26.06.2017, 12:55 Uhr

Wie die Nase des Mannes…

(Foto: Burgsommer Hall)

Das romantisch-tragische Stück "Cyrano de Bergerac” in einer berührenden
Aufführung im „Burgsommer Hall“
Theaterbesprechung von Peter Teyml

HALL. Der einprägsame Hof der Burg Hasegg, das schlichte, schöne Zitat einer mittelalterlichen Platzszene, getaucht in romantisches Licht, eine kleine Bühne für drei Musikanten – so stimmt man sich ein auf den Auftritt stimmig gekleideter Frauen und Männer, die da alle warten auf das Erscheinen des edelmütigen, streitbaren Dichters und Degenhelden Cyrano de Bergerac, der nur einen Makel hat – eine überdimensionale Nase. Das allein hindert ihn, der schönen Roxane seine Liebe zu gestehen. „Mir war es, als wäre ich ein Mehlwurm auf einer Blüte“. Doch sie liebt den einfältigen, schönen Gascogner Kadetten Christian de Neuvillette, für den Cyrano selbstlos verzichtend die Liebesbriefe an Roxane gestaltet. „Ich bin dein Geist, du meine Wohlgestalt“. Und wie so ein Unterfangen endet, weiß man – oder wird es erfahren – auf alle Fälle tragisch!
Spielleiter Elmar Drexel hat eine eigenständige Version des 1897 von Edmond Rostand geschriebenen Dramas mit den 16 Akteuren (acht Damen, acht Herren) erarbeitet, auch mit kleinen musikalischen Leckerbissen garniert, und in welchem Graf Guiche zur bösen Gräfin Guiche mutiert, was dem Geschehen eine weitere interessante Note anfügt.
Klaus Windisch als Titelheld Cyrano überzeugt mit durchgehender Bühnenpräsenz als charaktervoller Prinzipienmensch, harte Schale, butterweiches Herz. Brigitte Jaufenthaler kann glaubwürdig und facettenreich der hartherzigen Gräfin Figur und Stimme leihen, ihren Part trägt sie vornehmlich gesungen vor, was mal als Musicalsong, mal als Moritatenlied aufblinkt. Ronja Forcher ist die hübsche, lebhafte und differenziert agierende Roxane, die den Geliebten Christian (liebenswert und natürlich interpretiert von Felix Briegel) ordentlich zappeln lässt.
Den zahlenmäßig dominierenden Anteil des Ensembles liefert Traudl Leners „Theaterhaufen“. Sie selbst gibt mit komödiantischer Hingabe der Figur der betulichen Duenna eine Gesicht, sehr lebhaft und sympathisch dazu Luis Vogelsberger als Cyranos Freund Le Bret. Helmut Lamprecht als Ragueneau, Lara Mair als Liniere, Christine Mair als Lise, der nette „Bua“ Maikel Mair als Taschendieb, Max Kaiser sen. als Kavalier, Max Kaiser jun. als Valvert, Barbara Moser als Kavalier und Carbon, Christine Gollner als Buffetdame und Werner Heinecke als Portier & Kapuziner lassen keine Zweifel über eine lustvolle Ensemblearbeit aufkommen.
Und das alles wird humorvoll umkränzt vom musikalischen Trio Petra Baldauf, Klaus Hofer & Marco Birkner. Auch Veronika Stemberger muss man für die geschmackvolle Ausstattung gratulieren. Man kann dieser Produktion nur noch viele schöne Aufführungen wünschen und den Wettergott erweichen, dass der Burghof weiterhin der Ort des Geschehens bleiben darf.
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