10.11.2016, 07:40 Uhr

Die Blindheit hat mir im wahrsten Sinne die Augen geöffnet

Markus Elmleitner ist ein 23 Jahre junger Mann. Der Burgauer ist stets gut gelaunt und positiv. Auf den ersten Blick möchte man nicht glauben, dass der adrette junge Mann vor 5 Jahren das Augenlicht verloren hat. Doch nicht nur, dass er gelernt hat mit dem Schicksal zu leben, sieht er mittlerweile sogar das positive in der Krankheit. Im Interview erzählt er von den schweren Zeiten und dem harten Kampf. Mittlerweile hält er selbst Seminare und Vorträge und berichtet vom Suchen und Finden des Glücks.


WOCHE: Wann und wodurch haben Sie ihr Augenlicht verloren?
Elmleitner:
Die Krankheit heißt „Retinitis pigmentosa“. Das ist eine Netzhautdegeneration, die in der Regel zum vollständigen Verlust der Sehfähigkeit führt. Ausgebrochen ist die Krankheit mit circa 13 Jahren und führte mit circa 18 Jahren zur Blindheit.

WOCHE: Gerade im Teenager-Alter will man seine Ausbildung abschließen und die Nächte in Discos verbringen. Was ging damals in Ihnen vor?
Elmleitner:
Es war PURE Verzweiflung. Man will als Jugendlicher den Führerschein machen, Spaß haben und das Leben genießen. Bekommt man dann die Diagnose der baldigen Blindheit, bricht natürlich eine Welt zusammen. Ich habe mich danach circa ein Jahr komplett zurückgezogen, hatte mit Depressionen, Drogen und Alkoholsucht zu kämpfen. Das war die schlimmste Zeit für mich – zwischendurch hatte ich sogar die Lust am Leben verloren.

WOCHE: Wie sind Sie aus diesem Abgrund wieder herausgekommen?
Elmleitner:
Durch meine Mutter. Erstens habe ich auch in meinen schlimmsten Zeiten den Kontakt zu ihr nie verloren. Ich habe immer gewusst, da ist jemand, an den ich mich wenden kann. Aber zweitens, und das war der ausschlaggebende Punkt, wollte ich sie nicht verletzen. Wollte mich ihretwegen nicht aufgeben.

WOCHE: Wie hat sich Ihr Handicap auf den beruflichen Werdegang ausgewirkt?
Elmleitner:
Die Schule wollte ich damals unbedingt abschließen. Dort konnte man sich aber die blindengerechten Lernmittel, die ich benötigt hätte, nicht leisten und so musste ich meine Ausbildung abbrechen. Ich habe mir dann relativ bald einen Job gesucht und begonnen, bei einem Call Center in Graz zu arbeiten, wo ich auch täglich alleine mit dem Bus hinfuhr.

WOCHE: Im Beisammensein mit Ihnen würde man Ihr Handicap niemals erahnen. Wie kommt das?
Elmleiter:
Der Grund warum ich so „normal“ durchs Leben gehe, ist, weil ich immer an der Gesellschaft teilgenommen habe. Nachdem ich diese schlimme Phase überwunden hatte, bin ich genauso gut mit meinen Freunden in die Disco gegangen – ich habe mich eben an den Jungs festgehalten. Durch viel Mühe und Ausdauer konnte ich mir meine Selbständigkeit erhalten und führe heute ein relativ normales Leben – ganz ohne Blindenstock.

WOCHE: Was hat Ihnen damals besonders geholfen?
Elmleitner:
Ich habe mir immer wieder neue Ziele gesteckt. Zum Beispiel habe ich eine Rhetorikausbildung absolviert. Ich finde, das ist das Wichtigste im Leben - niemals stehen zu bleiben.

WOCHE: Heute strahlen Sie mehr Freude und Gelassenheit aus, als manch anderer. Wodurch kam das große Umdenken?
Elmleitner:
Es kam der Punkt, da hat es für mich keine Option gegeben. In so einer Situation beginnt man entweder das Positive im Leben zu sehen oder man kann sich gleich aufgeben. Hop oder Drop! *schmunzelt*

WOCHE: Sind Sie glücklich? Und wie definieren Sie Glück?
Elmleitner:
Ja! Ich kann ehrlich behaupten, glücklich zu sein. Glück ist für mich Fortschritt. Ich bin mit mir selbst zufrieden, wenn ich etwas Sinnvolles in meinem Leben tue. Viele Menschen sehen im Glück leider nur materielle Dinge und vergleichen sich selbst nachteilig mit Anderen – doch man lebt für sich selbst.

WOCHE: Was ist aktuell Ihre Einstellung zu Ihrem Schicksal?
Elmleitner:
Ich bin mir sicher es hatte einen Sinn. Ich habe durch das „Handicap“ meine Berufung gefunden – anderen Menschen zu helfen. Aber eigentlich habe ich schon lange kein „Handicap“ mehr. Ich vertrete auch die Meinung, jeder Mensch bekommt nur so viel wie er auch ertragen kann.

WOCHE: Was machen Sie zurzeit beruflich?
Elmleitner:
Neben Networkmarketing habe ich begonnen, mein eigenes Programm auszuarbeiten und halte Vorträge und Seminare über Persönlichkeitsentwicklung und Motivationsfindung.

WOCHE: Wann und wo hat man die Gelegenheit, Sie live zu erleben?
Elmleitner:
Aktuell in Graz unter dem Titel „Mind Motivation“ und am 25. November auch im YUFA Fürstenfeld. Tickets sind noch erhältlich! Termine für das nächste Jahr werden jedenfalls auf Facebook immer aktuell gehalten.

WOCHE: Was soll die Zukunft bringen?
Elmleitner:
Ich möchte international durch meine Seminare Menschen weiterhelfen und sie inspirieren. Das ist meine Passion.

WOCHE: Was ist Ihr Lebensmotto?
Elmleitner:
Nur die besten Schüler bekommen die schwierigsten Aufgaben. Und: Wenn du liebst was du tust, wirst du nie wieder arbeiten.

WOCHE: Was möchten Sie den Lesern mit auf den Weg geben?
Elmleitner:
Folge deiner Bestimmung! Und wenn du sie noch nicht gefunden hast – finde sie! Die Anleitung dazu gibt es in meinen aktuellen Vorträgen. *schmunzelt*
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