20.05.2017, 19:44 Uhr

Die Liebe ist ein seltsames Spiel

(Foto: Ohne Vorhang)

Einfühlsam und überzeugend: Premiere von „Beziehungsweise“ im TPZ Hall
Theaterbesprechung von Peter Teyml

HALL. „Die Liebe ist ein seltsames Spiel …“ : so begann einst ein Schlager von Connie Francis. In der Produktion der „Generationen-Theatergruppe Ohne Vorhang“ mit „Beziehungsweise“ wurde am Beispiel von fünf Paaren bzw. 13 Personen unterschiedlichster Kombination diese alte Weisheit eindrucksvoll demonstriert und mit hinreißender Verve auf der Bühne des TPZ Hall zelebriert.
Dass der Bühnenraum nur eine schwarze Höhle mit spärlichstem Inventar bzw. Requisiten ist, muss kein Nachteil sein, ja, es verdichtet geradezu das Gebotene und zwingt die Laiendarsteller zu absoluter Präsenz, die, dank der sicheren Hand von Spielleiterin Almud Magis bis zum Schluss der 16 Szenen in vier Akten (ca. 90 min) aufrecht bleibt.
Da ist die Lesbenliebe, die durch einen Mann ins Wanken gerät und spät zurückfindet, das das Heteropaar, in dem sich der Mann als schwul outet und diesen Ausbruch mit dem Leben bezahlt, da treibt die Eifersucht wegen einer anderen Frau ein Lesbenpaar auseinander, alle drei vereinsamen, und letztendlich gibt’s die zwei Heteropaare, die im Glückstaumel eines Partnertausches schwelgen – die einen im Yoga-Trip, die anderen im coolen Bikerrausch.
Neben den von der ganzen Truppe erarbeiteten Texten, Szenen und Figuren stammt ein Text von Reto Finger und eine wunderbare Textpassage von Shakespeares „Was ihr wollt“.
Alle einzelnen Protagonisten können hier wegen Raummangels nicht erwähnt werden, aber die Tatsache einer geschlossenen Ensembleleistung auf erstaunlich hohem Niveau soll deshalb nicht unterschlagen werden. Besonders erwähnenswert ist auch, dass hier Jung und Alt (eben „Generationentheater“) und Männer durchaus auch in Frauenrollen und Frauen in Männerrollen ganz natürlich agieren, der junge David Trojer mutiert z.B. mit Bart zur zarten Claudia – ein Conchita-Wurst-Zitat?
Am Schluss fragt der Chor der Spielenden: „Hörst du denn nicht?“ Wir haben gehört und gesehen – und waren belehrt mit großem Amusement.
"Beziehungsweise" wird am 5. und 6. Juli auch im Bogentheater Innsbruck gezeigt.
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