18.05.2017, 09:19 Uhr

Ein Jahr Essen was vor der Haustüre wächst

Familie Groß: Christian, Diana mit Kindern Mona, Theresa, Ben und Cousine Johanna.

Endspurt: Am 31. Mai endet für Familie Groß aus Großsteinbach das "Essperiment": Ein Jahr kam nur das auf den Tisch, was im Umkreis von 100 Kilometer wächst. Die WOCHE sprach mit ihnen über die Erfahrungen der letzten Monate.

Einkaufen in der Region, beim Kochen experimentieren und Neues ausprobieren, das stand für die Familie Diana und Christian Groß aus Großsteinbach schon immer im Zentrum. Vor knapp einem Jahr entschied sich die fünf-köpfige Familie gemeinsam mit zwei weiteren Familien aus Österreich beim vom ORF-begleiteten Experiment "Das Essperiment" teilzunehmen.
"Wir wollten heimische Produzenten unterstützen und mehr auf die regionale Vielfalt achten", erzählt Diana Groß die Intention zur Teilnahme.
Das "Erwachen" wäre dann beim ersten Dreh gekommen. Beim Ausräumen des Kühlschrankes wurde mitgeteilt, dass es sich nicht allein um regionale Ernährung handle, sondern ausschließlich regionale Rohstoffe erlaubt wären, die im Umkreis von 100 Kilometer wachsen, produziert und verarbeitet werden - und das für ein ganzes Jahr.

Ein Wechsel der Gefühle

"Die größte Herausforderung war die Produzenten für gewisse Produkte zu finden", erzählt Christian Groß. Bei Eier, Fleisch oder Milch war das kein Problem. Doch vor allem bei verarbeitete Produkte stieß die Familie schnell an ihre Grenzen. "In jeder Wurst sind Gewürze vorhanden. Ein Extrawurstsemmel so zwischendurch war gleich mal gestrichen." Auch das auswärts Essen musste ausfallen.
Die ersten Wochen beschreiben die beiden Pädagogen darum als einer Mischung von himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.
Besondere Unterstützung erfuhr die Familie von den Besitzern des Restaurants Strandgut Tobias und Emily Scheuer-Penny am Freizeitsee Großsteinbach. "Tobi bezieht einen Großteil seiner Lebensmittel von regionalen Produzenten, er gab mir die Kontakte weiter und Tipps fürs regionale Kochen."

Wenn der nötige Pfeffer fehlt

Im Laufe der Zeit konnte man sich so einen breiteren Stamm an Direktvermarktern im Umkreis von weniger als 100 Kilometer aufbauen, von dem neben Brot, Milch und Käse, auch Getreide, Reis und sogar Senf bezogen wurde. In den Supermarkt ging man nur noch um Mineralwasser zu kaufen.
Einige Produzenten stellten sogar eigens für die Familie produzierte Ware, wie Leberkäse oder Eis, mit ausschließlich regionalen Zutaten her.
Denn das mit den Gewürzen war so eine Sache. Die einzige überregionale Ausnahme war das Salz. Beim Pfeffer fand man bei einem Pfefferproduzenten in Stubenberg Ersatz. Außerdem holte man sich Tipps von findigen Kräuterpädagoginnen aus der Region.

Ersatz für die "Süße des Lebens"

Die größte Herausforderung stellte jedoch der Zucker dar. Nicht unbedingt beim Süßen von Lebensmittel - wo man verstärkt auf Honig setzte, sondern vor allem zur Verarbeitung. "Marmelade machen ging nur schwer. Ich musste mich erst schlau machen, was ich statt Gelierzucker verwenden konnte. Und griff dann auf grüne Äpfel zurück", beschreibt Diana Groß den Mehraufwand - nicht nur für einen süßen Brotaufstrich. Auch Joghurt und Käse begann die dreifache Mutter neben Brot, eingelegtem Gemüse und Früchten im vergangenen Jahr selbst zu produzieren. "Da waren neun Liter Milch in der Woche gleich mal weg."

Von Bewunderung bis Skepsis

Die Reaktionen auf den neuen Lebensstil waren auch von Auswärts unterschiedlich. Von Bewunderung und Anerkennung bis über Skepsis und Kritik war alles dabei. "Vor allem als die Leute mitbekamen, das wir das ja wirklich freiwillig und ohne finanzielle Vergütung durch den ORF machten. Da glaubten sicher einige wir spinnen", schmunzelt Christian Groß. Vor allem im Winter war es manchmal mühsam, weil frisches Gemüse und Obst natürlich fast komplett wegfällt.
"Für die Kinder war das Essperiment aber nicht gar so streng. Vor allem im Kindergarten oder in der Schule wäre das nicht möglich gewesen", erklärt Diana Groß.

Letztes Großprojekt vor dem Finale

In der nächsten Woche steht noch ein letztes "Großprojekt" der Familie Groß ins Haus. "Bei einem ´Nose to Tail-Kochkurs´ in Bad Waltersdorf werden wir lernen, wie man ein ganzes Schwein zerteilt und alles vom Rüssel bis zum Schwanz verwerten kann", freut sich Christian Groß schon auf eine weitere Erfahrung.
Am 31. Mai endet für die Familie Groß dann ihr "Essperiment". Dazu soll es im Juli gemeinsam mit dem ORF ein großes Abschlussfest am Freizeitsee Großsteinbach vor dem Strandgut mit regionalen Produzenten geben.


Erfahrungen für das Leben

"Im letzten Jahr durften wir erfahren, welche hohe Qualität und Vielfalt und kreative Produzenten es bei uns vor der Haustüre gibt", freuen sich die beiden über die gewonnene Erfahrung. Auch künftig möchte man darum bei regionalen Direktvermarktern einkaufen und Supermärkte meiden. Wenn auch mit gelockerten Regeln. "Vor allem das Gewürz-Verbot" möchten wir aufheben. "Auf was ich mich jetzt wirklich schon freue ist ein Wurstsemmerl mit Mayonnaise", schmunzelt Christian Groß.

Infos im eigenen Blog

Ihre Erfahrungen vom Essperiment haben Christian und Diana Groß in einem eigenen Blog verewigt. Unter kaffeesud.webnode.at
finden Interessierte neben Tagebucheinträge, infos zur Familie und der Region und Listen von Produzenten und Direktvermarktern im Umkreis von 100km um Großsteinbach.
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