04.07.2017, 13:21 Uhr

Eine große Stimme für Fürstenfeld

Prof. Franz Majcen, als Mensch und Politiker geschätzt, wurde für seine Verdienste von Land und Stadt ausgezeichnet. (Foto: steiermark.at/Fischer)

Die WOCHE bat Prof. Franz Majcen, Präsident des Steiermärkischen Landtags a.D., zum Interview.

Prof. Franz Majcen, von 2013 bis 2015 einziger Fürstenfelder im Amt eines Präsidenten des Steiermärkischen Landtags nach 1945, feiert am 12. Juli seinen 70. Geburtstag. Mit der WOCHE sprach er über das Leben in der Politik und seine Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Fürstenfeld, deren Gemeinderat der langjährige Landtagsabgeordnete und spätere Landtagspräsident vier Jahrzehnte angehörte.

WOCHE: Wie sieht die Bilanz Ihrer langen politischen Karriere aus?
Prof. Franz Majcen: Als Abgeordneter habe ich mich bemüht, die Stadt und den Bezirk auf Landesebene zu vertreten und gute Kontakte zum Bund zu pflegen. Ziel war immer, unsere Region auf allen Ebenen voranzubringen.
Die von mir angestrebte starke Einheit des ehemaligen Bezirks Fürstenfeld hat sich als wesentlich in politischen Fragen und für die konstante Weiterentwicklung in Ausbildung, Wirtschaft oder Tourismus erwiesen. Die Summe dieser Entwicklungen ist als positiv zu bezeichnen. Es ist schön, wenn ich heute sagen kann, dass ich ein Teil davon war.

Welches Ereignis hat Sie ganz besonders geprägt?
Es gab zahlreiche schöne und bedeutende Momente. Ich hatte die Möglichkeit, an vielen wichtigen Projekten mitzuwirken, so zum Beispiel an der Absicherung des Krankenhausstandorts Fürstenfeld, der Erweiterung des Schulstandorts mit der BHAK und der HTL, an touristischen Entwicklungen mit den Thermen Loipersdorf und Bad Blumau als Flaggschiffe, oder der Ansiedelung des Bezirksgerichts und dem Erhalt von Betrieben. Als Politiker kann man die Dinge in der Region sehr gut beobachten und weiß daher auch, wo es Probleme oder Entwicklungspotenzial gibt.

Politikverdrossenheit und Kritik - wie ist es Ihnen gelungen, offen und positiv zu bleiben?
In der Bevölkerung überwiegen immer die positiven Kräfte. Man muss allerdings auf die Menschen zugehen, ihnen Lösungsansätze - aber auch die Möglichkeit zur Mitwirkung an Entscheidungen und Projekten bieten. Persönlich freut es mich besonders, wenn ich sehe, wie viele Bürger, insbesondere auch viele junge Leute bereit sind, ihren Teil zu sozialem Leben und Wohlstand in den Gemeinden beizutragen. Oft nehmen sie dafür lange Ausbildungen auf sich und opfern ihre Freizeit.

Sie stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit. Wünschen Sie sich manchmal mehr Privatsphäre?
Wenn man ein ganzes Berufsleben in der Politik verbringt, gehört die Öffentlichkeit dazu. Es geht mir gut dabei. Ich sehe die Begegnungen mit den Menschen als etwas sehr Wertvolles. Im persönlichen Gespräch erfährt man, wo der Schuh drückt und wie man jemandem zur Seite stehen kann. Oft ist es gelungen zu helfen.

Welchen Stellenwert nimmt Fürstenfeld für Sie ein?
Fürstenfeld trage ich immer im Herzen, egal wo ich bin. Zwischen Graz und Budapest gelegen, sind Stadt und Bezirk Fürstenfeld für mich das Zentrum der Oststeiermark. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Bevölkerung unserer ehemaligen Grenzregion in Kriegen und Auseinandersetzungen über die Jahrhunderte viel mitmachen musste. Heute gehören wir - nicht nur geografisch gesehen – zum Herzstück der Europäischen Union und sind damit Teil des wichtigsten Friedensprojekts der letzten 72 Jahre.

Welche Herausforderungen warten auf die nächste Politikergeneration speziell im ländlichen Raum?
Die Aufrechterhaltung unserer hohen Standards in allen Bereichen wie in der Gesundheitsversorgung wird die größte Herausforderung sein. Aktuell befinden wir uns teilweise auf Weltklasse-Niveau. Und ich glaube, dass es da und dort wohl nicht ohne Reformen gehen wird. Der Wandel in allen Lebensbereichen wird uns begleiten.

Was wünschen Sie sich selbst anlässlich Ihres 70. Geburtstages?
Gesundheit. Dass es meiner Familie und den Menschen in meinem Umfeld gut geht und dass die Menschen gut miteinander umgehen.
Interview: Waltraud Wachmann
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