17.09.2016, 09:41 Uhr

"Vollgas geben und eini ins Leben" - Paul Pizzera im WOCHE-Interview

Aus dem Leben gegriffen: Paul Pizzera treibt auf der Bühne Alltagssituationen humoristisch bis an die Spitze.

Die WOCHE traf Kabarett-Shootingstar Paul Pizzera in Loipersdorf und sprach mit ihm über Tabus, das Schneeballprinzip "Erfolg", die Kunst Ängste zu überwinden und warum "schiarch" einfach schöner ist als "hässlich".

Seit 2 Jahren begeistert Paul Pizzera mit seinem aktuellen Programm
"Sex, Drugs & Klei’n’Kunst". Die WOCHE traf das humoristische Ausnahmetalent vor seinem Auftritt im Thermen Congress Center in Loipersdorf.

Bist du das erste Mal in Loipersdorf?

Ja, also für meinen Auftritt schon. Aber natürlich war ich schon öfter in der Region. Als ich klein war, sind wir auch öfter nach Fürstenfeld Baden gefahren.

Du kommst ja viel in Österreich herum, welche Region gefällt dir besonders gut?

Jede Region, finde ich, hat ihre Reize. Aber besonders wohl fühle ich mich in der Südststeiermark oder die Südoststeiermark. Das ist ein ganz eigenes Flair. Die steirische Toskana hat schon seine Reize.

Würdest du dich als Ursteirer bezeichnen?
Das vielleicht nicht gerade, aber ich identifiziere mich schon mit der Steiermark. Ich bin aber immer vorsichtig mit dem Wort "stolz" - da hängt noch immer dieser Nazimief dran. Ich bin dankbar Österreicher und eben auch Steirer zu sein. Stolz kann man auf Dinge sein, die man selbst geschafft hat.

Dass du gerne Steirer bist, merkt man auch an deiner Bühnenpräsentation. Verwendest du den Dialekt gezielt?
Der Dialekt ist mir einfach voll wichtig. Wenn ich auf der Bühne stehe, aber auch privat. Es klingt einfach authentischer und Emotionen kommen besser rüber, finde ich. Ferdinand Kratzl hat mal einen schönen Spruch gesagt:"Hässlich ist ein schönes Wort, aber "schiarch" trifft es besser." Und das stimmt auch.

Wie bist du eigentlich zum Kabarett gekommen?
Eigentlich wie die Jungfrau zum Kind. Nein, im Ernst, ich habe ja im Theatercafé in Graz gearbeitet - so als Mädchen für alles. Da habe ich schon einiges mitbekommen und die Auftritte dort haben mir imponiert. Irgendwann hab ich mir gedacht, ich probier es einfach selbst. Und das ist anscheinend gut angekommen. Erfolg ist eben immer eine Mischung aus Leistung und Glück.

Im Jahr 2015 haben rund 50.000 Menschen deine Show gesehen. Deine Karriere als Kabarettist ging ja sehr schnell steil bergauf - war das geplant?
Eigentlich nicht. Es war so eine Art Schneeballprinzip. Anscheinend habe ich mit meiner Art einfach den Zahn der Zeit getroffen. Und naja, ich versuche eigentlich nicht viel darüber nachzudenken, sondern die Welle zu reiten solange sie rollt.

Ich hab natürlich vor unserem Auftritt ein bisschen auf Google gestöbert. Jetzt wirst du manchmal als Kabarettist, manchmal als Comedian bezeichnet - hast du da eine Präferenz?

Nein überhaupt nicht, das ist mir eigentlich vollkommen egal. Es geht darum Leute zu unterhalten und ihnen Freude zu bereiten. Man sollte das was man gut kann gut machen und sich nicht auf Begriffe versteifen.

Was bedeutet Kabarett für dich?

Wenn man vor so vielen Leuten spielt, kann man hoch fliegen, aber auch tief fallen. Diese Ungewissheit hat auch seinen Reiz. Und das wiederum einen Suchtfaktor. Es ist wie bei einer Schularbeit, wo du weißt, dass du gelernt hast, aber trotzdem nicht sicher bist, wie es ausgeht.

Das heißt du brauchst die Bühne?

Klar. Aber die Frage ist halt auch, warum stellt man sich auf die Bühne? Da geht´s halt auch ein bisschen um Selbstdarstellung. "Schaut her, wie guat i bin. Sogt´s ma bitte, dass i guat bin!" Ich kenne echt niemanden der sich auf die Bühne stellt und keinen Schaden hat. Aber das ist ok, weil, bitte wer ist schon normal?

Woher nimmst du eigentlich deine Geschichten?
Also der Anstoß kommt eigentlich immer aus dem Leben. Aber für die Bühne treibst du es dann halt nach oben bis an die Spitze. Und bereitest es humoristisch auf damit die Leute lachen. Und gerade wenn du am Land aufwächst fällt dir da schon immer wieder etwas auf, wo du dir denkst "Ok..."

Bedeutet also, du spielst auch gerne mit diesem typischen Stadt-Land Klischee?
Es gibt am Land und auch in der Stadt Volldodeln. Aber gerade am Land findet man noch häufiger dieses alteingesessene "Kenn ma net, woll ma net, fang ma uns net an". Das hat einfach einen wahnsinnigen Humor für mich und den Versuch ich rüberzubringen.

Gibt es für dich auch Tabuthemen, bei denen du sagst, die gehören nicht auf eine Bühne, über die macht man keine Schmähs?

Generell finde ich, man sollte im Kabarett alles machen dürfen. Zu sagen, dies oder das darfst du nicht machen, das ist Blödsinn. Es muss einfach zusammenpassen und es kommt auch auf die Verpackung drauf an. Natürlich kann das auch einmal nach hinten los gehen.

Wie schaut es mit der Bundespräsidentenwahl aus - ein heißes Kabarettthema?

Auf alle Fälle. Auch die Politik sollte kein Tabu sein. In Österreich wird aber, vor allem wenn es ums Wählen geht, viel tabuisiert und man fühlt sich schnell mal in die Enge getrieben.

Wie gehst du dann mit solchen Situationen um, wenn ein Witz einmal hinkt?
Drüber stehen und weiter machen. Klar gibt es natürlich ab und zu Themen, die dem einen besser zusagen als dem anderen. Du wirst nie alle Geschmäcker treffen.

Was steht bei dir als nächstes am Programm?

Im Herbst 2017 kommt dann das Duo-Programm mit Otto Jaus "Ungehört solide". Das ist für mich eine ganz neue Challenge, wieder mit ganz viel Musik und Energie. Da freue ich mich schon voll drauf!

Gibt´s eigentlich eine Message, die du dem Publikum mit deinen Auftritten mit auf den Weg geben möchtest?

Also ich finde ja, man sollte sich selbst nicht zu ernst nehmen und versuchen so wenig Angst wie möglich zu haben. Wenn eine Situation dir Angst macht - einfach Vollgas rein.

So hat es bei dir jedenfalls funktioniert?
Ja genau (lacht). So könnte man sagen. Man darf sich im Leben einfach nix scheißen!

Word Rap mit Paul Pizzera

Wenn ich ins Hotel einchecke, dann schreibe ich in das Feld Beruf... selbstständig
Meine letzte Lüge war...
Sicha, klor, den Word Rap moch ma a noch! (lacht)
Geheimnisse habe ich vor...
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Fußballer werden
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Meine Ungeduld. Meinen manchmal zu hohen Ehrgeiz und meine manchmal fehlende Kreativität. (lacht)
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ein blöder Unfall, aber es gibt Schlimmeres.
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Schön, dass ich Sie wiedersehe.
Mein Lebensmotto...
Eini ins Leben!
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