Tirols Bauern
"Im Frühling lernen wir wieder zu gehen"

Romed Giner und das letzte Gemüse aus dem Jahr 2019. Langsam geht die Tiroler Ernte zu Ende.
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  • Romed Giner und das letzte Gemüse aus dem Jahr 2019. Langsam geht die Tiroler Ernte zu Ende.
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Gemüsebauern haben auch im Winter was zu tun: Sie bereiten sich auf die kommende Saison vor. Eine Reportage.

THAUR. Es ist ein Büro wie jedes andere, nur mit einem kleinen Unterschied. Zwischen Akten, Monitoren und Kaffeemaschinen liegen wie selbstverständlich zwei Köpfe Chinakohl auf dem Pult des Gemüsebauern Romed Giner.

Pläne werden geschmiedet

Die örtlichen Gemüsebauern sind auch im Winter nicht untätig. Neben den administrativen Aufgaben, die ohnehin immer und zu jeder Zeit zu verrichten sind, bereitet man sich auch auf die kommende Anbausaison vor. Maschinen werden repariert, Finanzierungen kalkuliert, Partnerbetriebe besucht, Innovationen überlegt oder Preisangebote an die Supermarktketten geschickt. Außerdem hat man die Zeit, sich in puncto "neue Richtlinien" auf den aktuellsten Stand zu bringen. Scherzhaft sagten die Bauern früher über sich selbst: "Im Frühling lernen wir wieder zu gehen." Lange Monate auf dem Diwan machten aber scheinbar nur die Beine schlapp: Im nächsten Herbst kamen dann viele Bauernkinder auf die Welt. So zumindest die Legende.

Aber diese Zeiten sind schon längst vorbei. Dank Vorschriften, Richtlinien und Preisdruck bedeutet Gemüsebauer zu sein vor allem eins: Arbeit, das ganze Jahr hindurch. Bei Giner geht die Ernte um diese Zeit langsam aus. Seine Kartoffeln, Sellerie und Karotten überwintern in mehreren Lagern. Ein kleines gibt es direkt am Hof in Thaur. Es ist fast schon leer. Nur in den Ecken stapeln sich noch große Kisten mit der grünen Aufschrift "Giner". In den Kisten die noch ungereinigten Gemüsesorten. Sellerie gibt es noch viel, ein paar Kisten Rohnen und etwas gelbe Karotten. In einer anderen Ecke stehen Karotten, die es auf Grund ihres "Aussehens" nicht ins Supermarktregal geschafft haben. "Sogar die Pferde bekommen Tiroler Gemüse", sagt Giner zu der Weiterverwertung der Karotten stolz.

In der großen Halle stapeln sich Kisten, mit und ohne Inhalt, mit einem Hubstapler werden sie hin- und herverfrachtet. Von einem Laufband purzeln Sellerie runter, die Frauen und Männer mit dem Messer von den Stümpfen bereinigen. Was nicht verwertbar ist, kommt entweder als Kompost zurück aufs Feld oder landet in der Biomüllanlage. Kalt ist es hier drinnen, alle Tore sind geöffnet. Auch der Mechaniker von Giner hat alle Hände voll zu tun. "Das ist unser wichtigster Mann – ohne ihn geht nichts", meint Giner, denn sein Mitarbeiter ist dafür zuständig, dass die Fahrzeuge und Maschinen immer zum Laufen gebracht werden. Im Büro wieder ist es fein warm. Giner zeigt einen Koffer her, der was von einem Ärztekoffer hat. Pipetten und Fläschchen, Geräte und Trichter sind darin zu finden. Damit wird Anfang des Jahres die Bodenprobe gemacht, die bestimmt, ob der Boden für eine Saat schon geeignet ist. "Siehst du, uns wird auch im Winter nicht langweilig", sagt Giner lachend.

Autor:

Agnes Czingulszki (acz) aus Innsbruck

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