Acht Stunden in Lebensgefahr

In diesem unwegsamen Gelände im sogenannten Kreuzgraben saßen die zwei verirrten Wanderer fest
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  • Foto: Hermann Verderber
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MÖDERNDORF-GARNITZENKLAMM. Immer wieder geraten Wanderer in Bergnot. So auch diesmal. Im Kreuzgraben in der Garnitzenklamm kam es zu einem dramatischen Rettungseinsatz der Bergwacht.
"Bereits einen Tag nach unserem letzten Einsatz in der Garnitzenklamm erreichte uns am 12. August um ca. 20 Uhr abends die SMS-Nachricht, dass zwei Wanderer im Bereich der Garnitzenklamm im unwegsamen Gelände festsitzen und weder vor noch zurück konnten", erinnnert sich Reinhold Ressi von der Bergrettung, Ortsstelle Hermagor.

Handyakku fast leer
Die Handy-Leistung der Wanderer ließ schon merklich nach, sodass sich die Polizei nur kurz mit den zwei Abgängigen in Verbindung setzen konnte, um ihren ungefähren Standort herauszufinden. Aufgrund der bevorstehenden Dunkelheit wurde der Libelle-Hubschrauber der Polizei zur Assistenz gerufen, der die zwei Männer auch relativ bald im Bereich des „Kreuzgrabens“ lokalisieren konnte. Dieser Graben wird aufgrund seiner Steilheit und Gefährlichkeit selbst von Jägern selten betreten. Ressi: "Die zwei Abgängigen konnten mit ihrer Kamera einige Blitzlichtsignale senden, die ihr Auffinden erleichtern sollte. Waren wir anfänglich der Meinung, dass wir die zwei Wanderer „nur abzuholen“ brauchten, entpuppte sich das schon sehr rasch als massiver Irrtum."

West-Zustieg nicht möglich
Der Hubschrauber dirigierte die Rettungsmannschaft über einen Forstweg recht genau in die Nähe der zwei Abgängigen. "Vor Ort stellte sich allerdings heraus, dass ein Zustieg von Westen zu den beiden aufgrund des senkrecht abfallenden Geländes unmöglich war, obwohl wir nur etwa 100 m Luftlinie von ihnen entfernt waren" schildert Ressi. So musste ein Zugang von der Egger-Alm Landesstraße zu den Wanderern gefunden werden.

Gefahr durch Steilgelände
Ein Polizist, der mit den vielen Forst- und Stichwegen auf der gegenüberliegenden Seite genau vertraut war, dirigierte den zweiten Teil der Rettungsmannschaft in Richtung Einsatzgelände, während er selbst von der Westseite mit den starken Suchscheinwerfern des Polizeiautos den Standort der Abgängigen ausleuchtete.
"Unsere Einsatztruppe bereitete sich daraufhin auf den gesicherten Abstieg zu den Abgängigen vor. In diesem Steilgelände durfte kein Stein abgetreten werden, da er die Wanderer gefährden konnte. Auch die Sicherheit der Einsatzkräfte musste in jeder Phase des Rettungseinsatzes gewährleistet sein, so Ressi.

Nacht erschwert Suche
Die mittlerweile stockdunkle Nacht erleichterte die Rettungsmaßnahmen nicht gerade. Über 300 Meter Seil waren erforderlich, um zu den Abgängigen zu gelangen" berichtet Ressi. Aufgrund des laufenden Standortaustausches mittels Funk und Lichtzeichen zwischen der Rettungsgruppe „West“ und der Gruppe „Ost“ (diesseits und jenseits des Kreuzgrabens) konnten die abgängigen Wanderer schließlich gegen 24 Uhr gefunden werden.
Die zwei Männer wurden ans Seil gesichert. Es begann der anstrengende und gefährliche Aufstieg entlang des Sicherungsseiles in dem steilen Grabengelände. Immer wieder musste der Aufstieg unterbrochen werden, um den Männern Gelegenheit zur Erholung zu geben oder bei besonders steilen Abschnitten zusätzliche Hilfe zu leisten. Auch stellte sich heraus, dass der Weg zurück entlang des Seiles nur zum Teil möglich war. Steilstufen, die beim Abseilen der erfahrenen Bergretter problemlos zu bewältigen waren, konnten mit den zwei Abgängigen bergauf so nicht überwunden werden. Die Bergretter mussten oberhalb die Lage des Sicherungsseiles immer wieder verändern und permanent aufpassen, in dem z. T. über 50-60 Grad steilen Gelände keine Steine loszutreten bzw. nicht selbst in Absturzgefahr zu kommen.

Nach acht Stunden gerettet
Schließlich erreichten die Abgängigen und die Rettungsmannschaft nach drei Stunden mühsamen und gefährlichen Aufstiegs über rund 200 Höhenmeter den sicheren Forstweg. Der Einsatz konnte nach acht langen Stunden erfolgreich beendet werden. Ressi: "Wir fragten die zwei Männer, warum sie in diesen unwegsamen Graben eingestiegen waren." Sie gaben an, dass sie durch die Garnitzenklamm gegangen wären, dann auf die Möderndorfer-Alm und weiter zur Egger-Alm wollten. In dem Forstgebiet südlich der Garnitzenklamm darf laut Grundstückseigentümer keine Markierung bzw. auch kein Wegweiser angebracht werden, der eine Orientierung hätte geben können. Da sie bei zwei Stichwegen zurückgehen mussten, stiegen sie am Ende des 3. Stichweges in den Kreuzgraben ein, in der Hoffnung, dass sie dieser wieder zurück in die Klamm bringen würden. Das Ergebnis ist bekannt. "Wir waren froh, dass dieser extreme nächtliche Einsatz so gut ausgegangen ist", so Ressi erleichtert.

In diesem unwegsamen Gelände im sogenannten Kreuzgraben saßen die zwei verirrten Wanderer fest
Wird den Einsatz so schnell nicht vergessen: Ortsstellenleiter R. Ressi
Autor:

Iris Zirknitzer aus Hermagor

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