Rudi Mair – der Stubaier, der mit den Lawinen tanzt!

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Rudi Mair ist seit 1999 Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol. In seinem Job geht der Fulpmer voll und ganz auf, auch wenn er speziell im Winter sieben Tage pro Woche von frühmorgens bis spätabends unterwegs ist! Der 49-Jährige im Portrait.

FULPMES (tk). „Der Lawinör“ studierte Meteorologie und Glaziologie in Innsbruck. „Dieses Thema hat mich schon immer interessiert, aber ist ja klar, wenn man am Berg aufwächst.“ Nach seiner Ausbildung an der Uni widmete sich der Fulpmer zwei Jahre lang der Polarforschung: „15 Monate davon verbrachte ich auf einer Forschungsstation in der Antarktis, um dort wissenschaftliche Tätigkeiten zu verrichten. Das war eine immense Herausforderung, denn unser Team war die ganze Zeit über komplett von der Außenwelt abgeschnitten und wir mussten für alles selbst Sorge tragen. Drei Monate gab es überhaupt keine Sonne und Temperaturen um die minus 50 Grad gehörten zum Alltag.“

Der Wildnis total ausgeliefert
Auch wenn er seine Arbeit am Südpol heute als „tolle Lebenserfahrung“ beschreibt, hätte er nicht noch einmal so lange Zeit in Eis und Schnee verbracht: „Eine solche Chance bekommt man nur selten und es war insgesamt ein Riesenabenteuer, das mich auch geprägt hat. Aber der Reiz des Neuen wäre bei einem zweiten Aufenthalt nicht mehr gegeben.“ Da kam es dem 49-Jährigen, der übrigens beruflich und/oder privat schon alle sieben Kontinente bereist hat, ganz gelegen, dass er nach seiner Rückkehr 1990 nahtlos zum Lawinenwarndienst wechseln konnte. „In Tirol gab es damals noch keine automatisierten Wetterstationen. Heute sind es an die 100 Standorte im ganzen Land und wir haben damit das dichteste Messnetz weltweit“, führt Mair zu einer der ersten Innovationen aus, an denen er maßgeblich beteiligt war. 1999 wurde der Stubaier dann zum Leiter des Lawinenwarndienstes befördert.

Und auch wenn er seinen Job über alles liebt, ist er als solcher speziell jetzt, im Winter, fast rund um die Uhr im Dienst: „Von Ende November bis Anfang Mai geht‘s durch. Meine Frau und meine drei Kinder kriege ich da nicht oft zu Gesicht.“

Tagwache ist um 5.00 Uhr morgens, dann werden erstmal alle Meldungen über die aktuelle Lawinensituation abgerufen und analysiert. Es folgen Expertengespräche mit Meteorologen der Wetterdienststelle Innsbruck und dann beginnen Mair und sein Stellvertreter Patrick Nairz mit dem Verfassen des Lawinenlageberichts, in dem die regionalen Gefahrenstufen festgelegt werden. Selbiger wird dann direkt aus dem Büro via ORF Radio Tirol durchgesagt, zudem werden E-Mails, SMS, MMS und Faxe versandt, Telefontonband und Podcast besprochen und der Bericht kann natürlich auch im Internet (www.lawine.at/tirol) eingesehen werden – alles kostenlos versteht sich. Ergänzend dazu hat sich das Team aber auch um eine Vielzahl anderer Agenden zu kümmern: „Ob Lawinenunfälle, Ansuchen von Lawinenkommissionen, Reparaturen an Wetterstationen oder Erkundungsflüge – es gibt viel zu tun“, berichtet Mair. Aber die Mühe lohnt sich: „Ich bin stolz darauf, dass wir der modernste und innovativste Lawinenwarndienst in Österreich sind und auch international gehören wir zur Spitze! Wir waren beispielsweise die ersten überhaupt, die die Daten im Internet hatten.“

Praxis bleibt das Um und Auf
Stillstand bedeutet bei den „Lawinören“ demzufolge Rückschritt: „Wir müssen immer auf dem Laufenden bleiben und nehmen unseren Auftrag als Info-Einrichtung des Landes zur Sicherheit der Bevölkerung sehr ernst. Zuletzt haben wir etwa die Karte im Internet mittels Einfärbung der Steilheitsgrade leichter lesbar gemacht.“

Doch Schreibtisch hin oder her, der Fulpmer genießt vor allem die praktische Arbeit: „Eigene Geländeerkundungen, bei kritischen Situationen auch mit Hubschrauberunterstützung, nehmen im Winter über die Hälfte der Zeit in Anspruch. Ich erachte es immer noch als das Wichtigste, draußen selber die Nase in den Schnee zu stecken.“ Alles, was die Experten beim Löchergraben und Schneeprofile- erstellen erfahren, geht also mindestens einmal pro Tag raus, falls erforderlich, wird der Lagebericht aber auch mehrmals pro Tag aktualisiert – oft auch von unterwegs.

Relativ betrachtet passiert wenig
Dennoch gibt es alle Jahre wieder Lawinenopfer zu beklagen. „Wenn man bedenkt, dass es heute sicher ein Fünffaches an Variantenfahrern und Tourengehern gibt als noch vor einigen Jahren, so passiert relativ betrachtet viel, viel weniger, denn die Zahl der Lawinentoten hat sich mit 10 bis 15 pro Jahr nicht erhöht“, weiß der 49-Jährige und merkt an: „Freilich ist jeder Verunglückte einer zuviel, aber einige erreicht man einfach nicht. Da kann man leider nichts machen.“

„Klimawandel ist Geldmacherei“
Als Faustregel gilt für „Unwissende“ nur bei Warnstufe eins oder zwei eine Tour im freien Gelände starten, ansonsten bleibt man besser auf den Pisten! Sind die Verhältnisse kritisch, erfordert es schon eine gehörige Portion an Wisssen, sonst ist man schnell in der „Rue de la Gag“, wie der Chef es nennt: „Viele, vor allem Auswärtige, haben ja keine Vorstellung von diesen Naturgewalten! Wenn es blöd hergeht, würde im Prinzip schon eine Schubkarre voller Schnee ausreichen, um jemanden zu töten. Ich sage immer, Experte pass auf, die Lawine weiß nicht, dass du ein Experte bist. Dem ist nichts hinzuzufügen!“ Leider kennt Mair eine Reihe von tragischen (Un-)Fällen und empfiehlt daher auch, nie alleine im hochalpinen Gelände unterwegs zu sein: „Pieps etc. machen wenig Sinn, wenn niemand da ist, der gleich mit der Suche des Verschütteten beginnen kann!“

Am Rande erwähnt glaubt der Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol nicht, dass die Institution je „überflüssig“ wird – Stichwort Klimawandel: „Davon sind wir wohl weit entfernt, im Gegenteil: Wenn es wärmer wird, werden die Skigebiete eher nur noch in höheren Lagen angesiedelt sein. Generell ist die Entwicklung des Klimas meiner Meinung nach nicht so exakt vorhersehbar. Als Ötzi ums Leben kam, war der Übergang auch eisfrei, aber sicher nicht wegen dem Verkehr!“ Mair bezweifelt überhaupt, dass der Mensch hier großen Einfluss hat und bezeichnet das Ganze eher als Panikmache bzw. Geschäftemacherei: „Der jüngste Vulkanausbruch in Island etwa wiegt viel mehr als jedes menschliche Tun. Hier geht es wohl mehr ums Geld, immerhin ist der Klimawandel ja fast schon ein eigener Wirtschaftszweig! Ich würde das alles eher als Augenauswischerei bezeichnen, denn Temperaturschwankungen gab es erstens schon immer und zweitens liegen bisher nichts als Theorien vor. Papier ist geduldig.“

Buchvorstellung mit Vortrag in Fulpmes
Der Lawinenwarndienst Tirol feiert heuer sein 50-jähriges Bestehen. Passend zum Jubiläum haben Mair und Nairz unter dem Titel „Lawine – Die 10 entscheidenden Gefahrenmuster erkennen“ ein Praxis-Handbuch herausgebracht, das jetzt schon zum Bestseller mutiert. Am Dienstag, dem 7. Dezember wird der Fachmann das Werk dann um 19.30 Uhr im Fulpmer Gemeindesaal vorstellen! Alle Interessierten sind herzlich zu diesem Vortrag eingeladen, der Eintritt ist frei! Zusätzlich wird am 12. Dezember (18.25 Uhr auf ORF 2) ein Österreich-Bild über die Arbeit der Lawinenwarner zu sehen sein. Gedreht wurde im vergangenen Winter.

Sterzinger Lawinenseminar
Der Bergrettungsdienst Sterzing organisiert am 26. November das 9. Sterzinger Lawinenseminar. Die Veranstalter sind wieder bestrebt, am Beginn des Winters einen präventiven Beitrag für mehr Sicherheit am Berg zu leisten. Dieser Seminarabend mit drei renommierten Referenten – darunter auch Rudi Mair und Patrick Nairz – wendet sich vor allem an Skitourengeher, Winterbergsteiger und Schneeschuhwanderer, seien es Anfänger wie auch Fortgeschrittene. Aber auch Snowboarder und Variantenfahrer, die außerhalb der gesicherten Pisten unterwegs sind, sowie Bergretter, Lawinenhundeführer, Bergführer, Skilehrer etc. welche mit dieser Materie konfrontiert sind, können von dem Abend profitieren. Beginn ist um 19.00 Uhr im Stadttheater Sterzing. Nähere Informationen finden Sie auch auf www.bergrettung-sterzing.at!

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