermehrt unter Kopfschmerzen, Ermüdungserscheinungen und Konzentrationsstörungen.

Immer wieder wurde der Personalmangel angesprochen. Wie ist man aktuell aufgestellt?

Es ist momentan sehr schwierig, Personal zu rekrutieren, in Hall sind wir aber in der glücklichen Lage, ein sehr stabiles Team zu haben und darauf bin ich sehr stolz.

Covid-Patienten bleiben oft wochenlang auf der Intensivstation.
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Wie schaut die Ausbildung eines Intensivpflegers aus?

Um Intensivpflegekraft zu werden, benötigt man einerseits den Bachelorabschluss der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege sowie die 15-monatige Sonderausbildung für Intensivpflege, welche man entweder im Stipendium-Modell oder berufsbegleitend machen kann.

Leitender Diplompfleger Stefan Pirchner im Gespräch mit den BezirksBlättern.
  • Leitender Diplompfleger Stefan Pirchner im Gespräch mit den BezirksBlättern.
  • Foto: Kendlbacher
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