Das ist mein Leben im Rollstuhl

Erstmals wieder durch eigene Kraft im Freien "radeln" - darüber freuen sich Helmut und Christina
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  • Erstmals wieder durch eigene Kraft im Freien "radeln" - darüber freuen sich Helmut und Christina
  • hochgeladen von Hans Jost

HERMGOR (jost). Seit seinem Unfall beim „Kärntner Radmarathon“ am 3.Juli 2016 ist für den jungen Hermagorer Radsportler Helmut Jost nichts mehr so, wie es bis dorthin war. Trotz perfekter Rettungskette und optimaler Versorgung im Klinikum Klagenfurt, wurde die Diagnose „Querschnittlähmung“ zur bitteren Realität. Auch beim anschliessenden Reha-Aufenthalt in Tobelbad bei Graz haben die Experten ihr Bestes gegeben.
Kurz vor Weihnachten 2016 kam Helmut nach Hause.
Die WOCHE hat den leidgeprüften Sportler kürzlich zu Hause besucht, um zu erfahren, wie es ihm ein Jahr nach dem schicksalhaften Unfal geht.

Theorie und Praxis

Etwas nachdenklich sitzt Helmut in seinem Rollstuhl und gibt bewegend realistische Einblicke in seine Gefühlswelt: „Manchmal träume ich vom Gehen und frage mich, warum es gerade mich erwischt hat? Es ist leider viel mehr, als „nur“ nicht mehr Gehen zu können. Der Alltag bringt immerwieder neue Herausforderungen. Meine Lähmung bedeutet nicht nur, meine Beine nicht mehr bewegen zu können, sondern die Verletzung bringt zusätzliche gesundheitliche Komplikationen und Einschränkungen im täglichen Leben mit sich.
Tobelbad war wie ein „geschützter Bereich“ – dort sind zahlreiche Verletzte mit ähnlichen Problemen unter sich, daher wächst in dir die Gewissheit, dass bald alles besser wird.
Doch der Alltag zu Hause zeigt dir dann knochenhart auf, wo’s wirklich lang geht.“

Berufsleben

Im April dieses Jahres konnte der junge Kühweger erfreulicherweise wieder in sein Berufsleben einsteigen. Im Innendienst des Karnischen Abwasserverbandes arbeitet er – mit einigen persönlichen und baulichen Anpassungen – vorerst halbtags im Labor.
Helmut: „Ich bin total happy darüber, mich beruflich endlich wieder einbringen zu können; und mit meinem behindertengerecht adaptierten PKW bin ich unabhängig mobil, das ist für mich doch wieder hohe Lebensqualität.“

Sport

Die verschiedenen Trainingsgeräte in seinem Elternhaus in Kühweg nutzt der junge Sportler regelmässig und intensiv, um damit vor allem der Arm- und Schultermuskulatur jene Kraft zu geben, die für ihn zur Alltags-Bewältigung unverzichtbar ist.
Angesprochen auf seine sportlichen Ambitionen, zeigt sich Helmut kämpferisch motiviert: „Obwohl mir der Radsport das Kostbarste, nämlich die Gesundheit, genommen hat, will ich auf das Radfahren nicht ganz verzichten.“
Stolz, und unter Mithilfe seiner Frau und seiner Familie, besteigt er im Zuge des Besuches der WOCHE erstmals ausserhalb seines Fitness-Raumes das neue Handbike, um damit die ersten kurzen Test-Fahrten im Heimatdorf Kühweg zu wagen.
„Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man sich nach einem Jahr erstmals wieder mit eigener Kraft in freier Natur fortbewegen kann“ beschreibt der begeisterte Biker mit glänzenden Augen seine ersten Strecken-Meter auf drei Rädern.

Nebengeräusche

Als schmerzliche Nebengeräusche empfindet Helmut lediglich die immerwieder aufflammenden Erinnerungen an den verhängnisvollen Unfall, verursacht durch diverse (seiner Meinung nach verzichtbare) Pressemeldungen über den aktuellen Verfahrensstand zur Ursachen- und Verantwortungsfindung. „Mehrmals sind uns schon kuriose Gerüchte zu Ohren gekommen, wonach teilweise die Meinung kursiert, ich würde im Hintergrund auf die Klärung der Verschuldensfrage drängen, in der Erwartung eines Vorteiles für mich. Solche Gemeinheiten hätte ich mir nicht erwartet.“
Beim Gespräch mit der WOCHE treibt die Verwunderung und Enttäuschung über derartige Gedanken dem jungen Paar Helmut und Christina Tränen in die Augen, und der leidenschaftliche Biker ergänzt: „Das großartige Zusammenstehen meiner gesamten Familie sowie die wertvollen Geldspenden, für die ich unendlich dankbar bin, haben mir bisher sehr geholfen, meine Schicksals-Weichen in eine etwas erträglichere Zukunft im Rollstuhl zu stellen, aber die Gesundheit kann mir halt doch niemand mehr zurückbringen...“

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