Wer ist da jetzt verrückt?

Volksbühne Ampass
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AMPASS. Wenn die Autoren Dieter Fischer und Tobias Siebert für alle Aufführungen des Stückes, das auch als „Pension Schöller“ firmiert, im ganzen deutschen Sprachraum wirklich ihre Tantiemen bekommen haben, müssten sie reich geworden sein. Denn selten wurde eine solche Verwechslungskomödie landauf, landab so oft gespielt – in kleinen und großen Bühnen, seinerzeit auch in Wien (Volkstheater, übertragen im ORF III, mit Alfred Böhm als Wilhelm oder im Kino mit Gunther Philipp etc.)
Nun wagte sich die Volksbühne Ampass mit vier Damen & fünf Herren des Laienensembles unter der engagierten Spielleitung Elisabeth Lechners an das Stück und kann nun stolz auf eine gelungene Aufführung verweisen. Zum Stück: Der mittellose Albert erhofft eine Heirat mit Elisabeth, der Tochter der Pensionsinhaberin Pauline. Da er dringend Geld dazu benötigt, gaukelt er seinem wohlhabenden Onkel, der sein Vermögen in einer Nervenheilanstalt anlegen will, vor, dass die Pension mit den zugegebenermaßen etwas skurrilen Gästen ein Irrenhaus sei. Verwirrung im Stück und Spaß im Publikum sind damit vorprogrammiert, das Stück ist im Milieu um 1900 oder etwas später, angelegt.
Josef Hallberger wird mit Hingabe und bäuerlicher Einfalt von Heinz Lechner verkörpert, meist auf Augenhöhe dazu Susi Mayr als seine Schwester Centa, Neffe Albert wird frisch und natürlich von Markus Rutter umgesetzt, seine Liebe Elisabeth agiert sicher und sympathisch (Virginia Grimm), Martin Dichtl verwirklicht mit unverwüstlicher Rustikalität die Figur des Abenteurers Reisinger, Birgit Gänsluckner ist eine souverän elegante Pauline, Lokalmatador Andreas Gänsluckner kann der gravitätischen und cholerischen Erscheinung des Oberst von Schlag überzeugend komödiantisch Figur und Stimme leihen.
Die beiden Neuzugänge im Ensemble, Angela Beer als Dichterin Cilli Groß-Glockner und Max Kühnel als Wilhelm Schaller mit dem bravourös durchgehaltenen Sprachfehler legen eine beachtliche Debütleistung vor.
Vielleicht hätte die Regie der Dichterin mit der hochstaplerischen Attitüde noch ein peinlich ungelenkes Hochdeutsch verpassen sollen. Und freilich verführt die deklamierende Rolle des Wilhelm stark zur Rampe, das Spiel sollte aber doch mehr im Bühnenraum wirken, es hat ohnehin Kraft genug, in den Publikumsraum zu strahlen. Nach den drei Akten, wobei nach dem 2. Akt in enormem Tempo die Bühne komplett umgebaut wurde, konnte ein sichtlich zufriedenes Publikum die Aufführung mit reichlichem Applaus bedenken.

Volksbühne Ampass

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