Gedenkfeier am Nationalfeiertag
Ilz: Zukunft braucht Erinnerung

Der Zaun befindet sich beim Ilzer Pfarrheim auf dem Weg zur Kirche und zum Kulturhaus mit Musikschule und Bücherei.
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  • Der Zaun befindet sich beim Ilzer Pfarrheim auf dem Weg zur Kirche und zum Kulturhaus mit Musikschule und Bücherei.
  • Foto: WOCHE
  • hochgeladen von Waltraud Wachmann

Unter dem Motto "Zukunft braucht Erinnerung" wird in Ilz am Nationalfeiertag um 10 Uhr vor dem Pfarrhof eine Gedenktafel enthüllt.

"In diesem Jahr wollen wir den Nationalfeiertag einmal anders feiern", erklärt Toni Ithaler, seines Zeichens seit langem im Raum Ilz mit der Aufarbeitung und Aufbereitung historischer Ereignisse für die breite Öffentlichkeit beschäftigt. Am kommenden Samstag, 26. Oktober, wird in der Marktgemeinde in die Vergangenheit geblickt und noch einmal auf die letzten Kriegstage des Zweiten Weltkriegs 1945 und das Schicksal der notleidenden Bevölkerung vor Ort geblickt. Der Historische Verein der Marktgemeinde Ilz und Umgebung lädt um 10 Uhr zu einer Erinnerungsfeier vor dem Pfarrhof Ilz mit Enthüllung einer Gedenktafel am Zaun des alten Pfarrgartens. Am Geländer auf der linken Seite in Richtung Kirche und Kulturhaus sind noch deutliche Spuren eines Granatsplittereinschlags vor Kriegsende zu erkennen.

Brief des Großvaters

Im Rahmen der Feierstunde wird Bernd Baronigg, Obmann des Bürgerforums Ilz, einen Brief seines Großvaters vorlesen. Die Gedenktafel am Einschussloch des Zauns wird vom Ilzer Bürgermeister Rupert Fleischhacker enthüllt, den kirchlichen Segen erteilt Pfarrer Peter Rosenberger. Toni Ithaler wird in seinem Bericht auf die Ereignisse des Jahres 1945 in Ilz eingehen und einen Blick auf das Schicksal der Bevölkerung werfen.

Zaun nie repariert

Es komme einer Fügung gleich, dass der Zaun nie erneuert worden sei, meint Toni Ithaler und begibt sich einmal mehr auf Spurensuche. Eine Granate, die in das Speisezimmer des Pfarrhofs eingeschlagen war, durchschlug auch das Gartengeländer. Nach sechs Kriegsjahren drohte 1945 alles zu zerbrechen. Durch das Ilzer Gemeindegebiet wurden ungarische Juden in einem Vernichtungsmarsch in die Konzentrationslager getrieben. Den Menschen ging es schlecht, die Angst vor Plünderungen und Gewalttaten war bestimmend. Russische Flugzeuge setzten "leichte Bomben" über Ilz ab, die Häuser beschädigten.

Not und Elend

Bauern mussten Lebensmittel, die sie nicht selbst benötigten, abliefern. Frauen und Kinder bearbeiteten Grund und Boden - Männer und Söhne waren auf den Schlachtfeldern. Lediglich großen Höfen wurde ein Zwangsarbeiter zugeteilt.
Am 15. April besetzten die Russen Fürstenfeld und wurden mit Schrecken in Ilz erwartet. Bewohnerinnen versteckten sich in Weingartenhäusern oder auf dem Dachboden der Hochenegger Wurmkapelle aus Furcht vor Vergewaltigungen. Noch hatte die SS ihren Verbandssitz im heutigen Kulturhaus. Zu Kriegsende am 8. Mai sprengten deutsche Truppen die Ilzbrücke, die Feistritzbrücke und die Wehr der Schalkmühle, ehe sie flüchteten. Russische Verfolgungsfeuer richteten im Ilztal Schäden an. Nach zweieinhalbmonatiger Besetzung durch die Russen, trafen am 24. Juli 1945 die Engländer als Besatzungsmacht in Ilz ein. "Die meisten Menschen in Ilz sind ihr Leben lang auf dem Weg zur Kirche oder zum Kulturhaus an der Stelle des Granateneinschlags vorbeigegangen. Kaum jemand weiß, was vor 74 Jahren geschehen ist", will Toni Ithaler zum Nachdenken anregen.

Der Zaun befindet sich beim Ilzer Pfarrheim auf dem Weg zur Kirche und zum Kulturhaus mit Musikschule und Bücherei.
Der Einschlag am Zaungitter ist deutlich sichtbar.

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