"Man muß auch Schwächen zeigen dürfen!"

Im Friedenspark plauderten wir mit Adolf Winkler
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HERMAGOR. Diesmal trafen wir zum Gespräch im Park Oberst Adolf Winkler. Der Friedenspark in Hermagor war Schauplatz des Treffens. Seit 2012 ist der Hermagorer der Chef der Verkehrsabteilung der Kärntner Polizei. Im Interview spricht der 54 jährige über die Herausforderungen in seinem Beruf, über sein Hobby die Jagd und warum er auf Perfektionismus „pfeift“.

WOCHE: Herr Winkler, was macht ein Chef der Verkehrspolizei den ganzen lieben langen Tag? Welche Aufgabenbereiche haben Sie in ihrem Amt über?
ADOLF WINKLER: Ich koordiniere die Verkehrsüberwachung. D.h ich bin für sämtliche verkehrsrechtliche Angelegenheiten aller Polizeiinspektionen sowie Bezirks- und Stadtpolizeikommanden in ganz Kärnten zuständig – als deren Ansprechpartner und als koordinierendes Bindeglied in diesem Netzwerk. Zusätzlich bin ich verantwortlich für 180 Mitarbeiter, die bei mir im Stammhaus in Krumpendorf und auf den vier Autobahninspektionen stationiert sind. Die Koordination mit den Verkehrsbehörden des Landes gehört zu meinem Aufgabenbereich ebenso wie Angelegenheiten der See- und teilweise der Flugpolizei.

Thema Verkehr und Verkehrsteilnehmer: Was hat sich hier über die Jahre gravierend verändert?
WINKLER: Die Zahl der Verkehrsteilnehmer ist gestiegen und die Zahl der Verkehrsmittel hat deutlich zugenommen. Hatte vor 40 oder 50 Jahren ein Haushalt einen Pkw für die ganze Familie, so beansprucht heute beinahe jedes Familienmitglied bereits ein Verkehrsmittel für sich. Nicht selten hat eine vierköpfige Familie einen ganzen Fuhrpark zuhause. Die Eltern haben jeweils einen eigenen Pkw. Die Kinder besitzen, ebenso wie meist auch ihre Eltern, ein Fahrrad, später dann ein Moped oder eine Maschine, und schließlich ein eigenes Auto.
Das Spannungsfeld „öffentlicher Raum“ verstärkt sich in jeder Hinsicht. Auffallend ist auch, dass der Egoismus unserer Gesellschaft sich auch beim Verhalten im Verkehr wieder spiegelt. Die Rücksichtnahme auf andere geht zurück. Die Verkehrsteilnehmer sind gestresster, folglich wird auch aggressiver gefahren. Alle diese Aspekte führen dazu, dass es Verkehrsüberwachung und gewisse Rahmenbedingungen braucht. Unsere Arbeit ist die, dahingehend noch stärker aufzuklären und Prävention zu betreiben. Der repressive Faktor, also die Bestrafung, ist leider ein notwendiger, aber unverzichtbarer Teil der Verkehrspolizei.

Was sind die Herausforderungen in ihrem Job? Was ist schwieriger geworden?
Das gesamte gesetzliche Regelwerk ist massiv erweitert worden – das betrifft vor allem die Vielzahl an Verkehrsregeln auf der Straße, die Anpassung an EU-Recht sowie zwischenstaatlichen Vereinbarungen. Die technische Ausgestaltung von Fahrzeugen wird immer umfangreicher und zieht natürlich wieder detaillierte Fachkenntnis nach sich.
Dieses äußerst komplexe Regelwerk auf ein für alle Kollegen überschaubares und verständliches Niveau zu bringen, ist eigentlich eine tägliche Herausforderung. Bei großen Events müssen wir bereits im Vorfeld viele Vorkehrungen zur Verkehrssicherheit treffen.

Was war Ihr bisher schwierigster Einsatz?
Vor rund 30 Jahren, kam ich als noch junger ‚Gendarm‘ zu einem schweren Verkehrsunfall im Gitschtal, als drei Jugendliche bei einem Verkehrsunfall starben. So was hinterlässt schon Spuren.

Sie sind ein leidenschaftlicher Jäger. Die Vorfälle mit Bären und anderen Wildtieren sind ja derzeit ein heiß diskutiertes Thema: Wie stehen Sie dazu?
Grundsätzlich sind Bär, Luchs und Wolf weltweit in ihrer Art nicht bedroht. Gleiches gilt wohl auch für den Kormoran, den Fischreiher oder den Goldschakal. Um nur einige neu zugewanderte Tierarten zu nennen.
Ein einzelner Bär, Wolf, Luchs usw. ist sicherlich keine Bedrohung. Was aber, wenn sich die Tiere vermehren und dann eine größere Population durch unsere Kulturlandschaft streift? Ich denke, Österreich und damit Kärnten, kann man aus geografischer Sicht nicht mit Russland, Kanada oder anderen großflächigen Ländern vergleichen. Der Lebensraum für Wildtiere bei uns ist ein ganz anderer als in diesen Staaten. Damit will ich sagen: wir leben hier eher in einer Kulturlandschaft, als in einer Naturlandschaft.

Sie pendeln jeden Tag von Hermagor nach Krumpendorf. Denkt man da nicht über einen Wohnungswechsel nach?
Nein, ich bin mit Leib und Seele Gailtaler. Als naturverbundener Mensch liebe ich die Landschaft in unserem Tal, die Menschen und die Geselligkeit der Gailtaler. Wir haben im Gailtal alles vor der Nase: Berge, Seen, Skigebiete, Wälder usw. Wenn ich mich nach einem stressigen Tag erholen will, gehe ich in die Natur.

Apropos Stress und Anforderungen. Wie gehen Sie damit um?
Ich bin ein gewissenhafter, verlässlicher Mensch. Aber ich erlege mir sicher nicht den Druck auf, ständig in allen Lebenslagen alles perfekt machen zu müssen. Den Drang, dass ich mir tausend Dinge auferlege, nur damit ich nach außen hin zeigen kann: Schaut her, was ich alles locker auf die Reihe bringe, das bin nicht ich. Ich finde, man muss auch Schwächen zeigen dürfen und sich diese eingestehen. Was man aber tun kann und soll: Sich bemühen, Fehler nicht zu wiederholen.

Zur Person:

Name: Adolf Winkler
Alter: 54
Wohnort: Förolach und Grafendorf im Gailtal

Familienstand: Verheiratet mit Andrea ( Sohn Michael und Tochter Kathrin (beide studieren in Graz)

Ausbildung: Matura am BORG Hermagor
Gendarmerieschule, Einteilungen auf verschiedenen Dienststellen von Arnoldstein bis Liesing, Sicherheitsadkademie in Mödling, Bezirksgendarmeriekommando in Villach und berufsbegleitendes Bachelorstudium in Wiener Neustadt
Seit 2002 Leiter der Landesverkehrsabteilung

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