08.09.2014, 12:32 Uhr

"Hab auch nicht gewusst, wo Moldau ist"

Judith Siebenrock mit zwei ihrer Schützlinge in der Concordia-Anlage im moldauischen Pirita. (Foto: Siebenrock)
Als Judith Siebenrock aus Sistrans vergangenes Jahr maturierte, wollte sie nicht gleich studieren, sondern einmal etwas völlig anderes tun. So entschied sie sich, bei einem Sozialprojekt von Concordia als Freiwillige mitzumachen.
Concordia, 1991 vom Jesuitenpater Georg Sporschill gegründet, begleitet Kinder und Jugendliche in Rumänien, der Republik Moldau und Bulgarien auf ihrem Weg in die Zukunft.
"Die meisten Kinder, die wir betreuen, sind gar keine Waisen, aber aufgrund der großen Armut und Arbeitslosigkeit müssen viele Erwachsene im Ausland arbeiten. Die Kinder bleiben dann zurück und es gibt nicht genug staatliche Einrichtungen, die sich um sie kümmern", weiß Judith.
Außerdem versorgt Concordia in sechzig moldauischen Dörfern alte und bedürftige Menschen mit Essen und Brennholz. "Diese Menschen sind oft sehr gebrechlich und völlig auf sich alleine gestellt. Man hat richtig gemerkt, wie sie sich freuen, wenn jemand vorbeikommt, ihnen hilft und mit ihnen redet", erzählt die Sistranserin.

Große Armut
Überrascht wurde Judith Siebenrock von der Armut in der Republik Moldau. "Viele Wohnhäuser sind sehr baufällig, bestehen nur aus einem Raum und haben keinen Strom- und Wasseranschluss. Das Wasser muss aus Ziehbrunnen geschöpft werden. Ich habe nicht gewusst, dass es solche Verhältnisse heutzutage in Europa noch gibt", gibt die Concordia-Voluntärin zu.

Unbekanntes Land
Die Republik Moldau ist das ärmste Land Europas und ist in Österreich so gut wie unbekannt. Es existiert erst seit dem Zusammenbruch der Sow-jetunion und liegt zwischen Rumänien und der Ukraine, die meisten Bewohner sprechen rumänisch. Bedingt durch die Randlage in Europa und den Konflikt mit der russischsprachigen Minderheit ging es nach der Wende mit der Wirtschaft bergab. "Auch ich habe über diesen Staat vorher so gut wie nichts gewusst", gibt Judith zu.

Gute Vorbereitung
Bevor die Freiwilligen bei den Sozialprojekten mitarbeiten, absolvierten sie erst einmal einen 6-wöchigen Kurs in Rumänien. "Dort wurden wir sehr gut vorbereitet, auch Rumänisch haben wir, so gut es ging, gelernt. Auch der Zusammenhalt unter den Voluntären war sehr gut. Außerdem konnten wir uns mit Problemen auch immer an erfahrene MitarbeiterInnen von Concordia wenden", erklärt die Sistranserin.

Wertvolle Erfahrung
"In den sieben Monaten habe ich sehr viel gelernt und auch viel erlebt. Seit ich wieder in Tirol zurück bin, schätze ich erst den Wohlstand, in dem wir hier leben. Alles funktioniert bei uns, die Heizung, das Internet, die öffentlichen Verkehrsmittel. Da merkt man erst, was Innsbruck für eine schöne Stadt ist und wie gepflegt die Dörfer bei uns sind. Alles, was man braucht, kann man überall kaufen. Ich schätze das, weiß aber auch, dass man mit weniger auskommen und dabei glücklich sein kann", so Judith abschließend.
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