06.10.2014, 09:27 Uhr

Christliche Kernthemen mit Schafsnase und Kronprinz

(Foto: Friedrich Saurer)
Wie jedes Jahr feierten auch heuer wieder Tausende Menschen den Erntedankgottesdienst am Hartberger Hauptplatz. Zu den Klängen der Stadtkapelle und der „Hartberger Klarinettenmusi“ bildeten die schöne Erntekrone und die bunt geschmückten Erntewägen der jugendlichen Christenlehrscharen den passenden optischen Rahmen. Um den Hunderten Kindern die Predigt verständlicher zu gestalten, schlüpfte Dechant Josef Reisenhofer für die symbolischen Predigtgedanken in ein Apfelgewand.
Dabei betonte er zunächst die Dankbarkeit des Apfels gegenüber seinem Baum, der ihn getragen und wachsen hat lassen. So sollte auch jeder Mensch seinem Baumstamm oder Stammbaum und damit vor allem Gott dankbar sein für das Leben. Wie alle Apfelsorten in ihrer je unterschiedlichen Ausprägung wertvoll sind, so auch jeder Mensch, ganz gleich ob er Kronprinz ist oder eine Schafsnase hat. Wir freuen uns über äußere Schönheit, aber manche Druckstellen und Mängel gehören im Leben dazu. Faule Äpfel beziehungsweise gleichgültige Menschen bewirken keine Freude. Pfarrer Seppl, als"Apple", ließ dann einen Wurm aus dem Apfel kriechen, und verwies auf den "Wurm des Unfriedens, der Konflikte" in Familie und Gesellschaft, wenn etwa der russische Wirtschaftsboykott auch Obstbauern gefährdet. Der Wurm der Lieblosigkeit verändert den Paradiesesapfel zum Zankapfel. Mit dem Hinweis auf sein Mithelfen beim Obstpressen betonte Dechant Reisenhofer den Wert des gefallenen Apfels, des Pressobstes. Wie durch massiven Druck aus den Äpfeln ein kostbarer Apfelsaft wird, so kann auch der Mensch in der "Presse des Leidens" eine neue sinnstiftende Wirklichkeit entdecken. Diese Erfahrung führt in das Kernthema christlicher Erlösung. Schließlich kann Erntedank gerade angesichts globaler Sorgen wie Kriege, Flüchtlingstragödien, Ebolaseuche etc. gefeiert werden, wenn der Kernmitte des Apfels entsprechend, der Mensch im Kern seiner Mitte ein liebendes, solidarisches Herz hat. Eine christliche Kernenergie, die auch für die Zukunft hoffen lässt, wie ein bekanntes Diktum lautet: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen."
Dechant Josef Reisenhofer
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.