28.10.2017, 00:00 Uhr

Alarm unter Schwerenötern!

(Foto: Volksbühne Mils)

Angriff auf die Lachmuskeln in „Das (perfekte) Desaster Dinner“
der Volksbühne Mils
Theaterbesprechung von Peter Teyml

MILS. Ehebruch ist ja eigentlich nicht immer lustig, wird offiziell auch geächtet, garantiert aber nichtsdestoweniger in einer Gesellschaftskomödie augenzwinkernde Bonmots mit hohem Unterhaltungswert, in welchen sich nicht wenige Bürger beiderlei Geschlechts schmunzelnd ertappt fühlen. Spielleiterin Helga Föger-Pittl hat dem Stück des Autors Marc Camoletti in der Bearbeitung von Michael Niavarani noch einmal die Flügel gestutzt und damit eine spielbare und herrlich durchgängige Dreiakterversion mit ihrem 6-köpfigen Laienensemble erprobt.
Zum Stück: Ein verheirateter Mann in den „besten Jahren“ hat eine junge Geliebte und will mit ihr in seinem Landhaus Geburtstag feiern, weil seine Frau beabsichtigt, ihre entfernte Mutter übers Wochenende zu besuchen. Nun bleibt sie aber wider Erwarten hier, ein Hausfreund, der ein Auge auf sie geworfen hat, taucht auf, kreative Ausreden werden immer gefragter, das Chaos wird zunehmend unüberschaubar, weil noch weitere Personen involviert sind.
Ulli Peer ist die zusehends verwirrte Jacqueline, glaubwürdig und natürlich umgesetzt, Peter Arnold vermag als Freund Robert mit Hingabe alle Register der Verzweiflung zu ziehen, Bettina Hilber ist eine hinreißend kaltschnäuzige Susi, die in allen Situationen eine Verdienstquelle entdeckt, Hermann Oberthanner nimmt man trotz der bulligen Figur als rauhbeiniger Schorschi mit Tattoos & Co. nicht ganz den Brutalo ab, Sabrina Peer glänzt als hübsches Model und Wien-affine Schauspielerin erstaunlich sicher in ihrer quasi ersten größeren Debutrolle. Dass Josef Pittl als Stefan seine Rolle mit Können, Genuss und theatralischer Routine bis an die Grenzen ausleben würde, war zu erwarten, der häufigste Szenenapplaus galt ja ihm und seinem „Freund Robert“. Und dass ein eigentlich britisches Boulevardstück nicht nur in blasiertem Ton des Gutbürgerlichen, sondern auch in Mundart und Umgangssprache glaubwürdig und authentisch über die Bretter kommt, ist eine erfreuliche Erkenntnis.
Ein köstliches Stück Unterhaltung, bis zum 10. November auf dem Plan, das man nicht versäumen sollte.
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