14.11.2017, 12:50 Uhr

Junge Kräfte für die Hausarztpraxis

Breites Arbeitsfeld: Dr. Alexander Moussa betreibt mit seinem Team seit 2012 seine Ordination für Allgemeinmedizin in Hartberg.

Alexander Moussa aus Hartberg zählt zu den zehn jüngsten steirischen Hausärzten.

In Zeiten, in denen der klassische steirische Hausarzt durchschnittlich 52,7 Jahre alt ist, sorgen sie für "frisches Blut": Jene jungen Mediziner, die sich quasi direkt nach der abgeschlossenen Ausbildung in das Abenteuer "Arztpraxis" stürzen.
Laut der jüngsten Landesstatistik zählen die Ärzte nämlich neben den Notaren und den Ziviltechnikern zu den stärksten überalteten Berufsgruppen. Lediglich acht Prozent der niedergelassenen Ärzte ist unter 40 Jahren. Die Gründe, warum keine jungen Kollegen nachkommen sind vielfältig, wie Alexander Moussa aus eigener Erfahrung weiß: "Die Arbeitsbelastung ist meist recht hoch und die Familie leidet unter den häufig nicht planbaren Tagesabläufen. Wochenend-, Feiertags- und Nachtdienste sind zu leisten und bei Verhinderung bzw. Krankheit steht der Betrieb still", so der 35-jährige Allgemeinmediziner, der seit 2012 eine Ordination in Hartberg führt.

Junge Ärzte gesucht

Weiters würden junge Kollegen vor der Selbständigkeit, Kassenbürokratie und den nicht mehr zeitgemäßen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurück schrecken.
Die Auswirkungen des Hausärztemangels sind deutlich spürbar. Steiermarkweit sind zehn Stellen derzeit unbesetzt. Vier davon im Bezirk Hartberg Fürstenfeld. Vor allem der nördliche Teil des Bezirks sei stark betroffen, betont Moussa, der gleichzeitig auch Obmann der Sektion Allgemeinmedizin sowie Kassenärztlicher Referent der Ärztekammer Steiermark ist.
Trotz mehrfacher Ausschreibung ist sowohl Pöllau als auch Friedberg noch immer auf der Suche nach Hausärzten. In Vorau (hier sind zwei Stellen unbesetzt) musste eine dislozierte Versorgungseinrichtung des Marienkrankenhauses eröffnet werden.

Tragende Säule der Versorgung

Der Bedarf an Allgemeinmedizinern ist also groß. "80 Millionen Patientenkontakte werden jährlich von Allgemeinmedizinern abgewickelt", berichtet Moussa. "Damit sind wir eine tragende Säule der medizinischen Versorgung in Österreich." Dass dieser maßgeblichen Stütze auch viele Steine in den Weg gelegt werden – Kassenbürokratie, Limitationen – ist bekannt. Wie könnte man nun aber jungen Ärzten das Berufsbild des Hausarztes wieder schmackhaft machen?
"Man muss den jungen Kollegen rasch positive Perspektiven darstellen und alle Formen der Zusammenarbeit (Stichwort: Anstellung Arzt bei Arzt), moderne Medizin mit adäquaten wirtschaftlichen Voraussetzungen inklusive Finanzierung der Lehrpraxis ermöglichen."

Viele Pluspunkte

Denn die Arbeit als Hausarzt - vor allem am Land - hätte, so Moussa viele schöne Seiten. "Allen voran die Dankbarkeit, die von den Leuten entgegengebracht wird. Man nimmt ja am Lebensalltag der Leute und deren Familien teil."
Auch das breite medizinische Spektrum, das selbstständige Arbeiten, die Abwechslung und die täglich neuen medizinischen Herausforderungen sieht Moussa als eine Summe, viele kleiner Pluspunkte, die seine Arbeit als Hausarzt so angenehm machen.

Zur Person:
  • Name: Alexander Moussa 
  • Beruf: Arzt für Allgemeinmedizin und Obmann der Sektion Allgemeinmedizin sowie Kassenärztlicher Referent der Ärztekammer Steiermark
  • Wo: in Hartberg seit 2012
  • Privat: verheiratet, 2 Kinder
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