Interview der WOCHE (+ Video)
"Manchmal braucht es schon ein dickes Fell"

Andrea Kohl ist seit August 2020 Bürgermeisterin der Gemeinde Bad Blumau. Hier auf der neuen Multisportanlage, die im Herbst 2020 eröffnet wurde.
  • Andrea Kohl ist seit August 2020 Bürgermeisterin der Gemeinde Bad Blumau. Hier auf der neuen Multisportanlage, die im Herbst 2020 eröffnet wurde.
  • hochgeladen von Veronika Teubl-Lafer

Andrea Kohl über Gleichberechtigung in der Politik und ihre ersten Monate als Bürgermeisterin von Bad Blumau.

BAD BLUMAU. Seit vergangenem Jahr finden sich in unserem Bezirk zwei Frauen an der Spitze der Kommunalpolitik. Neben Waltraud Schwammer (seit 2005 Bürgermeisterin von Dechantskirchen) leitet Andrea Kohl seit August 2020 die Geschicke der Gemeinde Bad Blumau. Mit ihren 29 Jahren ist sie die jüngste Bürgermeisterin der Steiermark.

WOCHE: Warum gibt es Ihrer Meinung nach nicht mehr Bürgermeisterinnen in den 36 Gemeinden von Hartberg-Fürstenfeld?
Bürgermeisterin Andrea Kohl: Das Bürgermeisteramt stellt ohne Frage eine sehr verantwortungsvolle, herausfordernde und vor allem zeitintensive Tätigkeit dar. Beruf, Familie und dann noch die Aufgaben als Bürgermeisterin ist sicher nicht einfach unter einen Hut zu bringen. Zum einen ist es also sicherlich das Problem der Vereinbarkeit. Zum anderen sind viele Frauen sehr selbstkritisch und fragen sich, ob sie das Amt gut ausüben und den Anforderungen gerecht würden? Männer gehen da, so denke ich, oft selbstbewusster an die Dinge heran.

Versuchen Sie eine Vorbildwirkung einzunehmen, um Frauen zu motivieren sich kommunalpolitisch zu engagieren?
Ja, natürlich. Ich möchte zeigen, dass man auch als junger Mensch viel bewegen kann und es wichtig ist, sich in der Gemeinde einzubringen. Natürlich wäre es ein Ziel von mir, dass sich das Verhältnis von Männern und Frauen im Gemeinderat die Waage hält. Doch generell - und das ist geschlechterunabhängig - wird es immer schwieriger Leute zu finden, die sich in der Kommunalpolitik verstärkt einbringen möchten, ob als Bürgermeister oder als Gemeinderat.

Sie haben - nach nur einem Jahr im Gemeinderat - einen rasanten Karrieresprung zur Bürgermeisterin hingelegt. Haben Sie sich bereits in Ihr neues Amt eingewöhnt?
Die Zeit ist sehr schnell vergangen. Es ist eine sehr spannende, interessante, aber auch herausfordernde Aufgabe. Da aufgrund von Corona keine Veranstaltungen stattfinden konnten, hatte ich genügend Zeit, um mich umfassend in die vielfältigen Themenfelder der Gemeindepolitik einzuarbeiten.

Haben Sie je daran gezweifelt, ob es die richtige Entscheidung war?
Eigentlich nicht. Ich bin mit dem Gedanken angetreten, Bad Blumau mitgestalten und weiterentwickeln zu wollen, weil mir meine Heimatgemeinden sehr am Herzen liegt. Natürlich steht man als Bürgermeisterin in der Öffentlichkeit und findet nicht immer nur Zuspruch. Da braucht es manchmal schon ein dickes Fell.

Wie ist Ihr Resümee der ersten Monate?
Die Pandemie stellt die Gemeinde und mich als Bürgermeisterin vor riesige Herausforderungen. Allerdings konnten wir auch nachhaltige und zukunftsweisende Projekte realisieren. Unter anderem war das unser Fun Park, der sich gerade jetzt in der Coronakrise als wahrer Schatz für die Bevölkerung erwiesen hat.

Was hat Bad Blumau 2021 vor?
Noch im Frühjahr wird in Bad Blumau der Spatenstich zu einem neuen Wohnbauprojekt "Bad Blumau Süd" mit insgesamt 19 Mietwohnungen gesetzt. Das Rückhaltebecken Setzbach in Bierbaum ist auf Schiene und wird 2021 weiterverfolgt. Auch die Suche nach einem neuen Pächter für den Dorfwirt läuft. Es gibt bereits ein paar Interessenten, mit denen in Kürze erste Gespräche gestartet werden. Ab 15. März bekommen wir mit der "Cities App" eine neue Informationsplattform für die Gemeinde. Sehr intensiv beschäftigt habe ich mich auch mit dem Flächenwidmungsplan, der heuer in die finale Phase geht.

Wie geht es der Bevölkerung und den Unternehmen?
Dass das Rogner Bad Blumau seit Anfang November geschlossen hat, ist sehr tragisch. Es leiden alle, Mitarbeiter, Zulieferer, Privatzimmervermieter, Buschenschänker, unser Kaufhaus, die alle enorme Umsatzeinbußen verzeichnen. Ich hoffe, dass in Bälde wieder geöffnet werden kann.

Was wünschen Sie sich für 2021?
Das Virus hat gezeigt, dass Gesundheit unser höchstes Gut ist. Ich wünsche allen viel Kraft und Gesundheit und hoffe, dass uns die Impfung wieder ein Stück hin zur Normalität bringt.

Das könnte Sie auch interessieren: Bäuerinnen als Rückgrat unserer landwirtschaftlichen Betriebe


Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Aktuell

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen