"Der Atem des Himmels" mit Beatrice und Reinhold Bilgeri im Dieselkino Gleisdorf

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Reinhold Bilgeri ist ein Multitalent. Der ehemalige Professor für Deutsch, Geografie sowie Psychologie und Philosophie hängte in den 80er Jahren seinen Brotberuf an den Nagel. Sein Durchbruch war der Nr. 1-Hit „Video Life“. Er wurde zum Repräsentanten österreichischer Popmusik. Er schrieb aber auch Hörspiele, Drehbücher, Kabarettprogramme und Erzählungen. Der Vorarlberger hat insgesamt eine respektable Karriere als Musiker, Komponist, Schriftsteller und Filmemacher hingelegt.

Ein großer Wurf gelang ihm mit dem Bestseller „Der Atem des Himmels“ und dessen Verfilmung. Bilgeri ist Autor des Buches, Produzent des Films, Regisseur und Drehbuchautor. Seine Frau Beatrice spielt die Hauptrolle.

Der Atem des Himmels“ erzählt die Liebesgeschichte zwischen der verarmten Adeligen Erna von Gaderthurn und einem eigenwilligen Volksschullehrer, der gleichzeitig einer der ersten Lawinenforscher in Vorarlberg war...
Die dramatische Liebesgeschichte in einem Vorarlberger Bergdorf endet mit der historischen Lawinenkatastrophe 1954. Reinhold Bilgeri verarbeitete in Buch und Film die Lebensgeschichte seiner heute 99-jährigen Mutter.

Die Filmpremiere erfolgte im heurigen Sommer in Bregenz, jetzt wurde der Film im Rahmen von „Kino anders“ im Gleisdorfer Dieselkino gezeigt. Beatrice und Reinhold Bilgeri besuchten den Kinoauftakt im Rahmen von „Kino anders“. Der Film wird mit Ende Dezember 2010 in Gleisdorf in das Kinoprogramm übernommen.

Beatrice und Reinhold Bilgeri im Interview:

WOCHE: Der Film beginnt eindrucksvoll mit einer Lawine. Wie wurde das gefilmt?

Reinhold Bilgeri: Das ist eine Mischung aus echten Lawinen, die man gesprengt hat und zum Teil computeranimiert. Zum Teil wurde auch mitgeflogen mit dem Hubschrauber – und zwar genau die Schneise, die die Lawine geschlagen hat. Zusätzlich nahmen wir Crashboxes, damit haben wir die Kameras in den Schnee eingegraben, damit die Lawine direkt auf die Linse und die Zuschauer zukommt. Das alles wurde zusammengeschnitten.

WOCHE: Generell ist der Film sehr authentisch. Dafür musste auf 1700 Metern Höhe das Dorf Blons neu erstehen – als Filmkulisse.

Reinhold Bilgerie: Das war ein großer Aufwand. Kirche, Schule, Gemeindeamt, Gasthaus, Gemischtwarenhändler - all das wurde errichtet. Zum Beispiel wurde der Kirchturm mit dem Hubschrauber hinauftransportiert. Wir wollten das Dorf so aufbauen, wie es damals in etwa ausgeschaut hat. Wir haben zum Teil Wände von alten Häusern genommen und haben die mit dem Hubschrauber und Lastwägen hinauftransportiert. Die Patina des Dorfes soll einen in die 50er-Jahre hinziehen.

WOCHE: Was bedeutet der Titel „Der Atem des Himmels“?

Reinhold Bilgeri: Es ist einerseits eine Metapher für die Ambivalenz der Natur und ihrer Gefahren: es kann etwas Positives sein, es kann aber auch etwas Tödliches sein. Es ist zugleich auch das Bild dieser Schneefahnen, die vom Wind hinausgetrieben werden in den blauen Himmel – über eine Bergkante hinweg. Die schauen aus wie der Atem des Himmels, sind schön, können aber auch ganz böse sein.

WOCHE: Das Buch, der Film, zeigt das Leben Ihrer Mutter. Wie biografisch sind die Inhalte?

Reinhold Bilgeri: Ein Teil davon ist autobiografisch. Meine Mutter ist aufgewachsen im Schloss Gaderthurn. Sie hat im Großen Walsertal ihre große Liebe kennen gelernt – meinen Papa. In der Figur des Eugenio Casagrande steckt aber auch ein anderer Mann: ein großer Lawinenforscher der damals schon gelebt hat und heuer im 100. Lebensjahr ist. Diese beiden Männer habe ich verknüpft in dieser Romanfigur des Eugenio Casagrande. Diese Liebesgeschichte hat auch eine gewisse Authentizität. Ich habe diese ganze Geschichte vor dem Hintergrund der größten Lawinenkatastrophe platziert, die es je gegeben hat. Das hat mich nie losgelassen.

WOCHE: Der Film ist ein Familienunternehmen. Ihre Frau spielt die Hauptrolle, Ihre Tochter Laura spielt auch mit.

Beatrice Bilgeri: Wir kosten nicht so viel (scherzend). Nein - im ernst: Schon während des Romanschreibens war immer klar, dass ich die Hauptrolle spielen werde.

Reinhold Bilgeri: Meine Frau ist die Idealbesetzung und sie hat es auch genau so hinbekommen, wie ich es mir erträumt habe. Sie hat es hervorragend gemacht und ich bin mir sicher, dass sie einer der Erfolgsfaktoren ist. Die Leute spüren ihre Natürlichkeit. Man spürt nie eine Kamera, wenn sie spielt. Ich bin wirklich total happy, dass sie diesen Riesenstress ohne einen Cent zu verdienen für mich auf sich genommen hat. Sie hat dem Film eine Aura verliehen, die nur ein Mensch mit Tiefe verleihen kann.

WOCHE: Ein schönes Kompliment.

Beatrice Bilgeri: Ja – ein sehr schönes.

WOCHE: Das Filmprojekt war ein großes finanzielles Risiko für Sie und Ihre Familie. Sie verpfändeten sogar ihr Haus.

Reinhold Bilgeri: Das Filmprojekt war ein Ritt über den Bodensee. Wir hätten alles verlieren können, wenn das Wetter nicht mitgespielt hätte, wenn Investoren ausgestiegen wären... Eigentlich war es eine Harakiri-Aktion, aber irgendwie war der Himmel auf unserer Seite und hat seinen positiven Atem über uns wehen lassen.

WOCHE: Sie sind ein kreativer Mensch. Arbeiten sie oft parallel als Musiker, Schriftsteller etc.?

Reinhold Bilgeri: Immer. Ich switche zwischen drei Berufen hin und her, die aber alle drei zusammengehören. Film ist auch Musik. Man muss auch ein Rhythmusgefühl haben, wenn man Filme dreht. Man muss ein Gefühl für Atmosphäre haben. Man muss ein Gefühl für Dialogmelodik haben. Das alles kann man nicht unbedingt lernen. Entweder hat man es oder man hat es nicht. Die Grundparameter muss man selber im Blut haben. Ich bin ein glücklicher Mensch und darf zwischen Rock, Jazz und Literatur und Film hin- und herswitchen. Das ist herrlich.

WOCHE: Und Ihre Frau macht mit?

Beatrice Bilgeri: Ich mache alles mit. Für mich wäre es unmöglich nicht mit einem Künstler zusammen zu leben. Ich könnte mir das nicht vorstellen, mit irgendeinem Businesstypen oder einem Banker zusammen zu sein. Das Leben ist unglaublich vielfältig – ein Abenteuer. Jeder Tag ist anders. Wir beflügeln uns gegenseitig. Wir inspirieren uns. Ich finde das unglaublich schön, wenn man Beruf und Privates verknüpfen kann. Mich wundert es immer, wenn viele Menschen sagen: Beruf und Privates muss strickt getrennt sein. Im Gegenteil: Es fördert eine Ehe. Es unterstützt eine Liebe, wenn Beruf und Privates ineinander fließen.

WOCHE: Wie lange sind Sie schon zusammen?

Reinhold Bilgeri: Seit 27 Jahren.

WOCHE: Das ist heutzutage nicht selbstverständlich.

Beatrice und Reinhold Bilgeri (gleichzeitig): Nein.

Beatrice Bilgeri: ...und gerade in diesem Beruf nicht. Wir sind sehr standfest. Mich bringt nichts von unserem Weg ab. Egal, wie hübsch die Männer sind, mit denen ich vor der Kamera ins Bett muss. Das ist so wie jede andere Szene.

Reinhold Bilgeri: Ein bissel eifersüchtig war ich schon. In der Sekunde, wo diese Szenen losgegangen sind, habe ich mich schon geärgert, dass ich so etwas schreibe. Aber das musste sein und ich musste in den sauren Apfel beissen (lacht).

WOCHE: Ist es schwieriger vom Ländle aus zu agieren als z. B. von Wien aus?

Reinhold Bilgeri: Was Förderungen betrifft auf jeden Fall. Wir haben keine Förderungen bekommen. Erst im Nachhinein hat der Wiener Filmfond uns was zugesagt – dankenswerter Weise.
Wir waren gezwungen die Investoren in Vorarlberg aufzutreiben. Dort gibt es starke Unternehmer, die auch unsere Vision geteilt haben und daran geglaubt haben und sich im Kielwasser unserer Besessenheit in das Wagnis gestürzt haben. Wir sind Ihnen sehr dankbar.

WOCHE: Sie haben sich mit dem Film eine große Vision selbst erfüllt. Gibt es noch weitere Visionen?

Reinhold Bilgeri: Die gibt es immer. Jetzt müssen wir aber zuerst einmal diesen Film, unser Baby, so lange begleiten, bis es eine Krone auf hat. Die neue Vision ist immer der nächste Film, der nächste Roman, der nächste Song. Aber man darf nicht über Eier reden, die noch nicht gelegt sind.

WOCHE: Vielen lieben Dank für das Gespräch.

Autor:

Monika Bertsch aus Weiz

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