70 Prozent der Bienenvölker sind tot

Die Honigernte für dieses Jahr dürfte deutlich schlechter werden als im Jahr davor, befürchten Imker
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  • hochgeladen von Iris Zirknitzer

GAILTAL. Kranke Bienen, leere Bienenstöcke und eine geringere Honigernte – den heimischen Imkern dürfte das heurige Jahr etliches Brummen im Kopf verursachen.
Josef Marschnig, Bezirksobmann vom Bienenzuchtverein Hermagor, bestätigt die triste Situation: "Es ist traurig. Heuer sind so viele Völker verendet – wir haben bei den Bienenvölkern im Gailtal einen Verlust von rund 70 Prozent“, so Marschnig.

Varroa-Milbe
Laut dem Imker sind dafür die starke Vermehrung der Varroa-Milbe in Kombination mit Pestiziden verantwortlich. "Sind Bienen bereits durch eine Komponente, wie ihren natürlichen Feind, die Varroa-Milbe, sehr geschwächt, führt das eine zum anderen. Somit werden auch Pestizide für die Biene zu einem Problem. Jedes Korn ist gebeizt. Drei bis fünf Jahre dauert es, bis die Pestizide wieder abgebaut sind. Eine zusätzliche Belastung für das Tier."
Auch Imker Josef Gratzer, Obmann vom Bienenzuchtverein Gitschtal, beklagt das Bienensterben. „Die Bienenverluste belaufen sich heuer auf ca. 70 Prozent – im Bezirk, im Land und auch in vielen anderen Bundesländern. Leider haben einige Imker sämtliche Völker verloren – also ein Totalausfall.“
Gratzer erklärt das Bienensterben mit dem milden Herbst im Vorjahr: „Da es im Herbst 2014 viel zu lange warm war, und die Bienen noch im November die Bienenbrut pflegten, konnte sich auch die Varroa-Milbe weiter vermehren. Somit ist auch im heurigen Jahr höchste Vorsicht geboten, damit es nicht wieder zu solch dramatischen Bienenverlusten kommt“, betont Gratzer. Als ratsam erachtet der Imker, sich auf die Zucht der Carnica Biene zu fokussieren. „Ein Weg ist, mittels organisierter Zuchtarbeit die reine Carnica Biene zu züchten, da diese Bienenrasse eine längere Zeit – im Winter etwa – keine Brut pflegt und somit eine Vermehrung der Varroamilbe nicht möglich ist.“

Bienenvölker stärken
Rettungsmaßnahmen sind nun nötig. Marschnig: „Wir versuchen, die Bienenvölker aufzubauen, indem man z. B. Königinnen züchtet, und so neue Jungvölker bildet. Bei den Jungvölkern wird es wichtig sein, die natürliche Schwarmbildung zu verhindern.“
Das sieht auch Gratzer so: „Es wird es extrem wichtig sein, dass diese Imker sehr rasch neue Bienenvölker oder Schwärme erhalten, damit sie nicht mit der Imkerei aufhören. Wir hätten dann nicht nur Bienenverluste, sondern auch wesentlich weniger Imker“, zeichnet Gratzer ein düsteres Bild.
Marschnig und Gratzer erwarten sich aufgrund der Situation bei den Bienenvölkern auch Einbußen bei der heurigen Honigernte. „Die zu erwartende Honigmenge für 2015 im Bezirk wird aufgrund der hohen Völkerverluste bestimmt wesentlich geringer als in anderen Jahren ausfallen“, fürchtet Gratzer. „Selbst wenn wir jetzt die Bienenvölker aufbauen, für die Ernte ist es zu spät. 2015 wird es sicher weniger Honig geben“, meint auch Marschnig. Wie hoch der Ernteausfall tatsächlich sein könnte, darüber wollten die Imker keine Prognose abgeben.

Imker mit Schuld
Die Meinung der Kollegen kann Anton Kronabetter-Segner, Erwerbsimker der Imkerei Segner in Hermagor, nicht ganz teilen. Für Kronabetter-Segner liegt das Grundproblem der überdurchschnittlichen Ausfälle bereits vor dem Herbst. "Durch den verregneten Sommer hatten die Bienen nicht genug Nahrung, dass sie sich selbst versorgen konnten. Man musste unbedingt dazufüttern."
Kronabetter-Segner schreibt die jetzige prekäre Situation teilweise den Imkern selbst zu. "90 % der Imker machten das Zufüttern nicht. Die Folge: die Königin hörte mit dem Eierlegen auf. Das Volk wurde schwächer, die Varroa hatte einen Freifahrtschein."
Der Imker kritisiert das teilweise mangelnde fachliche Vorgehen etlicher Kollegen. "Wir als Erwerbsimker sind bemüht, die Bienen und den Lebensraum der Biene zu erhalten, Imkern ist nicht einfach. Es genügt nicht, einen Bienenstock zu kaufen und den in den Garten zu stellen." Kronabetter-Segner weiter: "Eine nicht richtige Bearbeitung bringt nicht nur das Volk um, sondern gefärdet die umliegenden Bienenvölker genauso. Deshalb ist es auch so wichtig, die toten Bienenvölker im Frühjahr wegzuräumen und die Waben auszudampfen. Die wenigsten Imker machen das. Die Folge ist eine Erkrankung der gesunden umliegenden Völker."
Der Imker spart nicht mit Kritik an "Hobbyimkern": "Ich bin der Meinung, dass es nicht reicht, ein paar Kurse mit Anwesenheitspflicht zu absolvieren, um Imker zu werden. Aber das Ergebnis erleben wir ja zurzeit alle miteinander. Die Schuld liegt nur zum Teil bei den Spritzmitteln und bei der Varroa."

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