"In der Krise erkennst du wahre Freunde"

Hat sich aus Burnout und Depression wieder ihren Weg ins Leben erkämpft: Hildegard Patterer
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  • Hat sich aus Burnout und Depression wieder ihren Weg ins Leben erkämpft: Hildegard Patterer
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Hildegard Patterer (57), aus Kameritsch bei Hermagor, hat 18 Jahre zu Hause ihre Mutter und ihren älteren Bruder Christof, der an Multipler Sklerose litt und 14 Jahre im Rollstuhl saß, gepflegt. Die letzten Jahre widmete sie sich rund um die Uhr der Pflege ihrer Angehörigen.
Nebenbei versorgte sie Haushalt und Garten. Mit der Zeit wurde alles zu viel. 1993 kam dann der Schicksalsschlag: Diagnose Burnout und eine schwere Depression.
WOCHE: Was war in dieser Zeit am schlimmsten für Sie?
PATTERER: Zum einen natürlich, mit der Krankheit zurande zu kommen. Vier Monate war ich in der Neurologie im LKH Villach. Ohne professionelle Hilfe hätte ich nie aus meinem Loch fliehen können. Für mich war es ein harter Schicksalsschlag, als ich bald darauf noch insgesamt vier Depressionen hatte. Es dauerte sehr lange, wieder ins Leben zurück zu finden.
WOCHE: Warum sind manche Menschen für ein Burnout oder eine Depression besonders anfällig?
PATTERER: Prinzipiell kann es jeden Mensch treffen. In allen Schichten und Altersgruppen kommt diese Krankheit vor. Ein Risiko, daran zu erkranken haben jene, die immer perfekt sein möchten, alles schaffen wollen, sich hohe Ziele stecken und sich selbstlos für andere aufopfern. Ich führte genau so ein Leben.
WOCHE: Wie reagierte ihr näheres Umfeld, die Gesellschaft darauf?
PATTERER: Ich wurde von vielen als „Depperte“ abgestempelt. Das traf mich sehr. Es brauchte einige Zeit, bis ich mich wieder traute, unter Menschen zu gehen.
WOCHE: Was glauben Sie, warum reagieren viele so?
PATTERER: Weil das Verständnis bei den meisten Menschen noch nicht da ist. Da mangelt es noch gewaltig an Aufklärung.
WOCHE: Gibt es da ein Beispiel?
PATTERER: Vor kurzem war im Rathaus Hermagor ein Infoabend. Es ging um die Rehaklinik für psychisch Kranke, die in Untervellach gebaut werden soll. Und wenn sich dann Anrainer dagegen aussprechen, weil sie in ihrer Nähe keine „Depperten“ haben wollen, gibt mir das schon zu denken.
WOCHE: Haben Sie Ihren Lebensstil umgestellt? Ich habe erkannt dass es wichtig ist, bei Arbeiten die anfallen, auch delegieren zu können. Entspannung und Bewegung in der Natur sind ein wahrer Depressions-und Burnout-Blocker. Joga und Autogenes Training sind Fixbestandteil meines Wochenprogramms.
WOCHE: Welchen Rat geben Sie Depressionsgefährdeten Menschen?
PATTERER: Nie die Selbstachtung verlieren. Auch der Glaube kann helfen. Und Humor trägt durch die Wüsten des Lebens- diesen darf man nicht verlieren. Am wichtigsten ist aber das Auffangnetz Familie und Freunde. In einer Krise erkennst du, wer deine wahren Freunde sind.

Autor:

Iris Zirknitzer aus Hermagor

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